Mass Effect
USK: 16
Rollenspiel

Test: Mass Effect

So testet 4Players

Autor:
Jörg Luibl

Kann BioWare ohne die Macht von Star Wars im Rücken futuristisch begeistern? Mit Jade Empire haben die Kanadier bewiesen, dass sie auch ohne Lizenz das Flair exotischer Kulturen einfangen können. Mass Effect ist allerdings ein ganz anderes Kaliber. Hier soll ein episches Rollenspiel in einem neuen Universum stattfinden - inklusive filmreifer Präsentation, lebendiger Dialoge und moralischer Konflikte. Jetzt auch auf PC.
Glaubwürdiges Universum

Ein Blick auf die Hauptstadt des Universums: Die Citadel. BioWare erschafft ohne Lizenz ein ganz neues Science Fiction-Universum. Die Metropole der Galaxie dient euch als Basis. (360)
Manche Entwickler erwecken faszinierende Kreaturen oder Landschaften zum Leben. Man denke an die bizarren Geschöpfe eines Bioshock , Metroid Prime 3  oder die weiten Wälder eines The Elder Scrolls IV: Oblivion . Für all das braucht man eine Grafikengine und dazu begabte Grafikdesigner. Zu den größeren Leistungen kreativer Köpfe gehört es jedoch, ganz eigene Welten mit historischem Hintergrund zu erschaffen. Dazu gehört eine umfangreiche Geschichte, die die Ereignisse so glaubwürdig verankert, dass man sich als der jüngste, fest geschmiedete Teil einer Epoche fühlt, wenn man ein Buch liest, einen Film schaut oder in ein Spiel taucht.

Inhaltlich entspricht die PC-Fassung dem Xbox 360-Vorbild ohne die Zusatzmission "Kollisionskurs" - deshalb gibt es dieselbe Wertung. Was hat sich an Details verändert?

- Texturen werden nicht verzögert aufgetragen
- Fahrstühle fahren schneller
- Benutzeroberflächen angepasst & verändert
- auf Maus-Steuerung optimiert
- Speichern während des Kampfes
J.R.R. Tolkien hat das geschafft, George Lucas ebenfalls und auch BioWare könnte spätestens mit dem Abschluss der geplanten Mass Effect -Trilogie dazu gehören. Wer als Commander Shepard an Bord der Normandy die Galaxie erkundet, bekommt sehr schnell das überaus angenehme Gefühl, ein Universum mit Geschichte zu erforschen. Man erfährt nicht nur etwas über längst vergangene Zivilisationen wie die geheimnisvollen Protheaner, deren Vermächtnis bis in die gespielte Gegenwart hinein wirksam ist, sondern auch über verheerende Kriege, die das Bewusstsein der erst spät ins All gereisten Menschen und der dort längst herrschenden außerirdischen Völker prägen. Etwa die Schlacht von "Shanxi", in der der erste menschliche Außenposten überrannt wurde - diese Schmach haben die Verlierer ebenso wenig vergessen wie die Gewinner den Sieg.

Erzählerische Mosaiksteine

BioWare benutzt viele erzählerische Mosaiksteine: Dazu gehören Kommentare im Fahrstuhl, Gespräche sowie Tagebuch- und
Ein Blick in das Charaktermenü: Ihr könnt euren Helden optisch modifizieren und in Sachen Fähigkeiten entwickeln. Auf dem PC wurden einige Benutzeroberflächen angepasst und für die Mausbedienung optimiert.(PC)
Lexikoneinträge. Wenn man Letztere aufschlägt, darf man sich zurücklehnen und von kompletter deutscher Sprachausgabe begleitet mehr über Geschichte, Technik, Kultur und Rassen erfahren - nicht nur Oberflächlichkeiten, sondern so viel wissenschaftlich Konkretes und chronologisch so fest Verankertes, dass man dieser Enzyklopädie einfach glauben muss und mehr erfahren will. Schließlich sind da die Dialoge mit den Bewohnern, mit all den außerirdischen Völkern der Kroganer, Turianer, Quarianer, Asari, in denen plötzlich ein fremdes Ritual, ein Krieg oder Ereignis früherer Zeit thematisiert wird.

