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We. The Revolution (Strategie) von Klabater
Freiheit, Gitter oder Guillotine?
Aufbau-Strategie
Entwickler: Polyslash
Publisher: Klabater
Release:
21.03.2019
21.03.2019
21.03.2019
25.06.2019
25.06.2019
25.06.2019
Spielinfo Bilder Videos
Das Land befindet sich im Umbruch, das Volk kocht vor Wut. Ludwig XVI. sollte nach seiner Entmachtung den Übergang in eine neue Zeit mitgestalten, doch der Monarch wurde geschnappt, als er zu fliehen versuchte. Die Indizien – Zeugenaussagen, Briefe, die Antworten des Angeklagten auf eure Fragen – liegen auf eurem Tisch und damit dem des verantwortlichen Richters. Doch die eindeutige Schuld könnt ihr nicht nachweisen. Euer Problem: Solltet ihr dem Volksbegehren nach einer Hinrichtung nicht nachkommen, ist euer Leben in Gefahr. Wie entscheidet ihr euch?

Wie arbeitet ein Richter?

Auf We. The Revolution freue ich mich schon seit langem, weil es vor dem Hintergrund eines aufgeheizten Szenarios schwierige Fragen stellt. An vorderster Stelle geht es dabei um Urteile, die sich auf verschiedene Weise im Leben des Richters Alexis Fidèle auswirken, während gleichzeitig die Verhandlungen davor spielerisch interessant sind.

Das fängt mit Kleinigkeiten an; dass man die Dokumente auf Alexis‘ Pult z.B. frei sortieren kann, um die Anklageschrift von angehängten Beweisstücken und weiteren Unterlagen zu trennen. Ist das Urteil gefällt, setzt man die Unterschrift außerdem an eine beliebige Stelle und drückt anschließende das selbst erstellte Siegel auf das ebenso frei platzierte Wachs.
Was tun mit einem vermeintlichen Verräter, den das Volk tot sehen will?
Was tun mit einem vermeintlichen Verräter, den das Volk tot sehen will?

Interessenkonflikte

Als Urteile stehen dabei Freispruch, Gefängnis sowie die Guillotine zur Wahl und der Weg dorthin ist kein einfacher. Das fängt schon damit an, dass nicht alle in der Anklageschrift aufgezählten Fakten der Wahrheit entsprechen müssen. Man sollte sie deshalb mit Vorsicht genießen und muss oft entscheiden, welche Angaben glaubhafter wirken.

Immerhin befragt man die Angeklagten auch selbst, wobei man sich die zur Verfügung stehenden Fragen erarbeiten muss. Dafür verbindet man in einem Kreismenü vorhandene Fakten miteinander – aber Vorsicht: Verbindet man zwei Fakten, die nicht zusammengehören, verliert man eine Frage! Man muss also richtig kombinieren, wobei leider kein allzu gewieftes Verknüpfen gefordert wird. Man sollte allerdings ein Auge auf die Befindlichkeiten des Volkes sowie die der Jury haben, denn beide fordern zum Teil unterschiedliche Urteile und man fällt in der Gunst derjenigen, deren Vorstellungen Alexis nicht entspricht. Im schlimmsten Fall könnte er gar ermordet werden.

Erzählung vs. Mechanik

Diese Konsequenz klingt spannend, sie ist es auch – das System hat aber Schwächen. Mir blieb nach einem solchen Tod nämlich nichts anderes übrig, als einen älteren Spielstand zu laden, um im vorherigen Prozess ein anderes Urteil zu fällen. Nur so hatte ich später ausreichend Wohlwollen „angehäuft“, um nicht den Tod zu finden. Aber das wirkte eben sehr mechanisch und beraubte die vorangegangene Verhandlung um ihre ethische Kontroverse, denn ich habe sie beim zweiten Mal als reinen Werteregler betrachtet.

Besser wäre in diesem speziellen Fall, wenn Alexis Drohungen erhalten würde, womöglich gar gegen seine Familie. Ein solches Nachwehen hätte ich akzeptiert, ohne meinen alten Spielstand zu „perfektionieren“, und vielleicht gibt es das außerhalb der sehr kurzen Demo auch. Grundsätzlich fällt das Werteverschieben in We. The Revolution aber recht deutlich auf. Das konzeptionell nicht unähnliche Sunless Skies z.B. versteckt es besser hinter seinen Geschichten und Entscheidungen.
Man sitzt aber nicht nur am Richterpult, sondern breitet seinen Einfluss aktiv in ganz Paris aus.
Man sitzt aber nicht nur am Richterpult, sondern breitet seinen Einfluss aktiv in ganz Paris aus.

Und auch hier gibt es ja eine Menge schwerwiegender Konsequenzen, die das Spiel nicht gleich beenden - wenn ein Vertrauter des Richters etwa zu Tode kommt, weil man einen Erlass unterzeichnet hat, der es untersagt, mit Waffengewalt gegen revoltierende Menschen vorzugehen. Abgesehen davon sind längst nicht alle Folgen klar absehbar; die damit zusammenhängenden Entscheidungen zählen bisher zu den interessantesten.

Menschen und Karriere

Schließlich ist We. The Revolution viel mehr als nur Gerichtsverhandlungen. Es ist auch das Streben nach Macht und um beruflichen Aufstieg in einem Karussell aus Figuren, deren Gunst und Ungunst man sich erspielen kann. Einfluss ist dabei ein wichtige Ressource, die man dabei gewinnen kann – u.a. beim Glücksspiel mit einem Bekannten: Schenkt man dem ständig Wein ein, erhöht das die Chance auf einen Sieg, während man selbst Gefahr läuft, als Trinker verschrien zu sein.

Einfluss erhält man außerdem, falls man bei öffentlichen Konflikten zweier Personen für eine von ihnen Partei ergreift. Man bekommt Einfluss, indem man Reden hält, bei denen man manipulierend, energisch oder ruhig auftritt und sich hoffentlich nicht mit der falschen Ansprache lächerlich macht. Das hätte dann freilich den gegenteiligen Effekt.

Seinen Einfluss vergrößert man nicht zuletzt auf einer Stadtkarte von Paris, wo man Agenten umherschiebt, um Stadtviertel zu kontrollieren oder konkurrierende Agenten abzuwehren. Und dann ist da noch die Familie mit ihren ganz eigenen Vorstellungen an den Ehemann und Vater. Sie reagiert auf Urteile, die ihr am Herzen liegen – man wägt also ständig ab, wie man Entwicklungen und Ereignissen begegnet, während die Revolution unaufhaltsam voranschreitet.
 

AUSBLICK



We. The Revolution ist das Nachahmen anspruchsvoller Entscheidungen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderung. Dass mit dem Richter Alexis Fidèle dabei ein Charakter im Mittelpunkt steht, der gegensätzliche Interessen abwägen muss, obwohl seine eigentliche Aufgabe das Bewahren einer neutralen Position ist, macht das Spiel umso interessanter. Das starke Artdesign erweckt die Französische Revolution eindrucksvoll zum Leben, während mich spielerisch vor allem das Hantieren im Gerichtssaal gefesselt hat. Auch wenn das rein mechanische Werteverschieben eine Idee zu deutlich erkennbar scheint: Ich freue mich nach wie vor sehr darauf, in die(se) Geschichte abzutauchen!

Einschätzung: gut

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