Der kritische Herbst - Special - 4Players.de

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Sonstiges
Entwickler: 4Players
Publisher: 4Players
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Der kritische Herbst wirbelt nicht nur bei 4Players Staub auf: Auch die PC PowerPlay widmet sich in der kommenden Ausgabe (12/2006) unlauteren Mechanismen in der Spielewelt. Der Gothic 3-Publisher JoWooD wollte die Berichterstattung zum fehlerhaft in den Handel gekommenen Rollenspiel mit aller Macht unterbinden - bis hin zur einstweiligen Verfügung.

4Players: In der PC PowerPlay 12/2006 berichtet ihr im Artikel "Die Akte JoWooD" über eure unliebsamen Erfahrungen mit dem Publisher von Gothic 3 . Böse Anrufe, anwaltlicher Schriftverkehr und die Androhung, euer Magazin per einstweiliger Verfügung vom Kiosk zu nehmen. Warum habt ihr euch dazu entschieden, das öffentlich zu machen?

Martin Deppe, Chefredakteur der PC PowerPlay.
Martin Deppe:
Weil so etwas an die Öffentlichkeit gehört. Vor allem, als wir erfahren haben, dass es solche Drohungen nicht nur bei uns gegeben hat. Anfangs haben wir noch gedacht, "okay, der regt sich eh immer auf, der wird sich wieder abkühlen, der Brei wird schon nicht so heiß gegessen". Dummerweise ist der Brei aber immer noch verdammt heiß.

4Players: Das kann ich mir vorstellen. Wie ist es zu dieser Eskalation gekommen? Gab es einen Punkt, wo ihr hättet einlenken können, um den Konflikt zu umschiffen?

Martin Deppe: Eskaliert ist das Ganze, weil wir sehr prominent sehr klare Worte für ein sehr verbuggtes Spiel geschrieben haben. Aber wenn ein Publisher bisher immer nur gehört hat, wie toll sein Titel werden könnte und bestimmt auch wird, dann rechnet er auch mit tollen Wertungen. Obwohl wir Jowood schon beim ersten Test auf die enormen Mängel hingewiesen haben. Klar - wir hätten einlenken und auf Jowoods Forderung eingehen können, die Titelzeilen zu Gothic 3 auf unserem Cover zu schwärzen. Wobei ich mich schon frage, ob das einen Kiosk-Kunden nicht erst recht neugierig macht ... Vielleicht sollten wir das mal bei einem der nächsten Hefte ausprobieren -- Duke Nukem Forever draufschreiben und den Rest schwärzen ;-)

4Players: Gothic 3 ist fehlerhaft bis zur Schmerzgrenze in den Handel gekommen. Was hast du gedacht, als du das Schreiben mit den "Schadensersatzansprüchen gegen Ihr Haus" vom Hersteller bekommen hast?

Martin Deppe: Gelacht. Erstmal. Bis mir eingefallen ist, dass Anwälte selten scherzen und die das durchaus ernst meinen, auch wenn's natürlich lächerlich ist. Vielleicht sollten die unzufriedenen Gothic-Käufer auch mal Schadensersatzansprüche anmelden - da wären die Chancen vermutlich sogar besser.

Spielkulturthema: Der kritische Herbst

Kolumne: Spielbranche am Apparat. Bei Anruf Award?
Anonymes Interview: Ex-Publisher packt aus.
Kolumne: Die Kultur der Kritik.
Special: Interne Beeinflussung.
Special: Externe Beeinflussung.

To be continued...
4Players: Wie schätzt du diese Eskalation als Journalist in der Spielepresse ein? Ein trauriger Einzelfall oder ein durchaus bekanntes Szenario?


