Sonics finstere Seite
Mit Sieben-Meilen-Stiefeln flitzt der blaue Held über Dächer und durch Loopings, als hätte er gerade den Zenit seiner Hochzeit auf dem Mega Drive erreicht. Diesen Eindruck vermitteln jedenfalls zahlreiche Videos. Das weckt Erinnerungen an sein vergangenes Wii-Abenteuer, in dem es Sega endlich wieder gelang, den Geist des kniffligen Hindernislaufs vor einer dreidimensionalen Kulisse einzufangen. Und tatsächlich startet Sonic Unleashed genau so: Der Stachelmann schlittert vor flotten Kamerschwenks über Röhren, springt Robo-Fieslinge entzwei und brettert wie in alten Zeiten über Eis, Laub und Sand...
... allerdings erst, nachdem Dr. Eggman dafür gesorgt hat, dass die Erde auseinander bricht, dass die Emerald-Kristalle ihre Energie verlieren und dass Sonic zum stacheligen Werwolf, dem Werigel, mutiert. Ziel der Aktion: die - muahahahaha! - Weltherrschaft. Logisch, dass Sonic, seinem neuen Kumpel Chip sowie Tails nichts anderes übrig bleibt, als den Kristallen neues Leben einzuhauchen und die zerbrochene Stücke unserer Erde wieder zusammenzuführen. Und weil der Gaspedal-Igel bei Mondlicht zum Werigel mutiert, besteht Unleashed quasi aus zwei sich abwechselnden Spielen: Nachts plättet ihr als buschige Wolfsgestalt dutzende Robo-Gegner, während ihr am Tag durch klassische Jump&Run-Abschnitte rast.
Action Light
Der Clou: In Städten und Dörfern dürft ihr nicht nur schnurstracks in den anstehenden Level spazieren oder bereits abgegraste Gebiete noch einmal durchforsten, ihr könnt auch die Zeit vordrehen. Schließlich stehen euch je nach Tageszeit nur Igel- oder Werigel-Levels zur Auswahl. In den ersten Stunden passiert in den Ortschaften allerdings selten weniger, als dass ihr direkt zum Ziel rennt, um endlich eine neue Filmszene oder den nächsten Level zu sehen. Die Dorfbewohner geben zwar auf Knopfdruck mal mehr, meist weniger witzige Kommentare von sich, ich kam mir allerdings wie in spielerisch sinnlosen Lückenfüllern vor. Spannender war die bislang einzige Reise in Tails' Flieger "Tornado", als Sonic am Steuer der Bordkanone ankommende Raketen
und Flugzeuge vom Himmel holen musste. Nach Knopfdruck oder kurzer Kombination schießt der Igel dabei selbstständig - ich hatte meine Freunde mit dem fordernden Reaktionsspiel.![]()

Lange, buschige Arme sind ein typisches Markenzeichen des gemeinen Werigels.
Überhaupt erwarten euch in dem neuen Abenteuer offenbar viele solcher Reaktionsspiele. Denn wenn der Igel tagsüber rennt und springt, hüpft er nach angezeigten Tasten-Kombinationen in Extra-reiche Passagen. Und auch als Werigel könnt ihr mittel-, ganz und mächtig große Feindboter schneller erledigen, indem ihr euch an sie dranhängt und die angezeigten Knöpfe drückt. An den wenigen, halbwegs spektakulären Finishern sieht man sich allerdings schnell satt. Weil das blanke Draufkloppen meistens sogar schneller zum Erfolg führt, habe ich irgendwann nur noch Daumentraining betrieben. Überhaupt wird das Action-Adventure "Sonic, the Werehog" furchtbar schnell langweilig: Entweder hat mir die träge Steuerung den Spaß am kniffligen Klettern verdorben oder ich musste beim Verdreschen von dutzenden blöden, immer in Blöcken vor mir stehenden Langweilobotern ein Gähnen unterdrücken. Vielleicht wird's später ja packender - dann müsste aber bald mehr passieren als "God of War Light Decaf Zero".
