Spec Ops: The Line
USK: 18
Shooter (Taktik-Shooter)

Test: Spec Ops: The Line

So testet 4Players

Autor:
Michael Krosta

Die Sonne brennt und feine Sandkörner wirbeln sich ihren Weg durch die trockene Wüstenluft. Captain Walker tropfen die Schweißperlen von der Stirn. Es ist nicht nur die Hitze, die dem Anführer der dreiköpfigen Spezialeinheit zu schaffen macht. „Entscheiden Sie, wer gerichtet werden soll“, quäkt es aus dem Funkgerät. Von Scharfschützen umzingelt baumeln in Todesangst ein geknebelter Zivilist und ein Soldat vor mir. Wie soll ich mich entscheiden?
Willkommen in der Zwickmühle

Video: Dubai ist auch nicht mehr das, was es mal war...
Es sind Momente wie diese, die Spec Ops: The Line auszeichnen und von anderen Shootern abheben. Da ist ein Familienvater, der aus Verzweiflung Wasser gestohlen hat - ein Kapitalverbrechen im Dubai der nahen Zukunft, das nach einer Serie von verheerenden Sandstürmen nahezu zerstört ist und von dem verschollenen Colonel Konrad und seiner 33. Infanterie eigentlich evakuiert werden sollte. Neben ihm hängt der Soldat, ebenfalls an den Händen gefesselt und mit einem Knebel im Mund. Sein Vergehen: Er hat den Zivilisten bei seinem Diebstahl erwischt und als Strafe seine gesamte Familie eiskalt hingerichtet. Jetzt blüht ihm ein ähnliches Schicksal. Oder gibt es vielleicht doch einen anderen Ausweg?

Verschiedene Lösungsansätze

Die gezeigten Bilder und Szenen sind teilweise heftig.
Manche Bilder und Szenen sind heftig und berühren selbst die harten Deltas.
Ich versuche zuerst, mich um die Entscheidung zu drücken und gehe einfach weiter. Nach wenigen Schritten zerfetzt ein lauter Schuss die angespannte Stille. Lieutenant Adams, einer meiner beiden Begleiter, sackt zusammen. Eile ich ihm zu Hilfe oder gebe Seargent Lugo die Anweisung, ihn zu verarzten, eröffnen die Scharfschützen umgehend das Feuer. Okay, so geht es wohl nicht. Neuer Versuch. Ich nehme es dieses Mal direkt mit den Snipern auf und gebe meinen beiden Mitstreitern dank des rudimentären Befehlssystems die Anweisung, mich bei meinem Plan zu unterstützen. Wir sind als Team erfolgreich und schalten alle Schützen aus - aber leider erst, nachdem sie beide Geiseln hingerichtet haben. Verdammt. Kann ich noch einen anderen Versuch wagen? Nein! Trifft man eine Entscheidung, muss man mit ihr leben, da das Spiel unmittelbar danach automatisch speichert. Im Nachhinein kann man gemeisterte der insgesamt 15 Kapitel erneut in Angriff nehmen und nach alternativen Lösungswegen suchen. Ich hätte z.B. einfach die Seile durchschießen und den beiden so vielleicht zur Flucht verhelfen können, falls ich es auch noch schaffen würde, anschließend die Scharfschützen in Schach zu halten. Oder ich könnte in den sauren Apfel beißen und tatsächlich einen der beiden mit einem flauen Gefühl im Magen gnadenlos abknallen.

Ein echtes Dilemma

Leider bilden solche Momente die Ausnahme in der etwas kurz geratenen Kampagne, die kaum mehr Spielzeit bietet als ein Call of Duty, aber durch die Entscheidungen immerhin einen gewissen Wiederspielwert verspricht. Hinzu kommt, dass sie keinen entscheidenden Einfluss auf den Spielverlauf haben, der von den deutschen Yager-Entwicklern streng linear angelegt wurde. Zwar muss man sich je nach getroffener Wahl den einen oder anderen Spruch und auch Kritik seiner Kameraden anhören, doch eine alternative Geschichte ergibt sich daraus leider nicht. Erst ganz am Ende haben die letzten Entscheidungen echte Konsequenzen, die den Ausgang des Kriegsdramas bestimmen.