Martin Deppe: Wütende Anrufe habe ich schon seit Jahren nicht mehr erlebt. Das kommt immer auch auf die Personen an, mit denen man zu tun hat. Wenn jemand cholerisch veranlagt ist, dann schreit er halt mal gern, auch wenn's völlig unprofessionell ist. Ich bin jetzt seit rund zehn Jahren dabei, und so extrem habe ich's genau zweimal erlebt. Jetzt mit Jowood, und vor vielen Jahren mit einem PR-Manager einer anderen Firma, der aber schon lange nicht mehr in der Branche arbeitet. Klar diskutiere ich auch mal mit PR-Leuten über Wertungen, aber immer sachlich. Klar ist mal jemand eingeschnappt, aber das vergeht auch schnell wieder. Die absolute Mehrheit der Publisher weiß ja ganz genau, wie gut oder schlecht ihr Produkt ist. Sie kriegen ja auch oft eine Einschätzung, wenn wir oder andere Magazine Previews schreiben.

4Players: Das Drohen mit der einstweiligen Verfügung zeigt die hässliche Spitze der Eskalation. Darunter gab es ja auch mehr oder weniger subtile Versuche der Beeinflussung, was eure Berichterstattung angeht: Vorschau nur mit ausgewähltem Material, Veröffentlichung nur nach Gegenlesen beim Publisher etc. Wie frei kann die deutsche Spielepresse eigentlich arbeiten?

Martin Deppe: Jedes Magazin, jede Webseite kann so frei arbeiten, wie sie will. Muss aber auch eventuelle Konsequenzen tragen: Wenn ich es ablehne, eine Titelgeschichte vom Publisher freigeben zu lassen, dann bekomme ich diese Geschichte unter Umständen nicht. Und jemand anders nimmt sie, was ihm zumindest kurzfristig Vorteile verschafft. Diese Freigabe-Forderung eines ganzen Artikels habe ich vorher noch nie erlebt, selbst nicht bei überängstlichen US-Publishern. Klar, ausgewähltes Material gibt es ständig. Vor allem bei Titeln, die noch lange nicht fertig sind und zum Beispiel noch stark ruckeln - logisch, dass ich davon kein Video machen darf, das will ich auch gar nicht. Aber bei einem Spiel, das rund drei Monate später fertig sein soll, ist das schon merkwürdig. Auch so wenige und so ähnlich aussehende, vorgefertigte Screenshots sind für uns einfach nicht aussagekräftig - deswegen haben wir die Story ja auch abgelehnt.

4Players: Müsste die deutsche Spielepresse öfter klare kritische Stoppzeichen setzen?

Martin Deppe: Die deutsche Spielepresse ist durchaus kritisch - verglichen mit anderen Ländern, wo fast alles hochgejubelt wird, was schön bunt ist und Krach macht. Aber bei Gothic 3 haben wir uns schon sehr gewundert, dass es sehr viele sehr hohe Wertungen bekommen hat, und die massiven Bugs höchstens erwähnt wurden, aber kaum in die Wertungen eingeflossen sind.

4Players: Ein verbuggtes Spiel, auf das sich ein ganzes Land freut; ein Entwickler, der massive Fehler eingesteht; ein Publisher, der der Presse droht. Wo liegen deiner Meinung nach die Uraschen in diesem Fall? Der Termin? Der Druck?

Martin Deppe: Druck und Termine gibt's bei jedem einzelnen Spiel. Es immer nur die Frage, wie viel. Wenn, wie bei Gothic 3, die letzten Dateien mitten in der Nacht fertig geworden sind, wundere ich mich schon, wie da gearbeitet wird. Jahrelang an einem Spiel schrauben, und dann wird's nachts fertig? Das klingt zwar cool, aber auch nach Flickschusterei.
Dass der Druck bei so einer langen Entwicklungszeit groß ist, ist ja kein Wunder. Schließlich müssen nicht nur die Kosten wieder reingeholt, sondern auch Aktionäre befriedigt werden. Und die schert es einen Kehricht, ob ein Spiel verbuggt ist oder nicht - da zählen ausschließlich Verkaufsdatum und -zahlen. Die aus Aktionärssicht ja stimmen: pünktlich im Laden, grandiose Verkäufe. Meinen Glückwunsch an die Jowood AG!

4Players: Kannst du nachvollziehen, warum so viele Print- und Online-Magazine Gothic 3 trotz der schweren und deutlichen Bugs gefeiert haben?

