Bastion - Special, Rollenspiel, PC, Xbox 360 XBL - 4Players.de

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Bastion (Rollenspiel) von Warner Bros.
Gitarren, Geigen, Sitars
Action-Rollenspiel
Entwickler: Supergiant Games
Publisher: Warner Bros.
Release:
20.07.2011
30.08.2012
16.08.2011
2015
2015
Spielinfo Bilder Videos
Eine raue Stimme schwelgt von vergangenen Tagen. Von den Liedern, die man gemeinsam sang, als man nach einem langen Tag zusammensaß. Eine Gitarre stimmt ein - es braucht keine zwei Takte, dass man im Wilden Westen ankommt. In einem Wilden Westen, der natürlich von Gitarren, Geigen, aber auch von Sitars geprägt wurde. Und von stampfendem Trip-Hop.

Fernab der Bänder

Es gibt eine ganz wichtige Sprungfeder, die maßgeblich zum Aufschwung der Independent-Spiele beigetragen hat: der kreative Freiraum, den sich ein eigenständiger Entwickler einfach nehmen kann, der inzwischen auch vielen Spielern so wichtig ist. Es ist ja nicht nur der Minimalismus eines Limbo oder das Zeitreisen eines Braid - auch die Musik findet im „Kleinen“ oft neue Wege: Gegen das grandiose Sword & Sworcery wirken die Orchesterwerke vieler Blockbuster wie aufgedunsene Fließbandware.

Bastion spielt fernab der Fließbänder auf. Für Bastion greift der Band-Rocker Darren Korb zur Gitarre, mischt sie abwechselnd unter eine breite Palette weiterer Zupfinstrumente und treibt den Rhythmus mit viel Trip-Hop voran. Ein bisschen erinnert das an die Science-Fiction/Western-Kollage Firefly - denn ein bisschen ist es auch genau das. Aber verknüpft Korb die scheinbar gegensätzlichen Stilrichtungen auch zu einem harmonischen Ganzen?

Ein Kessel Buntes

Tatsächlich passt der sanfte Druck seiner Bässe erstaunlich gut zu klassischen Instrumenten. Für Twisted Streets etwa marschiert der Beat vor einer wehmütigen Flöte und einem geheimnisvollen Synthesizer. In The Sole Regret scheint sich der Trip-Hop neben der Gitarre eine Siesta zu gönnen. Bei Pale Watchers rollen die Bässe erneut zu einem diesmal bedrohlichen Synthesizer, während die Gitarre lauernd auf einem immer gleichen Notenquartett verharrt.

Und tatsächlich schwächelt die Musik genau deswegen: So gut die Stilmittel ineinander greifen, so sehr wiederholen sich die immer gleichen Elemente. Korbs Trip-Hop klingt mit viel gutem Willen zeitgemäß – einfallsreich ist keiner seiner Rhythmen. Mitunter übernimmt sich der Komponist zudem und mischt so viel Schranz, Gitarre und Violine ineinander, dass er dann doch eine Brücke zu den überladenen Orchesterwerken  schlägt. Mehrere Titel fallen damit auf, dass sie wertvolle Akzente zugunsten eines überkochenden Melting Pots opfern, darunter Terminal March oder Bynn the Beaker.

Musikalische Raumangst

Dass filigrane Ansätze vom großen Rauschen verschluckt werden, ist aber nicht nur die Schuld der überbordenden Vielfalt, denn zum Teil liegt es auch an der Qualität von Aufnahme oder Nachbearbeitung. Ausnehmend deutlich wird es in Percy's Escape, dessen schnelle Violine so klingt, als stünde der Solist in einer winzigen Kammer.
Verfügbarkeit und Hörproben

Bastion ist für 10 Dollar über Bandcamp erhältlich, wo man den Soundtrack in etlichen, u.a. verlustfreien Formaten herunterladen darf.

Wie üblich darf man das Album dort komplett probehören.

Für 15 Dollar erhält man zusätzlich zum Download die CD - versehen mit einem Autogramm des Komponisten.
Dass Korb viele Instrumente zwar selbst einspielt, andere aber aus dem Computer holt, unterstützt den dumpfen Eindruck nur - was gerade in Anbetracht der angedeuteten Freiheit des Wilden Westens befremdlich wirkt.

Am besten funktioniert die Musik, wenn sie in Vokalstücken kleine Geschichten erzählt. Es hilft natürlich, dass die Kombination von Gesang und Trip-Hop in solchen Momenten vertraut wirkt. Aber auch für sich genommen arrangiert Korb gleich fünf zauberhafte, verträumte Gesangstitel. Das von Ashley Barrett zum behutsamen Gitarrenspiel gesungene Build That Wall ist dabei der unbedingte Höhepunkt des gesamten Soundtracks! Mit Setting Sail, Coming Home lässt Logan Cunninghams rauchige Stimme den Soundtrack schließlich stimmungsvoll ausklingen.

Gar nicht so einfach, dieses Bastion! Auf der einen Seite lässt die mangelnde Entwicklung von Themen und Arrangements ein wichtiges Bisschen Vielfalt missen - kaum eine Melodie bleibt hängen, der Trip-Hop bleibt meist gewöhnlich. Andere Titel sind so überladen, dass man Akzente kaum noch wahrnimmt. Nicht zuletzt macht dem Soundtrack ein dumpfer Tenor zu schaffen, der nicht so recht zur gefühlvollen Western-Gitarre passen will. Auf der anderen Seite bringt Darren Korb aber den Western und die Moderne über weite Strecken so gekonnt zusammen, dass er schon für den unverbrauchten Klang eine Auszeichnung verdient. Bastion ist vertrauter Western und faszinierende Fremde zugleich und lässt im Grunde nur eine Frage offen: Warum treffen Elektronik und Wilder Westen nicht häufiger aufeinander? Vor allem aber schreibt Korb wundervolle, von prägnanten Stimmen getragene Höhepunkte, die lange im Ohr bleiben. Unterm Strich tut er etwas zu wenig, um ganz ins Schwarze zu treffen. Weit davon entfernt ist er allerdings nicht!

Einschätzung: gut

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