Metro: Last Light (Shooter) von Deep Silver
Metro: Last Light
Metro: Last Light
Science Fiction-Shooter
Entwickler: 4A Games
Publisher: Deep Silver
Release:
17.05.2013
17.05.2013
17.05.2013
17.05.2013
Spielinfo Bilder Videos
Was macht einen guten Shooter aus? Die Story? Die Atmosphäre? Die Kulisse? Die KI? Die Baller-Mechanik? Eine gelungene Mischung aus allem? Je nach den persönlichen Vorlieben dürfte Metro Last Light zwischen allen Stühlen sitzen. Oder kann der erste veröffentlichte Titel aus dem THQ-Vermächtnis für eine Überraschung sorgen?

"Wir werden diesen Krieg nicht überleben..."

Video
Willkomen zurück in der postapokalyptischen Untergrund-Action!
"Niemand wird überleben..." Als ob die Situation ein Jahr nach den Geschehnissen aus Metro 2033 nicht bedrohlich genug wäre: Die in die vermeintlich sicheren U-Bahn-Schächte zurückgezogenen menschlichen Überlebenden eines Atomkriegs kämpfen immer noch gegen Mutanten und Radioaktivität an der Oberfläche. Doch zu allem Überfluss sorgen politische Splittergruppen wie die postapokalyptischen Nachfolger der sowjetischen Roten Armee oder die abermals nach Rassenreinheit strebenden Nazis des "Reich" dafür, dass die Menschheit zerstritten bleibt.

Man schlüpft wieder in die Haut des in den U-Bahn-Röhren geborenen Artyom, der nach den Ereignissen des Vorgängers noch mehr in die Rolle des unfreiwilligen Helden gedrängt wird. Nur er und seine telepathische Verbindung mit den mystischen "Schwarzen" scheinen die Menschheit retten zu können. Denn der einzige Überlebende dieser Wesen könnte der Schlüssel zur Rettung sein. Auf den ersten Blick wirkt dies erzählerisch nicht gerade spektakulär. Doch die Elemente, mit denen Metro Last Light (MLL) spielt, werden dank der Mithilfe von Buchautor Dmitri Glukhovsky vor allem gegen Schluss zu einer emotionalen Tour de Force. Ich wurde mitgerissen, schockiert und gerührt, habe Sympathien für die einen Figuren und Hass gegen die anderen aufgebaut.
Das Figurendesign ist gut, Animationen und Mimik haben Luft nach oben.
Das Figurendesign ist gut, Animationen und Mimik haben Luft nach oben.
In dieser Intensität hat Metro bei mir Saiten angeschlagen, die nicht einmal ansatzweise von Elizabeth in BioShock Infinite bedient wurden. Das ist ein himmelweiter dramaturgischer Unterschied zur brachialen und banalen Inszenierung der letzten Call of Duty-Teile.

Die Welt lebt

Dass die Story trotz einer schwachen Anfangsphase, in der zu dick aufgetragen wird und das Gut-Böse-Schema zu plakativ ausgewalzt wird, spätzer zu Hochform aufläuft, ist nicht nur den Themen, sondern auch dem stimmigen Weltdesign, der davon ausgehenden Atmosphäre, dem unter der Oberfläche schlummernden und sich auf die zwei möglichen Enden auswirkenden Moralsystem sowie den gelungenen Tempowechseln zu verdanken. Immer wieder gibt es Ruhephasen, in denen man die Umgebung auf sich wirken lassen oder das Geschehene verdauen kann. Nimmt man sich die Zeit und hört den Leuten zu, die in den unterirdischen Standorten hausen, erfährt man nicht nur packende Einzelschicksale, sondern es ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild dieses von Hoffnungslosigkeit geprägten postapokalyptischen Grauens.

