Watch Dogs - Test, Action, Xbox One, PlayStation 4, PC - 4Players.de

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Watch Dogs (Action) von Ubisoft
Der Fluch der offenen Welt?
Action-Adventure
Entwickler:
Publisher: Ubisoft
Release:
27.05.2014
27.05.2014
27.05.2014
27.05.2014
kein Termin
20.11.2014
27.05.2014
Spielinfo Bilder Videos
Vor zwei Jahren sorgte Ubisoft mit der ersten Präsentation von Watch Dogs auf der E3 für Furore. Technisch und thematisch schien der Open-World-Titel der erste große Maßstab für die Fähigkeiten der neuen Konsolen und aktueller PC-Systeme zu sein. Doch was ist nach Verschiebungen und Diskussionen über verminderte Grafikqualität oder Auflösungen übrig geblieben? Der erste große Titel für die neue Generation?

Zufallsheld

Es braucht immer ein tragisches Ereignis, um aus einem „normalen“ Bürger einen Helden zu machen. Für Bruce Wayne war es die Ermordung seiner Eltern. Für Aiden Pearce, einen Hacker in einem fiktiven, von Sicherheitskonzernen und ihrem ctOS genannten Computersystem überwachten Chicago des Jahres 2012, ist es der Tod seiner Nichte Lena. Sie wurde das Opfer eines Anschlags, der eigentlich ihm galt. Doch er überlebte. Und er wird in den folgenden Monaten zum Rächer einer Stadt, in der die korrupte Überwachung ad absurdum geführt wird. Jeder Bürger ist nicht nur biometrisch, sondern auch hinsichtlich seiner Vorlieben und Abneigungen, seines Einkommens und vieler anderer Gesichtspunkte erfasst. Dank eines Fehlers im System gehört Aiden aber nicht dazu. Sein Gesicht kann mit keinem Datenbankeintrag verknüpft werden - nicht nur, weil er meist maskiert ist, wenn er sich auf seine Rachefeldzüge begibt.

Prinzipiell ist diese erzählerische Basis, die sich an einschlägiger Hollywood-Kost orientiert und sich thematisch freizügig bei Filmen wie Staatsfeind Nr.1 (Enemy of the State), Blade Runner oder Sneakers - Die Lautlosen bedient, gelungen. Doch was im Laufe der gut 20 bis 25 Stunden dauernden Kampagne innerhalb der offenen Welt Chicagos daraus gemacht wird, ist nicht mehr als gehobener Standard. Aiden soll als zerrissen dargestellt werden, ist aber nicht markant genug, um ihm seine sanfte Seite abzunehmen. Zumal man auch nur einmal wirklich die Wahl hat, ob man sich für den gewalttätigen oder -losen Weg entscheidet. Die meiste Zeit verlässt sich Aiden darauf, seinen Rachegelüsten zu folgen und seinen Weg mit Leichen und Altmetall zu pflastern. Und was die Erzählung an sich betrifft, kommt sie ebenfalls nicht
Chicago ist als Schauplatz stimmungsvoll, hat aber auf Konsolen Schwierigkeiten, sich vom letztjährigen Grand Theft Auto 5 abzusetzen.
Chicago ist als Schauplatz stimmungsvoll, hat aber auf Konsolen Schwierigkeiten, sich vom letztjährigen Grand Theft Auto 5 abzusetzen.
über das Popkorn-Kino Hollywoods hinaus und verzichtet auf unvorhergesehene Wendungen. Die Nebenfiguren, denen man begegnet, wie z.B. der durchgeknallte sowie an einen zahmen Trevor (GTA 5) erinnernden Jordi bzw. die Antagonisten, wurden zwar alle gut erfasst, doch sind sie letztlich nur Variationen von Charakteren, die man schon zuhauf in Film und TV zu sehen bekam.

