El Shaddai: Ascension of the Metatron - Special, Action, Xbox 360, PlayStation 3 - 4Players.de

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El Shaddai: Ascension of the Metatron: Musikalische Reise
Müde Elektronik
Mit einzigartigen Hintergründen aus fließenden Ölfarben und minimalistischen Vektorstrichen, mal farbenfroh, mal nur Schwarz/Weiß, öffnet El Shaddai das Tor in eine einzigartige Spielewelt. Neugierig streift man durch die fremdartigen Kulissen - der ideale Nährboden für eine musikalische Begleitung, die die Schauplätze mit ungewöhnlichen Kompositionen zum Leben erweckt!

Christliche Heldensaga

Ein sakraler Chor stellt mit viel Getöse den Helden vor: Mit den Vorschusslorbeeren des schwungvollen Orchesters macht sich Enoch auf die Suche nach sieben gefallenen Engeln - kein Wunder, dass die Komponisten Masato Kouda (Monster Hunter, Wild Arms, Devil May Cry) und Kento Hasegawa (ebenfalls Devil May Cry) den kirchlich anmutenden Gesang so stark in den Vordergrund rücken. Ob das Spiel den christlichen Tenor nun als hohles Stilmittel oder erzählerischen Schwerpunkt nutzt: Der hohe Gesang prägt das gesamte, zwei CDs lange Album.

Kalte Kunst

El Shaddai ist ein Soundtrack wie er heute fast nur noch aus Japan kommt. Nirgendwo sonst setzen Komponisten so unverhohlen auf elektronische Stilmittel, die in Zeiten orchestraler Aufnahmen wie zehn Jahre alte Relikte wirken. Tatsächlich erinnert einiges in der Musik an Arrangements wie sie Nobuo Uematsu zu Zeiten von Final Fantasy VII schrieb. Die müden Schlagzeuge und künstlichen E-Gitarren der rockigen Stücke sind das beste Beispiel. Sie hinterlassen einen viel zu glatten Eindruck. Die Musik hat keine Tiefe - als würde man Muse oder Bach über die fernen Lautsprecher eines Supermarkts hören. Es liegt an den oberflächlichen Arrangements: Vermeintlich orchestrale Spielemusiken aus Japan klingen auffällig oft nach kalter Elektronik. Ihren Klängen fehlt das lebendige Profil von Hand gespielter Instrumente.

Muss das ein Zeichen schlechter Musik sein? Mitnichten. Bayonetta kompensierte fehlende Wärme mit stilistischer Abwechslung, Nier schuf starke emotionale Momente. Und El Shaddai, das zu einer ähnlich kreativen Vorlage auflegt? El Shaddai gelingt es nicht, die visuelle Eleganz seines Spiels klanglich zu fassen. Der sakrale Gesang wird leider viel zu oft, viel zu gleichförmig wiederholt. Kennt man das frühe To Those of the Beloved Past für Orgel und Chor, hat man das Repertoire der Komponisten längst durchschaut. Und diese Einförmigkeit ist symptomatisch für den gesamten Soundtrack.

Rock und Pop

Für viele Stücke stellvertretend legt auch das flotte Tragic Scream auf: Dem verleihen reale Streicher zwar die dringend benötigte Wärme, doch einfallslose Elektrobeats machen das Stück zur bemühten Tanz-Nummer. Gäbe es wenigstens eine Entwicklung des Themas. Stattdessen schaltet Kouda irgendwann auf Anfang und wiederholt die Melodie einfach so wie sie begann. Dass sie immer wieder echte Instrumente einsetzen, gibt dem Soundtrack etwas Struktur. Mit filigranen Arrangements scheinen beide Komponisten aber überfordert. Und entwickeln können oder wollen sie ihre Themen ohnehin nicht. Den Titel 1022150420 behandelt Kouda ähnlich wie Tragic Scream, auch wenn er dort Synthesizer-Kreischen und rockige Versatzstücke zusammenbringt.
Verfügbarkeit

Derzeit ist es gar nicht einfach, das Album zu erhalten. Zum einen ist die Musik zu El Shaddai bislang nur in Übersee erhältlich - das gilt sowohl für den Download als auch den Vertrieb der Doppel-CD - und zum anderen ist Letztere momentan bei einigen nordamerikanischen und japanischen Händlern vergriffen.
Mit Premonition wagt er sich hingegen in die Bereiche des Schwermetalls vor - beinahe hört man Megadeth heraus. Zum Ausgleich kann man sich bei You Are Mine zu einer Art Pop-Jazz entspannen.

Auf der einen Seite ist es diese Abwechslung, mit der sich El Shaddai über Wasser hält. Auf der anderen Seite beherrschen Kouda und Hasegawa vor allem die Technik. Denn ihre Musik überzeugt immer dann, wenn sie in die Sphären von Vangelis abtaucht und die Schauplätze in sphärische Elektronik hüllt. Scarlet Liturgy gelingt das mit am besten - spätestens dann, wenn ethnische Stimmen und Trommeln die düsteren futuristische Töne vom Dunkel zu erlösen scheinen. Auch Hellfire Scream erzeugt eine ganz eigentümliche Stimmung, wenn es ein unglücksverheißendes Keyboard mit drohenden Akzenten vor sich her treibt. In Ezekiel's Decision schließen sich Klavier und der sonst überstrapazierte Chor unter der Hülle eines bedrohlichen Waberns wie für einen bevorstehenden Showdown zusammen. Und als das Abenteuer schließlich fast vorüber ist, gelingt Kouda dann doch noch die versöhnliche Vereinigung des Pop mit seinem kleinen Orchester: Door to Infinity ist der entschlossene Befreiungsschlag, mit dem Enoch endlich die Last abschüttelt, die er auf seiner Odyssee tragen musste.   

Schade, dass die guten Stücke – meist überwiegend synthetischer Natur - zu den wenigen musikalischen Höhepunkten gehören. El Shaddai legt den zwei Komponisten über seine visuellen Reize so viele Köder für lohnenswerte Melodien, doch die meisten davon übergeht das Duo einfach. Die von der Bibel geprägten Handlungselemente verwaschen sie mit einem einfarbigen Chor zu bleichen Schablonen ohne Wiedererkennungswert und die Farbtupfer anderer Stilrichtungen gewinnen dank der blassen Arrangements selten das notwendige Profil. Nur ihre Arbeit am Synthesizer bleibt hängen, weil sie den gemäldeartigen Bildern damit eine bedrohliche Dimension verleihen. Über die Vielfalt und ihre elektronischen Instinkte schaffen Masato Kouda und Kento Hasegawa interessante Klangwelten. Weil sie erfolglos versuchen, die filigrane Arbeit mit einem Orchester zu emulieren, versackt ihre Musik aber im belanglosen Mittelfeld.

Einschätzung: befriedigend

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