Na schön, dann eben in den nächsten Abschnitt: Ein dunkler Hinterhof voller Rohre, Bretterstapel und einem LKW, dazwischen jede Menge Feinde. Jeder einzelne davon angeblich ein Individuum, denn die anwesenden Entwickler betonten das Credo »Bond doesn't fight idiots!« mehrmals. Die KI-Routinen sollen ganz neu und toll sein,
die Gegner sich wie beim vergleichbaren Euphoria-System immer anders und überraschend verhalten. Ganz ehrlich? Hab nix davon gemerkt: Aus vollem Lauf sprinte ich in Deckung, die Kamera schaltet aus der Ego- in die Schulterperspektive, aus dem sicheren Hafen heraus verwandele ich einen Feind nach dem anderen in leblose Polygonhaufen. Ob's daran lag, dass nur der zweite von drei Schwierigkeitsgraden aktiviert war? Die Antwort auf diese Frage liefere ich im Test nach. Aber auch ohne spontanen Handstand lieferten die Gegner akzeptablen Widerstand: Je mehr Treffer Bond kassiert, desto mehr verengt die serientypische Iris das Sichtfeld, bis schließlich nur noch der letzte Checkpunkt Heilung bringt. Um das zu vermeiden, empfiehlt es sich, bei zu starken Verletzungen mal ein Ruhepäuschen in einer sicheren Ecke einzulegen - eine kurze Wartezeit später sind alle Blessuren verschwunden. Jedenfalls ballere ich mich über Hof und LKW zu einer Leiter, die zu einer Brüstung führt. Einen Sprung später sehe ich schon wieder Daniel Craig in die stahlblauen Augen und muss ihn an der Hauswand entlang zur anderen Seite führen, dabei ständig auf und ab schwenkenden Suchscheinwerfern ausweichend. Auf dem Dach angekommen warten scheinbar unendliche Gegnermassen sowie der erneute Hinweis, bitte nicht weiterzuspielen.![]()

Die Levels sind realistisch, aber strikt linear aufgebaut.
Ein Quantum Sprungkraft
Level drei. Wir befinden uns im ersten Drittel von Casino Royale, zusammen mit Vesper Lynd im Schnellzug nach Montenegro. Was der Film verschweigt: James Bond erledigt während der Fahrt etwa 60 Gegner. Ich renne über die Dächer des Zuges, brettere durch gläserne Dächer, springe auf eine parallel fahrende Eisenbahn und erledige von dort aus jede Menge Feinde auf dem ursprünglichen Zug, und springe schließlich in letzter Sekunde auf ein gerade abgetrenntes Abteil - puh, hoffentlich kriegt die Omega-Uhr keinen Kratzer ab! Während in der Außenaction hauptsächlich die Waffen zum Einsatz kamen (davon gibt es 26, die teilweise mit Extras wie Schalldämpfer oder Laservisier erweitert werden können), lasse ich innerhalb der Abteile vorzugsweise Fäuste und Ellbogen sprechen: Wie bei Kollege Bourne
muss ich nur nahe genug an einen Feind herankommen,
dann reicht ein Klick auf den rechten Stick, um einen »Takedown« zu zünden. Ich habe zwei Sekunden Zeit, die richtige (eingeblendete) Taste zu erwischen, dann liegt der Feind nach einer fiesen Animation zu meinen Füßen. Praktisch, außerdem ansehnlich aus der Außenperspektive präsentiert. Innerhalb dieses Levels kamen auch vermehrt Handys zu Zug: Diese blau leuchtenden Klingelfreunde liegen entweder lose herum oder werden von abgehakten Feinden fallengelassen. Sammelt ihr sie ein, wandert die SIM-Karte in euren Besitz, was nicht nur Text- und Sprachnachrichten mit evtl. hilfreichen Tipps, sondern auch diverse Geheimnisse offenbart. Die Spielerei mit dem Handy soll übrigens im Wesentlichen alles sein, was euch in Sachen Gadgets begegnet: Der neue Bond hat weniger mit Raketenrucksäcken und Laseruhren zu tun als seine Vorgänger.![]()

Ihr spielt stark erweiterte Szenen aus dem Film: Hier kämpft sich James Bond durch den Zug, der ihn und Vesper Lynd in Casino Royale eigentlich friedlich nach Montenegro brachte.
Technisch bietet der neue James gute, aber nicht umwerfende Bilder: Realistisch aufgebaute Levels führen streng linear zum Ziel, die Figuren, allen voran der virtuelle Daniel Craig, sehen sehr gut aus, die Effekte passen zur Action. Die seht ihr die meiste Zeit aus der Ego-Perspektive, nur für spezielle Aktionen wird in die Außenansicht geschwenkt - ihr könnt nicht selbständig wechseln, das bestimmen die Entwickler. Das führt hin und wieder zu Ärgernissen: Gelegentlich könnt ihr durch Fenster oder über Geländer springen, allerdings nicht wie ihr lustig seid, sondern bloß an einer bestimmten Stelle, die dann auch mit einer entsprechenden Tasteneinblendung markiert ist. Das führte bei mir immer wieder mal dazu, dass ich wie ein hyperaktives Huhn im Red Bull-Delirium vor einem Fenster auf- und niederhüpfte, ohne die richtige Stelle zu erwischen. Machte aber nichts, denn der nächste Schulterklopfer war nicht fern.
Ausblick
Ersteindruck: gut