Manche Gegner brechen auch unverhofft durch die Decke.
Manche Gegner brechen auch unverhofft durch die Decke.
Insgesamt will Yager den Konflikt in das Innere des Spielers verlagern, sein Gewissen. Und das gelingt ihnen in den wenigen Momenten auch außerordentlich gut. Selten zuvor hatte ich in einem Shooter das Gefühl, mich in einem echten Dilemma zu befinden und dabei sogar manchmal über meine Handlungen zu reflektieren. Stellenweise schafft Spec Ops eine grandiose Atmosphäre, wenn ich z.B. beim Summen der Fliegen durch ein Massengrab gehe und sich an beiden Seiten des Weges die Leichen stapeln. Oder aber, wenn ich eine Straße passiere, bei der alle paar Meter aufgeknüpfte und schon halb verfaulte Soldaten von Laternenmasten baumeln. In der Inszenierung ist Yager schonungslos und zeigt eindrucksvoll die hässliche Fratze des Krieges - so auch in perversen Folterungsszenen oder wenn sich brennende Opfer nach einem Phosphor-Angriff noch ein paar Meter weiter schleppen und kurz danach verkohlt oder verstümmelt krepieren. Im Gegensatz zu vielen anderen Shootern wird die Gewalt in diesen Momenten nicht eingesetzt, um Gore-Freunde mit Blutfontänen zu begeistern. Nein, die Entwickler wollen mit der drastischen Darstellung schockieren - und es funktioniert hier sehr viel besser als in einer gewissen Flughafen-Szene, weil sich diese Momente hier homogener ins Gesamtbild einfügen!

Kommentare

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  • Wie soll man dir auch helfen wenn du keine Details zu deinem "nagelneuen GamerPC nennst"? Da kann man höchstens das übliche empfehlen, also Grafikkartentreiber aktualisieren. Spec Ops läuft mit der Unreal Engine 3 die eigentlich nicht sehr fordernd ist, laufen denn andere UE3 Spiele? Also  [...] Wie soll man dir auch helfen wenn du keine Details zu deinem "nagelneuen GamerPC nennst"? Da kann man höchstens das übliche empfehlen, also Grafikkartentreiber aktualisieren. Spec Ops läuft mit der Unreal Engine 3 die eigentlich nicht sehr fordernd ist, laufen denn andere UE3 Spiele? Also z. B. Batman Arkham Asylum / City, Mass Effect 1/2/3. Was ich eigentlich posten wollte: Ich habe Spec Ops nun auch mal gespielt und meiner Meinung nach ist es ein wirklich besonderes Spiel was nicht nur bei 4players etwas unterbewertet wurde. Alles was irgendwie nach Kunst aussieht (Dear Esther, Journey usw.) wird (sicher teils zurecht) in den Himmel gelobt auch wenn die Spielmechanik alles andere revolutionär ist. Von einem Spec Ops dagegen erwartet man die Features die aktuelle Shooter bieten, denn es ist ja ein Shooter oder? Statt das Gesamtwerk zu bewerten wird eine Checkliste abgearbeitet. Ich vermute dass das hier schon mal gepostet wurde aber trotzdem: [url]http://extra-credits.net/episodes/spec-ops-the-line-part-1/[/url] [url]http://extra-credits.net/episodes/spec-ops-the-line-part-2[/url]
  • Würde gern genau so schwärmen wie du aber bei ruckt das Spiel das es nicht spielbar ist. Habe einen nagelneuen GamerPC und trotzdem. Wer kann mir sagen wo dass Problem ist Danke im vorraus
  • Kid Icarus schrieb:
    Habe das Spiel gestern durchgespielt und muss schon sagen, dass ich verdammt beeindruckt war und beim Epilog bzw. innerhalb der letzten halben Stunde Gänsehaut hatte. Inszenatorisch und meistens auch erzählerisch finde ich Spec Ops: The Line wahnsinnig gut,
     [...]
    Kid Icarus schrieb:
    Habe das Spiel gestern durchgespielt und muss schon sagen, dass ich verdammt beeindruckt war und beim Epilog bzw. innerhalb der letzten halben Stunde Gänsehaut hatte. Inszenatorisch und meistens auch erzählerisch finde ich Spec Ops]

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