Mehr Schwung im fünften Anlauf?
Angefangen hatte es mit dem vierten Splinter Cell. Denn weil Sam als Doppelagent
hinter feindlichen Linien operierte, zeigte sein allzu glattes Gutmenschen-Antlitz erste Risse. Doch die charakterlichen Untiefen blieben ebenso oberflächlich wie die spielerischen Neuerungen. Inhaltlich wirkte der technisch eindrucksvolle Sprung ins HD-Zeitalter zu gewöhnlich. Kein Wunder, dass die Entwicklung von Ubisoft Shanghai wieder zurück nach Montreal wechselte, wo man Großes vorhatte: In offenen Arealen sollte der Spitzel schleichen, bei Tag statt bei Nacht. Aber was Assassin's Creed
gelangt, funktionierte in der Welt des Third Echelon-Agenten nicht. Schon wieder musste man umdenken. Und so ist das umgekrempelte Conviction der inzwischen dritte Anlauf, mit dem Ubisoft seinem Leisetreter ein modernes Gesicht zu geben versucht.
"Action" ist dabei das Schlagwort. Denn anders als bisher wird Sam sehr flink klettern, hangeln und schleichen, um seine Gegner schließlich mit schnellen Aktionen auszuschalten. Ob er sie tötet oder lediglich ausknockt, ist ihm dabei egal; über Leben und Tod entscheidet nicht mehr das spielerische Gewissen, sondern eine je nach Situation abgespulte Bewegung. Wenn die Entwickler über den mit "Conviction" untertitelten fünften Teil sprechen, erwähnen sie deshalb aufdringlich oft das Wort "Panther". Warum? Weil ihr neuer Sam wie eine Katze sein soll: leise und flink. Immerhin ist er als durchtrainierter Spezialagent so etwas wie ein gebändigtes Raubtier...
Dabei arbeitet der ehemalige Third Echelon-Spion längst nicht mehr für die Regierung, sondern ist seit dem Abspann der vergangenen Episode auf der Flucht. Nicht nur das: Erinnert ihr euch daran, wie seine Tochter in einem viel zu kurzen Moment überfahren wird, das Thema anschließend aber einfach ignoriert wurde? Jetzt ist es endlich an der Zeit, dass Sam Rache nehmen wird! Der ausgebüchste, schlecht ausgerüstete Mann ist also auf der Suche nach dem Mörder seiner Tochter - und kommt dabei einer Verschwörung auf die Schliche, die ihn bis nach Washington führt. Das verraten jedenfalls die Trailer, mehr geben die Entwickler noch nicht preis. Gut so! Aber es ist nicht nur deshalb verdammt schwierig, das neue Splinter Cell selbst so kurz vor seinem Erscheinen einzuordnen. Ubisoft hält sich nämlich nicht nur mit Informationen zur Geschichte zurück - besonders die Menge des bisher spielbaren Materials lässt kaum vollwertige Rückschlüsse zu.
Uuuuund Action!
Sehr unklar bleibt die Qualität der Kampagne für Solo-Schleicher, denn was wir davon spielen durften, beschränkt sich auf die Demo der diesjährigen Tokyo Game Show - ein sehr kurzer Level, in dem es laut Ubisoft nur darum ging, alle wichtigen Facetten des Spiels zu
präsentieren. Will heißen: Eigentlich zugängliche Räume waren verriegelt, alternative Lösungswege auf ein Minimum reduziert. Per Cheat durften wir zudem Sams neue Spezialfähigkeit "Markieren und Ausführen" unendlich oft nutzen. Über den Spielfluss im fertigen Conviction lässt sich so natürlich wenig sagen.![]()

Die Suche nach dem Mörder seiner Tochter führt den ehemaligen Regierungsspion bis nach Washington.
Dennoch: Schon in der Messe-Demo lassen sich die Neuerungen erkennen, welche die Serie vor allem in Sachen Action voran bringen. So wurde die Steuerung nicht nur um "Ballast" wie den nicht-tödlichen Angriff erleichtert - auch das Laufen und Aufsuchen von Deckung gleicht jetzt den geschmeidigen Abläufen eines 3rd-Person-Shooters. Dabei gefällt mir, dass Sam nur so lange in Deckung geht, wie man die entsprechende Taste gedrückt hält. Der Übergang von der Defensive in die Offensive ist somit fließender. Außerdem wechselt der Ex-Agent per Knopfdruck automatisch in die anvisierte Deckung. Mit solchen Mitteln sowie seinen flinken Bewegungen, die an Assassin's Creed erinnern, wurde der Ablauf spürbar gestrafft. Auf dem Digikreuz liegen zudem keine unterschiedlichen Sichtgeräte mehr. Vielmehr wählt man mit den Richtungstasten den gewünschten Ausrüstungsgegenstand. Die ausgesuchte Granate oder ferngesteuerte Kamera wird dann per Aktionstaste ausgelöst.



