Too Human - Test, Rollenspiel, Xbox 360 - 4Players.de

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Action-Rollenspiel
Entwickler: Silicon Knights
Publisher: Microsoft
Release:
29.08.2008
Spielinfo Bilder Videos
Tolkien hatte Massenschlachten inszeniert, als das Kino noch in den Kinderschuhen steckte. Denn wer sich in den Zeilen eines packenden Romans verliert, kennt das Gefühl: Ein gut geschriebenes Buch braucht nur wenige Zeilen, und im Handumdrehen blühen unscheinbare Buchstaben zu einer fantasiereichen Welt auf. Während unsere Sinne bloßen Text aufnehmen, entstehen wie von selbst steinerne Burgen, gewaltige Kriege und faszinierende Charaktere. Ja, Too Human könnte wie ein gutes Buch sein...

Die gute Reife

Ein gutes Buch? Genauso gut könnte man das Bild vom guten Wein bemühen und mit einem großen Fragezeichen versehen. Immerhin hatten die Eternal Darkness -Entwickler ihr jüngstes Werk ganze zehn Jahre in der Mache. In der Zwischenzeit heimsten sie nicht nur mit jenem Survival-Horror etliche Lorbeeren ein, sondern untermauerten ihren guten Ruf außerdem mit einem Metal Gear Solid-Remake für Nintendos GameCube. Vielleicht liegt es ja daran, dass die Kanadier das Gerüst für Too Human schon vor diesen großen Hits gezimmert hatten: Bis auf die ungewöhnliche Steuerung wirkt das mit 360-Klarlack polierte Action-Rollenspiel zwar ambitioniert - aber


Zehn Jahre Entwicklungszeit: Waren es diese Szenen wert?
letztlich auch sehr bieder. Nein, einem guten Wein kann Too Human nicht das Wasser reichen. Einen Fünf-Euro-Trunk ist es allerdings wert...

Der falsche Tonfall

Und um den zu rechtfertigen: Zurück zum Buch und seiner großen Geschichte von Göttern, Intrigen, Verrätern und einem apokalyptischen Krieg namens Ragnarök. Wer in der nordischen Mythologie bewandert ist, kennt die Handlung bereits in groben Zügen, denn Silicon Knights hält sich erstaunlich dicht an die Vorlage. Erstaunlich? Unbedingt: immerhin entführt euch das Spiel trotz Kobolden, Trollen und teils malerischer Kulisse nicht in ein Fantasyreich, sondern in eine  finstere Zukunft. In dieser sind die genannten Götter keine himmlischen Überwesen, sondern kybernetisch verbesserte Menschen, die in ihrer himmelhohen Festung über das Schicksal der Menschheit walten. Einer Menschheit, die offenbar dem Untergang geweiht ist - und zwar nicht nur deshalb, weil die Anfänge von Ragnarök, dem großen Krieg, offenbar längst begonnen haben....

Im Grunde verknüpft Too Human die beiden erzählerischen Hintergründe fast perfekt. Die Verbindung zur Götterwelt verleiht der sonst eher bodenständigen Kybernetik z.B. eine mythische überhöhte Dimension. Im besten Fall könnte man dem Werk der Autoren sogar einen intellektuellen Anstrich zusprechen: Wo sich Menschen mit den entsprechenden Mitteln zu Göttern erheben, weil sie ihre Körper stärker und widerstandsfähiger machen, liegt Gesellschaftskritik in der Luft. Doch die Hoffnung auf echte erzählerische Tiefe löst sich schnell auf - und Schuld daran tragen nicht einmal die Autoren selbst. Sie tragen zwar eine Mitschuld, weil sie um grundlegende Zusammenhänge ein Geheimnis machen, anstatt erst ihr Szenario vorzustellen und anschließend das dazu gehörige Drama anzuschieben. Vor allem liegt es aber an der plumpen, mitunter erschreckend laienhaften Inszenierung der Filme, dass die Geschichte platt, die Figuren gewöhnlich und der Plot vorhersehbar wirkt. Auf Musik - also das stärkste filmische
Bilder geben den tatsächlichen Eindrück kaum wider: Einige Kulissen sind geradezu überwältigend.
Mittel, um Emotionen anzusprechen - wird in Zwischensequenzen z.B. meist ebenso verzichtet wie auf gut abgemischten Ton. In Sachen Kamerarbeit beschränkt sich Too Human ebenfalls aufs Nötigste, so dass ein Umfahren der Akteure das Höchste der Gefühle scheint.

Wachsfigurenkabinett

Warum auch mehr tun, wenn die Charaktere ohnehin vergleichsweise steif und ausdruckslos agieren - was stellenweise richtig absurd wirkt. Z.B. dann, wenn der Protagonist seiner Wut deutlich hörbar freien Lauf lässt, als er endlich die Wahrheit über seinen Gedächntnisverlust kennt - Mimik und Gestik seinen Zorn aber nicht wiedergeben. Dabei sehen einige Gesichtszüge gerade bei jenem Baldur sehr überzeugend aus. Schon seine Haut sowie der fast kahl geschorene Hinterkopf scheinen in Nahaufnahme zum Angreifen echt. Andere Gesichter, besonders Freyas eigentlich bildschönes Antlitz, wirken so künstlich und unbeweglich wie Wachsfiguren. Ein gutes Beispiel für schlechte Inszenierung ist die Szene, in der Baldur und Thor - noch im Spiel - stumm einen Aufzug empor fahren. Oben angekommen holt die Kamera plötzlich Thor ins Bild, der ohne Baldur anzusehen oder auch nur ein Wort zu sagen seinen Hammer gen Decke schleudert. Weder das Werfen noch der Zusammenfall des antiken Mauerwerks werden akustisch untermalt. Man fragt sich, was das soll,  die Sequenz verpufft wirkungslos und bleibt wie die meisten Szenen bestenfalls als "Wie man Zwischensequenzen heute definitiv nicht mehr umsetzt!" im Gedächtnis. Die unauffällige Inszenierung deutet das Epos nur an - man braucht zu viel Fantasie, um sich hineinzudenken.