Martin Deppe: Da kann ich nur vermuten, und das will ich nicht.

4Players: Wir bekommen sehr viele Zuschriften von Lesern, die gerade nach Gothic 3 von einigen Teilen der Presse enttäuscht sind; viele erwähnen die Kündigung ihres Abos. Kannst du das verstehen? Hat diese Branche ein Glaubwürdigkeitsproblem?

Martin Deppe: Das verstehe ich absolut. Wenn ich gerade 40, 50 Euro für ein Spiel hingelegt habe, das mir jemand empfohlen hat, dem ich dafür ebenfalls Geld gegeben habe, bin ich natürlich sauer. Und frage mich, ob ich für solche Empfehlungen weiterhin Geld ausgeben will. Die Branche hat meines Erachtens aber kein generelles Problem mit der Glaubwürdigkeit. Ich halte Gothic 3 für einen Extremfall - bisher gab es ja auch keine dermaßen großen Wertungs-Unterschiede bei wichtigen Spielen.

4Players: Unsere Kolumne "Spielebranche am Apparat. Bei Anruf Award?" ist auf reges Interesse gestoßen und hat unseren kritischen Herbst eingeleitet. Wir wollen in einer Artikelreihe auf die Missstände in der Branche aufmerksam machen - sowohl auf Publisher- als auch Presseseite. Einige Kollegen sprechen von Nestbeschmutzung. Was hältst du von diesem Vorhaben?

Martin Deppe: Das Problem eurer Serie ist natürlich, dass ihr keine Namen nennen dürft, weil ihr die "Zeugen" schützen müsst - aber durch diese Anonymität Leser und Spieler verunsichert. Denn die wissen jetzt nicht mehr, wem sie künftig denn noch glauben dürfen.  Persönlich erlebt habe ich, wie oben schon gesagt, solche Vorkommnisse nur zweimal. Auch die kleineren "Vergehen", die ihr beschreibt, sind mir oder meinen Mitarbeitern nicht untergekommen.

4Players: Wie sah das in den Anfangszeiten der Spielepresse aus? Hat sich die Situation, hat sich der Druck auf Wertungen und Magazine aus deiner Sicht verschärft?

Martin Deppe: Früher waren Spiele bei weitem nicht so teuer in der Entwicklung, und sie hatten nicht die wirtschaftliche Bedeutung wie heute. Dafür gab es aber auch weniger Zeitschriften, und noch keine Webseiten. Es war auch nicht üblich, dass TV-Zeitungen regelmäßig Spiele testen. Der Druck, als erster und/oder exklusiv über ein Thema zu berichten, ist dadurch deutlich größer geworden. Was auch in Ordnung ist - solange man wegen des Drucks kein Spiel höher einschätzt oder gar höher bewertet, als es das verdient.

4Players: Was empfiehlst du einer Redaktion, wenn sie von einem Publisher am Telefon unter Druck gesetzt wird?

Martin Deppe: Sachlich, höflich, aber bestimmt bleiben. Wenn das nicht geht, weil der Anrufer unsachlich, unhöflich, aber umso bestimmter ist, besser das Gespräch beenden. Wenn's extrem wird, wie bei uns und Gothic 3, den eigenen Anwalt informieren und auf ihn verweisen, wenn der Publisher wieder anruft. Ach ja: bis Hundert zählen hilft auch.

4Players: Abschließend noch mal Gratulation zu eurem Artikel, der den Leser hinter die Kulissen der Spielebranche blicken lässt. Ist das eine einmalige Aktion oder wollt ihr das in Zukunft öfter machen?

Martin Deppe: Drohanrufe lassen sich leider nicht planen. Sonst wär's ja auch langweilig ...

4Players: Vielen Dank für das Interview.



Der Artikel "Die Akte JoWooD" erscheint am Mittwoch in der PC PowerPlay 12/2006. Der erste Teil wurde bereits bei Cynamite.de veröffentlicht. ANm. d. Red.
      

