Azul - Brettspiel-Test, Brettspiel - 4Players.de

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Azul (Brettspiel) von Pegasus Spiele
Kacheltaktik
Legetaktik
Entwickler: Michael Kiesling
Publisher: Pegasus Spiele
Release:
01.10.2017
Spielinfo Bilder Videos
Kennt ihr Michael Kiesling? Nein? Ist ja auch schon etwas länger her, dass der deutsche Autor das begehrte "Spiel des Jahres" zusammen mit Wolfgang Kramer gewinnen konnte. Aber das immerhin gleich zweimal hintereinander: 1999 mit Tikal und 2000 mit Torres. Und jetzt könnte er mit Azul erneut gute Chancen haben, denn das Brettspiel lockt nicht nur mit hübschem Artdesign und charmantem Puzzleflair, sondern heimste bereits einige internationale Auszeichnungen ein.

Eis und Bonbons

"Hey, das sieht ja aus wie buntes Eis! Oder wie leckere Bonbons! Die sind ja süß, die Steine." Tja, so ist das mit den historischen Wurzeln - sie verschwinden oft unter der Oberfläche. Mitten in Azul redet bei uns jedenfalls keiner über die "Azulejos", diese hübsch glasierten Keramikfliesen der Mauren, die dem Legespiel ihren Namen gaben. Ihr interessiert euch dafür? Dann schaut doch mal beim Nationalmuseum in Lissabon vorbei. Auch wenn dieses Brettspiel also nichts mit Eis und Bonbons zu tun hat, weckt es mit seinem Artdesign scheinbar sofort delikate Assoziationen - zumindest bei den weiblichen Mitspielern.

Azul ist auf Deutsch bei Pegasus erschienen und kostet knapp 40 Euro.
Azul ist auf Deutsch bei Pegasus erschienen und kostet knapp 40 Euro.
Auch bei Brettspielen isst das Auge natürlich mit, zumal die 100 Steine aus Kunstharz in einem hübschen blauweißen Stoffbeutel gemischt werden. Danach werden je vier davon auf bis zu neun runde Plättchen gelegt, so dass eine Auswahl entsteht. Zwei bis vier Spieler nehmen sich abwechselnd alle Steine einer Farbe von einem Plättchen, legen den Rest in die Mitte und platzieren die anderen in einer Reihe auf der linken Seite des eigenen Tableaus. Der Clou dabei: Erst wenn eine der 1er-, 2er-, 3er-, 4er- oder 5er-Reihen voll besetzt ist, darf man einen Stein nach rechts in das Mosaik legen, bis die vorgegebenen diagonalen Muster enstehen.

Sammel- und Legespaß


Aufgrund des simplen Regelwerks entsteht umgehend intuitiver Sammel- sowie Legespaß, so dass auch Kinder ab acht Jahren nach einem kleinen Probespiel schnell verstehen, wie
Zwei bis vier Spieler legen bunte Fliesen aus, um die meisten Punkte zu ergattern.
Zwei bis vier Spieler legen bunte Fliesen aus, um die meisten Punkte zu ergattern.
man die Fliesen anlegen muss. Und wie kann man gewinnen? Sobald jemand eine waagerechte Reihe aus fünf Fliesen auf seinem Tableau bildet, wird abgerechnet. Aber Vorsicht: Damit kann man zwar Schluss machen, aber hat man dann bereits die meisten Punkte gesammelt? Die werden auf der Siegpunkteleiste markiert und es ist meist so, dass man noch etwas weiter sammeln und vor allem clever auslegen sollte. Gerade dieses Vabanque-Spiel für die Abrechnung steigert nochmal die Spannung.

Denn das Punkten findet auf zwei Ebenen statt: Zum einen bekommt man schon beim Auslegen einer Fliese in das Mosaik mehr Punkte, wenn man mit dieser größere vertikale oder horizontale Reihen bildet - es lohnt sich also Verbindungen zu schaffen, wobei man lediglich das Farbtabu beachten muss, denn Blau, Orange, Schwarz, Hellblau oder Rot dürfen nur einmal in einer Linie vorkommen. Zum anderen bekommt man im Gegensatz zu mickrigen zwei Punkten für eine waagerechte Reihe ganze sieben Punkte, wenn man eine vertikale Reihe voll besetzt. Und schließlich gibt es satte zehn Punkte, falls man eine Farbe mit vollen fünf Fliesen auslegt - das sind bei dreien schon 30!

