Nach vorne "rempeln" ist übrigens wörtlich zu verstehen, denn wo ein Kontrahent fährt, ist auch ein Ellbogen. So richtig sportlich ist das natürlich nicht - aber sehr unterhaltsam! Immerhin muss ich mich ja nicht mit den jeweils drei vom Spiel gesteuerten Gegnern zufriedengeben, sondern trete auf geteiltem Bildschirm auch gegen Kumpels und Kollegen an. Die Schwierigkeit des automatisch aufgefüllten Teilnehmerfeldes (es treten immer vier Teilnehmer an) können wir dabei wie im Solospiel in vier Stufen regeln. Aufmerksame Kenner haben es schon rausgelesen: Neu ist, dass jetzt alle vier Teilnehmer gleichzeitig antreten dürfen. Den besten Freund kurz vorm Ziel noch mal wegschubsen? Super! Falls man dann im nächsten Wettrennen den sich deshalb langsamer auflandenden Adrenalin-Balken kompensieren kann...
Und es geht nicht nur um den eigentlichen Sport: Auch die Karriere erhält einen Schub, weil die Charakterentwicklung vorsichtig erweitert wurde. Dabei steht die Karriere diesmal nicht für die Laufbahn einzelner Sportler, sondern für den Erfolg einer ganzen Mannschaft. Ein Alter Ego darf ich zwar nicht erstellen, weil sämtliche Männlein und Weiblein bereist vorgebrütet sind, dafür kann ich den Sportlern diesmal einzigartige Upgrades verpassen, anstatt meine Erfahrungspunkte in den Kauf Rollenspiel-ähnlicher Fähigkeiten zu investieren. So startet mein Abfahrtsläufer bald schneller, mein Bob steuert sich präziser, mein Snowboard Cross-Fahrer wird resistent gegen Rempler und wenn ich besonders viel "zahle", darf ich einen verpatzten Wettkampf einmal wiederholen. Es ist nicht nur schön zu sehen, wie die Athleten im Mannschaftsbildschirm für das Aufwerten in den Vordergrund treten, während ihnen ihre Kollegen Platz machen - die Upgrades sind vor allem ein sehr motivierendes System.
Mit wem spielst du?
Wie gehabt besteht die Karriere dabei aus unterschiedlich zusammengestellten Turnieren, wobei die Stärke der Gegner während einer solchen Mini-Meisterschaft variieren kann. Das ergibt zwar wenig Sinn, macht die Laufbahn aber interessanter. In jedem Turnier gilt es außerdem, einen besonders starken Kontrahenten zu schlagen - ich trete also nie gegen irgendwelche drei Nationen an, sondern befinde mich immer im Clinch mit einer hervorgehobenen Mannschaft. Und falls ich mal keine Lust verspüre, meine Karriere voran zu treiben? Dann versuche ich mich eben in den bekannten Herausforderungen.
Die acht Sportarten im Überblick |
Und nicht nur das; es traut sich auch in die Weiten des Internet. Zum ersten Mal erstelle ich somit eigene Turniere für bis zu vier Spieler oder wähle eins der vorgefertigten. Auf Wii darf ich dies zwar nur, wenn ich mit den Bekannten meiner Freundesliste spiele, aber davon abgesehen gelingt 49Games ein richtig guter Online-Einstieg! Leider findet man auf jedem der Systeme so gut wie keine Gleichgesinnte, so dass die meisten Hobby-Athleten wohl auf Online-Austragungen verzichten müssen. Das will ich dem Spiel allerdings nicht anrechnen. Ähnlich souverän lösen die Entwickler übrigens einmal mehr die Steuerung. Bis auf die ohnehin leidliche Unterstützung des Balance Boards bleibt nämlich alles beim Alten, so dass auch diesjährige Wintersportler davon profitieren, dass sie nur selten panisch Fuchteln, Schütteln, Rütteln oder Hämmern, sondern meistens ihr Gespür für gutes Timing und das richtige Maß gefordert ist. Eine Idee fürs nächste Jahr vielleicht: So spannend das Rhythmusspiel im Eiskunstlauf sein kann, so angenehm knifflig stelle ich mir Situationen vor, in denen ich je nach Leistung und Situation kurze Reaktionsspiele meistern muss. Nicht zuletzt hat die Auswahl klassischer Kompositionen Segas Marionetten-Olympiade spürbar aufgewertet, während es hier nur guten aber belanglosen Synthie-Pop gibt. Und haltet mich für irre, aber bitte bringt das Curling zurück!