Die technikfixierten Quarianer müssen auf ihrer Fahrt ins All z.B. ein Artefakt bergen, um gesellschaftlich anerkannt zu werden; ihre eigene hoch entwickelte Robotertechnik wurde zu ihrem Verhängnis, denn die von ihnen erschaffenen Geth stellten sich plötzlich gegen sie und bedrohen jetzt die Galaxie - die Zylonen aus "Kampfstern Galactica" lassen grüßen. Die
Commander Shepard inspiziert sein Raumschiff: Die "Normandy" ist das technische Schmuckstück der Allianz. Sie bringt euch von Planet zu Planet. An die deutsche Stimme muss man sich erst gewöhnen, dennoch geht die Lokalisierung unterm Strich in Ordnung. (360)
an Dinosaurier erinnernden Kroganer sterben gerade aus, sind aber stolze Krieger, die extrem darwinistisch, fast schon faschistisch denken: Der Stärkere hat Recht, das Schwache soll sterben. All diese Unterschiede in der Kultur sorgen schnell für interessante Motive und Konflikte.

Auf diese Weise schließt sich während des Spiels immer wieder der Kreis, so dass die Welt Stunde um Stunde immer dichter, immer glaubwürdiger und irgendwann fast heimatlich wirkt. Das ist eine große Leistung, denn ich fühle mich als Teil eines lebendigen Universums wohl. Vor allem als Leser, Zuhörer und Gesprächspartner in Dialogen bin ich begeistert. Aber einen vermag BioWare trotz dieses epischen Fundamentes am Ende nicht ganz zu begeistern: Den Entdecker. Ich erfahre viel über fremde Kulturen und Geschichte, aber sehen und erleben kann ich sie nur in Ansätzen.
                             

Kommentare

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  • Scorch Luminas schrieb:
    Wobei der Lead Writer von Mass Effect keine Dame ist, sondern dieser Herr: http://www.drewkarpyshyn.com/ (und die anderen Schreiberlinge laut IMDB auch nicht).
     [...]
    Scorch Luminas schrieb:
    Wobei der Lead Writer von Mass Effect keine Dame ist, sondern dieser Herr: http://www.drewkarpyshyn.com/ (und die anderen Schreiberlinge laut IMDB auch nicht).
    Drew war aber nur im ersten Teil alleiniger Lead Writer. Der Mann hatte Ideen, mein lieber Scholli. Dann kam Casey "HuSo" Hudson und hat schmierig grinsend alles auf den Kopf gestellt. Kein Wunder, dass Drew irgendwann gegangen ist. Hab ihn damals per Mail gefragt, was er von ME3s Ende hält, habe als Antwort dann eine Copy-Paste-Nachricht bekommen (in der er sich auch für das Copy-Paste entschuldigt hat). Darin behauptete er, ME3 noch nicht gespielt zu haben und somit auch den ganzen Aufstand der Spieler nicht ganz nachvollziehen konnte. Das war im April letzten Jahres, glaube ich, knapp einen Monat nach Veröffentlichung des Spiels.
  • Scorch Luminas schrieb:
    Wobei der Lead Writer von Mass Effect keine Dame ist, sondern dieser Herr: http://www.drewkarpyshyn.com/ (und die anderen Schreiberlinge laut IMDB auch nicht). Ach ja, Teil 1
     [...]
    Scorch Luminas schrieb:
    Wobei der Lead Writer von Mass Effect keine Dame ist, sondern dieser Herr: http://www.drewkarpyshyn.com/ (und die anderen Schreiberlinge laut IMDB auch nicht). Ach ja, Teil 1 jetzt auch durch. Hat zum Ende hin jedenfalls ein hübsch cineastisch verpacktes Finale gehabt. Von mir aus eben Shooter mit RPG Anteil, aber Konsolen als Antichrist hinzustellen, das sollte man an anderer Stelle nochmal ausrambolen. (Zumal das gelobte KOTOR ja zunächst auch ein Xbox-Titel war)
    ich merk, ich habe die info nicht geschrieben, dabei hatte ich es schon im Hinterkopf, dass gewisse Dinge schon männlich geschrieben zu sein schienen. V.a. die Sache mit der geistigen Verbindung = Sex, haha. Ja für uns Männer sicherlich nicht, für Frauen vielleicht Kotor ist ja eh wie ME und bei mir beides als ebenbürtig eingestuft: Geile Story + packende Erzählung, aber das Gameplay -.-
  • Ahh, wie gerne hätte ich 2 und 3 nie gespielt :/

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