                     

Kommentare

Zaifur schrieb am
ich finde das game auch nicht schlecht. der test beschreibt aber auch alle wichtigen stationen, die ein test abdecken sollte. da hab ich andere tests gesehen, wo man schon rausliest, dass dem spiel von vornherein keine chance gegeben wird...
als ich too human dann gespielt hab, hats einen wirklich motiviert und an manchen stellen denkt man "wow das game hatte echt potential"... schade nur dass es nicht konsequent ausgeschöpft wurde.
in den ersten 10-20 minuten fragt man sich noch, ob man wirklich das too human in der box hat, was überall so "schlecht" abgeschnitten haben soll. denn da kommt noch richtig laune auf. da metzelt man einzelne mobs mit coolen air combos nieder oder ballert sie in der luft "haltend" über den haufen.
auch der cyberspace ist atmosphärisch sehr gelungen nur läuft man wirklich "nur" rum hat auch nur rudimentäre interaktionsmöglichkeiten, was einen unvermittelt etwas an ältere nintendo games erinnert (nix gg. nintendo).
aber es gibt leider leider viel zu viele macken und die story ist wirklich sehr "fadig" umgesetzt. vor allem so kurz... man steht am ende noch nicht mal loki gegenüber sondern hel, seiner untoten tochter. silicon knights will ernsthaft ein sequel rausbringen (soviel ich gehört hab, soll sogar eine trilogy entstehen). auf der homepage von silicon knights wird wohl auch händeringend nach neuen leuten gesucht (würd mich ja anbieten aber ich hab keine offiziell veröffentlichten spiele auf meinem cv stehen ;)
naja über diese ganzen macken kann ich ab und zu hinwegsehen aber was mich im allgemeinen an too human gestört hat, war dass man an so vielen stellen den eindruck von einem "unfertigen" spiel vermittelt bekommt.
da brüten die jungs von silicon knights 10 jahre auf dem game und dabei kommt sowas raus? shame on you!!!
trotzdem, das spiel hat was. athmosphärisch sehr ansprechend,...
GamePrince schrieb am
So, hab mir das Spiel jetzt auch mal geholt.
Hab es inzwischen einmal durch, bin grad beim zweiten Durchlauf und hab gut 20 Std. mit dem Spiel verbracht und ich muss sagen, das Game macht richtig Fun.
Ich hab noch lange nicht genug und es macht mehr Spaß, als z.B. Ninja Gaiden 2.
Die Mischung aus Hack'n Slay und Shooter kombiniert mit der Mischung aus Mytholigie und Sci-Fi ist genial und das Gameplay zündet voll bei mir.
Ich liebe es und bereue den Kauf bzw. den Tausch nicht. ^^
Meine Wertung: 86 %.
Master Chief 1978 schrieb am
70% gehen voll in Ordnung! Habs mir am Releasetag geholt und auch die Demo gezockt! Mir gefällts ich mein SCI - FI und die Nordischen Göttersagen in einem Spiel? Yeah genau mein ding! Ja es ist nicht das beste Spiel aller zeiten und ich denke auch Microsoft hat ein wenig druck bei den Silikon Rittern gemacht damit es endlich kommt. Was mich am meisten stört ist die mit 12 stunden für ein Action - RPG viel zu kurze Spieldauer! Aber das ist bei heutigen Spielen ja des öfteren so! Des weiteren hätte sich Nintendo das Game sicher auch für sich gewünscht! Entwickelt Nintendo eigentlich noch ernsthafte Spiele? Oder werde ich jetzt nur noch mit Wario Wares und so weiter Zugeschmissen?
Kuttentroll schrieb am
@rezman
bei dem Ergebniss kein Wunder das Nintendo nicht weiter mit dem Team Arbeiten wollte.
Eher umgekehrt.... :wink:
GoreFutzy schrieb am
Also ehrlich gesagt finde ich den Test ein bisschen zu negativ.
Es liest sich auch irgendwie anders, als andere Tests. Ein
wenig aufgesetzt. Zuviele negative Anspielungen in kurzer Zeit.
Dann hat mir noch diese Stelle besonders die Augen verdreht:
Natürlich kracht es zufrieden stellend, wenn man sich zu zweit unter die Horden der Robotergegner mischt - das ist allerdings das Mindeste, was ein auf Action getrimmtes Abenteuer leisten muss.
Muss es das wirklich?
Ich meine, 4players hatte hier wohl klare Vorstellungen.
Ich habe keine.
Meiner Meinung nach ist das Spiel trotzdem interessant genug, um
es zu kaufen.
Wer meine Meinung nicht teilt, der soll mir seine ersparen.
schrieb am

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