Beflügelte Krämpfe

Video: Die Kampagne spaltet sich in (großartige) Railshooter- und (durchschnittliche) Bodenkampf-Abschnitte. Aber KIU bietet noch viel mehr, wie dieser Trailer unter Beweis stellt.
Bevor das passiert, darf an einem Ständer gebastelt werden. Wie bitte? Ja, richtig gehört. Denn das umfangreiche Spielpaket enthält neben dem Modul und einigen AR-Karten (dazu in Kürze mehr) auch einen Plastikständer. Den braucht man, denn ohne spielt sich KIU einfach furchtbar. Das Problem ist: Man steuert Pit mit dem Schiebepad, feuert mit der L-Taste und kontrolliert das Fadenkreuz via Stylus auf dem Touchscreen. Im Normalfall hält man also den 3DS fest in der linken Hand und belastet ihn mit der rechten - was in Aktion genau so krampfig ist wie es klingt.
Der Ständer löst das Problem, denn der 3DS liegt erstaunlich stabil darauf, während man um ihn herum frei hantieren kann. Er schafft allerdings ein ganz neues Problem: Der mobile Gedanke des 3DS geht damit flöten, Erinnerungen an den Virtual Boy werden wach. "Hey, Nintendo - ihr habt doch dieses reichlich hässliche, aber für dieses Szenario perfekt klingend Schiebepad Pro! Das wird doch sicher auch unterstützt, nicht?" ist eine in dieser Situation absolut berechtigte Frage. Die Antwort ist aber leider:
Technisch ist KIU das God of War des 3DS: Höchst beeindruckend, und zum Teil jenseits dessen, was man der Plattform zugetraut hätte.
Höhenflug und Absturz
Dieses Steuerungsdilemma bietet leider keine andere Lösung als "Leb damit!", denn das Spieldesign dreht sich in allen Modi um die getrennte Kontrolle von Pit und dem Ziel seiner Schüsse. Die Kampagne ist in jeder Mission zweigeteilt: Im ersten Abschnitt kann Pit dank der Mächte von Lady Palutena fünf Minuten lang fliegen. Wieso nur fünf Minuten lang? Weil danach angeblich seine Flügel verbrennen und er abstürzt. Nun gut. Diese fünf Minuten pro Abschnitt sind den potenziell schrecklichen Falltod aber wert, denn sie sind schlicht der Hammer: Ein klassischer Railshooter à la Sin and Punishment, aber in einer grafischen Qualität, die man dem 3DS niemals zugetraut hätte! Pits Flugbahn wird automatisch gesteuert, man muss sich nur um das Ausweichen und Ballern kümmern sowie hoffen, dass man durch die grandiosen Aussichten nicht zu sehr abgelenkt wird. Diese Abschnitte profitieren ganz besonders vom 3D-Modus, durch den der rasend schnelle Flug durch Wolken und Schluchten, über Städte und Schlachtfelder oder durch Pandoras herrlich bizarres Geistestrick-Labyrinth wunderbar tief wirkt. Ernsthaft: Nutzt hier den 3D-Modus! Er kostet erstaunlicherweise keinerlei Geschwindigkeit und man kann die Kulisse nicht laut genug loben.
Die Kämpfe am Boden sind gut in Szene gesetzt, leiden aber an der extrem fummeligen Steuerung und der zickigen Kameraführung.
Das ist grundsätzlich alles in Ordnung, nervend werden diese Abschnitte erst durch die extrem träge Kamerasteuerung: Die kontrolliert man direkt über das Fadenkreuz mit und kann die Scrollgeschwindigkeit auch im Optionsmenü nach oben kurbeln. Aber dennoch funktioniert das System nicht intuitiv oder schnell genug. Und selbst der schnelle Wischer nach rechts oder links, der Pit zügig dreht, ist eine echte Hilfe. Das Resultat: Man ist die meiste Zeit damit beschäftigt, Kid Icarus auf die Feinde auszurichten, denn eine (wenigstens halb-)automatische Kameraführung gibt es nicht. Später darf der Flügelmann auch hinter dem Steuer von abgefahrenen Kampfmaschinen Platz nehmen, aber die Kontrolle wird durch deren erhöhte Geschwindigkeit nur verschlimmert.