Kommentare

kogrash schrieb am
Kajetan hat geschrieben:
uk_uk hat geschrieben:Hmmm.... interessant.
Ja, interessant, wie Du Dich hier derselben Mittel bedienst, welche Du 4player vorwirfst. Heillose Übertreibung und verzerrende Darstellung. Aber da substanziell von Dir in allen Diskussionen zu diesem Thema nichts kam, ist auch weiterhin davon auszugehen, dass von Dir ausser polemischen Einwürfen nichts anderes kommen kann.
Kleiner Tipp: Versuch's doch mal mit Sachlichkeit. Ohne zynische Anmerkungen, polemische Angriffe, unsachliche Einwürfe und ehrpusseliges Geheule.
Dafür musst Du aber auch Argumente haben, die einer genaueren Betrachtuing standhalten müssen. Hast Du solche Argumente?
Mag in anderen Threads was geben, aber nur aus diesem verstehe ich das gebashe auf uk_uks post nicht. Auch die Forderung nach Argumenten halte ich für völlig fehl am Platz, denn es wird ja keine eigene Position bezogen. uk_uk zeigt vollkommen richtig auf den kleinen Widerspruch zwischen dem Unterton des "Kritischen Herbstes" (das es um die Unabhängigkeit gar nicht gut steht) und der Aussage Martin Deppes das solche Beeinflussungsversuche ein extremer Einzelfall sind.
- Spielspaß und damit -tests sind immer zu einem Teil subjektiv.
- Es geht in der Branche mittlerweile um Millionenumsätze und -zig Arbeitsplätze.
- Magazine haben mit den Spieleherrstellern/-publishern ja geradezu eine symbiotische Abhängigkeit.
- Aber natürlich sind sie auch von ihren Lesern abhängig.
Das diese ganzen Punkte in ihrer Summe nicht dann und wann zu Ärger, ein wenig Manipulation oder Streß führen - daran kann wohl nur ein unheilbarer Naivling glauben.
uk_uk stellt also die vollkommen richtige Frage: Nicht ob es sowas gibt sondern wie ausgeprägt es ist.
Mag das einzelne Magazin auch mal nen Ausreißer haben oder ein anderes ganz untergehen - in der Summe sind mir Spieletests und -magazine...
EvilNobody schrieb am
Bommelchen hat geschrieben:Es heisst ja, dass Eintopf je öfter man ihm aufwärmt umso besser schmeckt, doch langsam fängt er schon an zu stinken.
*heftig nick und zustimm´! :Vaterschlumpf:
Bommelchen schrieb am
Es heisst ja, dass Eintopf je öfter man ihm aufwärmt umso besser schmeckt, doch langsam fängt er schon an zu stinken.
CerealKillah schrieb am
@-nin: Der Kandidat hat 1.000.000 Punkte !!!
Für mich sind ehe Printmags gestorben und die Onlinekollegen von 4players sind sowas von "ehrlich". Mann in welcher Welt lebt Ihr eigentlich alle? Das die grossen Publisher bei den Printmags die Wertung beeinflussen können ist sowas von klar. Das Schema wird warscheinlich immer gleich aussehen: Publisher schalten X Anzeigen im Jahr = Printmagazin berichtet eher oberflächlich bei 2-3 kritischen Titeln und gibt guten Produkten auch gleich 2-3% mehr bei der Wertung. Wenn man sich die Print-Magazine mal anschaut, sind die meisten Titel mit einer Kaufempfehlung bewertet. Die "schlechten" Produkte, meistens Budget, findet man im hinteren Teil des Magazins. Jedes Magazin ist gleich gestrickt und ich hoffe das die meisten davon bald verschwinden.
Amen!
-nin schrieb am
Herr Deppe, es wäre schön gewesen, wenn Sie die Mängel im Spiel vor dem Release öffentlich gemacht hätten. So hätten sich viele Leute 50 ? gespart.
Warum wird jetzt erst darüber berichtet?
Ich würde mir jetzt denken, dass es ein Versuch ist Leser zu werben.
Das Gleiche gilt auch für 4Players.
MfG
-nin
schrieb am

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