Minuspunkte und Defizite


Erst muss man links in einer Reihe eine Farbe sammeln, von der man dann bei voller Bestzung eine Fliese nach rechts legen darf.
Erst muss man links in einer Reihe eine Farbe sammeln, von der man dann bei voller Bestzung eine Fliese nach rechts legen darf.
Wirkt zu Beginn angesichts der großen Auswahl noch alles sehr beliebig, so dass jeder nach seinem Geschmack die farbigen Steine zieht und auslegt, gewinnt das Spiel aufgrund zweier Mechaniken vor allem im letzten Drittel etwas an Schwung: Man kann seinen Mitspielern nämlich wichtige Steine wegschnappen, zumal das Angebot an Farben ja immer dünner wird. Außerdem bekommt man nicht nur einen Minuspunkt, wenn man sich als Erster aus der Tischmitte bedient, sondern kann im schlimmsten Fall eine ganze Farbe nicht auslegen, weil diese besetzt ist, was zu sehr vielen Minuspunkten führen kann. Auch das kann man fieser Weise ein wenig für den anderen vorausplanen...

Was gefällt nicht so gut? Obwohl man sein Tableau auf zwei Arten auslegen und damit eine offenere Variante spielen, werden Legetaktiker auf Dauer vielleicht den Anspruch vermissen. Bei uns war so nach drei bis fünf Partien etwas die Luft raus, wohingegen ähnliche Spiele wie Patchwork oder Cottage Garden etwas länger sowohl Sammel- als auch Legereize wach hielten. Im Gegensatz zu abstrakterer und zugtaktisch fordernder Strategie à la Onitama, Oshi oder gar Yinsh und Hive steht hier natürlich eher das lockere Sammeln und Punkten im Vordergrund, was auch okay ist. Es wäre vielleicht sinnvoll gewesen, noch
Artdesign und Material sind ansehnlich.
Artdesign und Material sind ansehnlich.
zusätzliche Muster für weitere Punkte anzubieten, die man geheim über Karten zieht und nachlegen muss.

Fazit


Azul ist ein charmantes Familienspiel für den Sommer - klein, kompakt und überaus ansehnlich. Das stilvolle Artdesign ist eine große Stärke, zumal die bunten Steine aus Kunstharz angenehm in der Hand liegen. Vor allem in den ersten Spielen macht es Spaß, all die Fliesen zu sammeln und auszulegen. Aufgrund der simplen Regeln werden auch Kinder umgehend in einen Spielfluss kommen, während Veteranen etwas zu früh den legetaktischen Anspruch vermissen. Aber manchmal sind genau das die kurzweiligen Titel, die eine goldene Mitte treffen und auch mal die Brettspielmuffel der Familie zurück an den Tisch bringen. Auch wenn es nicht meine Wahl wäre: Azul könnte durchaus ein Kandidat für das Spiel des Jahres 2018 sein.


Für alle, die eine Wertung vermissen: Wir werden hier nur unsere Highlights vorstellen. Natürlich gibt es auch in der Brettspielwelt einen bunten Mainstream und billigen Murks, aber wir wollen euch alle zwei Wochen kreative Geheimtipps, Klassiker oder ungewöhnliche Spieleperlen empfehlen, die man vielleicht nicht in jedem Kaufhaus findet. Mehr Brettspiel-Tests und eine Top 20 findet ihr hier.


 

Kommentare

Oynox schrieb am
Ich find's für das gebotene Gameplay tatsächlich zu teuer. Spielmaterial und Art Design sind erste Sahne, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es ein wahrer Dauerbrenner wird, der 40? rechtfertigt.
SpookyNooky schrieb am
"Zum anderen bekommt man im Gegenseatz zu mickrigen zwei Punkten für eine waagerechte sieben Punkte, wenn man vertikale Reihen voll besetzt."
"Obwohl man sein Tableau auf zwei Arten auslegen und damit eine offenere Variante spielen (+kann), werden Legetaktiker auf Dauer vielleicht den Anspruch vermissen."
Raskir schrieb am
Wie immer, danke für den Test. Hört sich ganz spaßig an und werde das mal in meiner Runde vorschlagen. Wenn, dann aber erst nach Pandemic legacy season 2. Bald ist halbzeit bei uns und das spiel hat sich schön gesteigert. Die ersten 2 monate erschienen uns noch viel zu leicht, aber dann kamen immer mehr regeln, gebiete und probleme hinzu. Hatten jetzt sogar 3 niederlagen in folge, ehe wir wieder einen sieg feiern konnten.
Hups sorry, wollte nicht so offtopic sprechen.
Spiel wird vorgeschlagen, mal schauen was die Meute sagt :)
schrieb am