Die hauseigene 4A-Engine zaubert u.a. wunderschöne Panoramen auf den Bildschirm.
Die hauseigene 4A-Engine zaubert u.a. stimmungsvolle Panoramen auf den Bildschirm.
Dass dabei sogar Themen wie Sex angesprochen werden, ohne zu überdrehen und dadurch lächerlich zu wirken, rechne ich den Entwicklern hoch an. Doch bei der Umsetzung ist die Physik mit ihnen durchgegangen: Denn sobald es um Bewegung von barbusigen oder nur leicht bekleideten jungen Damen geht, reißt einen die Physik aus der Illusion. Was dort mitunter an animierter weiblicher Anatomie auf den Bildschirm gebracht wird, spottet jeder Beschreibung und stellt selbst das "Boob-Bouncing" der Dead or Alive-Prügelspiele in den Schatten. Auch die in einem Zimmer herumliegenden Bücher wie Metro 2033, Metro 2034 oder Metro 2035 reißen mich aus der Illusion raus - sie gehören für mich nicht in diese Welt. Genausowenig möchte ich in Telltales The Walking Dead Werbeplakate für die Comics von Robert Kirkman sehen. Im Gegensatz dazu habe ich die Varieté-Darbietungen im Bolschoi-Abschnitt genossen - abgesehen vom eröffnenden Can Can, bei dem Tänzerinnen peinlich wackeln. Ebenfalls zweifelhafte Ergebnisse haben die (wenigen) Abschnitte abgeliefert, in denen ich mit einem Begleiter unterwegs bin. Im Kampf zwar eine nicht zu unterschätzende Hilfe, haben mich die Kommentare vor allem von Pawel irgendwann genervt, da sie ab und an konträr zur vorher aufgebauten Stimmung verlaufen. Negativer Höhepunkt war der Moment, in dem man das erste Mal die verstrahlte Oberwelt betritt:
Die düster-bedrückende Atmosphäre ist einer der Stützpfeile des Spielerlebnisses.
Die düster-bedrückende Atmosphäre ist einer der Stützpfeile des Spielerlebnisses.
Der erste Eindruck, den die Ruinen Moskaus hinterlassen, während sie von einer freundlichen Sonne bestrahlt werden, die jedoch schnell fauchenden Gewitterwolken Platz macht, ist atemberaubend. Dass Pawel mir nun zuraunt, dass wir mit den an den schützenden Gasmasken befestigten, sich schnell abnutzenden Filtern haushalten müssen, ist noch in Ordnung. Doch wenn ein derartiger Zeitdruck besteht, wieso schleicht der Kerl dann und erklärt mir die Welt? Diese inhaltlichen Mankos finden sich jedoch vorrangig in der Anfangsphase - später wird alles zunehmend harmonisch und wirkt authentischer integriert. Allerdings zeigt sich die Interaktion mit der Umgebung durchweg als wankelmütig und inkonsequent: Während manche Behältnisse geöffnet und entleert werden können, sind andere verschlossen, wieder andere sind ebenfalls nicht zugänglich, werden aber nicht durch ein entsprechendes Symbol markiert.


Kommentare

  • TP-Skeletor schrieb:
    TP-Skeletor schrieb:
    Wie fuehlt sich Last Light im Vergleich zum Vorgaenger Metro 2033 an? Metro 2033 hat meiner Meinung nach ein unfassbar schaebiges Gunplay und Treffer-Feedback, noch schlechter als Bioshock 1. Ist das in Metro: Last
     [...]
    TP-Skeletor schrieb:
    TP-Skeletor schrieb:
    Wie fuehlt sich Last Light im Vergleich zum Vorgaenger Metro 2033 an? Metro 2033 hat meiner Meinung nach ein unfassbar schaebiges Gunplay und Treffer-Feedback, noch schlechter als Bioshock 1. Ist das in Metro] Nach Monaten einfach mal die Frage wiederholen. Und?
    Laut den meisten Berichten hat sich das Waffenfeeling, und insbesondere der Sound, stark verbessert. Gameplay ist ähnlich, nur schleichen ist jetzt einfacher und berechenbarer, man kommt also nun auch ohne töten durch. Ich hatte mit dem originalen Metro schon keine Probleme, aber ich muss schon sagen, insbesondere das großkalibrige Gewehr hört sich besser als so manchen an, was man bei Battlefield 4 im Arsenal finden kann.
  • coarlinator5 schrieb:
    Sogwirkung nach 10min Spielzeit, man stelle sich ein fallout mit dieser Atmosphäre vor... Kaufen!!
    Das würde nicht zu Fallout passen. Die Fallout Atmosphäre lebt zu einem großen Teil von Überspitzung, Pechschwarzem Humor und Selbstironie,  [...]
    coarlinator5 schrieb:
    Sogwirkung nach 10min Spielzeit, man stelle sich ein fallout mit dieser Atmosphäre vor... Kaufen!!
    Das würde nicht zu Fallout passen. Die Fallout Atmosphäre lebt zu einem großen Teil von Überspitzung, Pechschwarzem Humor und Selbstironie, Metro ist da deutlich ernster gehalten.
  • TP-Skeletor schrieb:
    Wie fuehlt sich Last Light im Vergleich zum Vorgaenger Metro 2033 an? Metro 2033 hat meiner Meinung nach ein unfassbar schaebiges Gunplay und Treffer-Feedback, noch schlechter als Bioshock 1. Ist das in Metro] Nach Monaten
     [...]
    TP-Skeletor schrieb:
    Wie fuehlt sich Last Light im Vergleich zum Vorgaenger Metro 2033 an? Metro 2033 hat meiner Meinung nach ein unfassbar schaebiges Gunplay und Treffer-Feedback, noch schlechter als Bioshock 1. Ist das in Metro] Nach Monaten einfach mal die Frage wiederholen. Und?

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