Oberflächliche Dystopie


Zudem lässt Ubisoft das dystopische Element des allseits gegenwärtigen ctOS größtenteils links liegen. Man kann zwar beim Hacken von ctOS-Servern illegal aufgenommene Videos anschauen oder nach dem Freischalten der ctOS-Türme (Assassin's Creed lässt grüßen) auch an vorgesehenen Orten nach einem passablen Minispiel kurzzeitig in einzelne Apartments "eindringen". Doch dies hat keinerlei Auswirkung auf den Spielverlauf. Mitunter kann man zwar morbide Verhaltensmuster bei der Bevölkerung Chicagos oder einen Hang zur Selbstironie Ubis entdecken, wenn man z.B. einen Jugendlichen sieht, der Assassin‘s Creed spielt und sein Vater sich über die esoterischen Gespräche zwischen Assassinen und Opfern echauffiert. Allerdings wirkt sich dies weder auf den Spielfluss noch auf Aiden als Charakter und noch weniger auf mich aus. Mitunter musste ich zwar stark schlucken, nachdem ich registriert habe, wie verfallen die Gesellschaft Chicagos mitunter ist. Aber da ich ohnehin in die Zuschauerrolle verdammt bin und die ggf. zugrunde liegenden Verbrechen nicht weiter verfolgen kann, hielt sich meine Empathie in Grenzen.

Innerhalb der Geschichte wird zwar mit der Frage gespielt, wie sinnvoll die permanente Überwachung ist, wobei auch kritische Stimmen in Form von Hackergruppen zu Wort kommen. Doch letztlich wird die Thematik spielerisch nur so weit verwendet, wie es dem Spielfluss gut tut. Und das bedeutet, dass Aiden unreflektiert mit seinem Mobiltelefon wie ein
Die Action wird ordentlich inszeniert, der Ein-Knopf-Nahkampf ist aber zu anspruchslos.
Die Action wird ordentlich inszeniert, der Ein-Knopf-Nahkampf ist aber zu anspruchslos.
Wilder durch die Gegend hacken kann und kaum Angst vor Verfolgung oder Nachwirkungen haben muss. Die Stadt verändert sich auch nicht, je nachdem, wie häufig oder selten Aiden von seinen mobilen Hacker-Fähigkeiten Gebrauch macht. Alles wird dem Spielfluss untergeordnet. Zwar kann man über das Verhindern von Verbrechen dafür sorgen, dass einem die Bevölkerung der "Windy City" positiv gesonnen ist und seltener die Polizei benachrichtigt, wenn man etwas Unrechtmäßiges tut. Aber ansonsten wird viel des Potenzials des gesamten Technologie-Hintergrundes verschenkt - sowohl erzählerisch als auch hinsichtlich der Mechanik. Es gibt Momente wie bei der unaufdringlich eingebundenen Mehrspieler-Komponente, in denen Spannung aufkommt und man sich vielleicht doch eineinhalb Mal überlegt, ob man weiter mit der Ein-Knopf-Mechanik herumhackt, als ob es kein Morgen gibt. Denn es kann passieren, dass ein Passant einen Hilferuf absetzt, der (wenn man ihn nicht unterbricht) dazu führt, dass ein anderer Spieler (!) à la Dark Souls in dem eigenen Spiel auftaucht und versucht, einen zu hacken und Informationen zu stehlen. Allerdings haben weder der positive (Gegner wurde entdeckt und erledigt) noch der negative Ausgang (Gegner verschwindet mit Daten) eine Auswirkung auf Kampagne oder Spielwelt. Dennoch ist dies jedoch der erste kleine (viel zu kleine) Schritt hin zur Überlegung auf Spielerseite, ob man das Hacken und damit die weitere unbemerkte Ausnutzung der Bevölkerung nicht doch übertreibt.


Kommentare

Masters1984 schrieb am
Watch Dogs ist in vielerlei Hinsicht besser und interessanter als GTA und gefällt mir daher auch deutlich besser als GTA, welches eigentlich immer wieder das gleiche ist.
hydro-skunk_420 schrieb am
Ich habe Watch Dogs zum Release gekauft, doch erst in den letzten Wochen Zeit gefunden, es zu spielen. Ich bin jetzt am Ende des dritten Akts angekommen (was wohl ungefähr der Hälfte der Kampagne entsprechen dürfte) und will kurz ein paar wenige Zeilen zum Spiel verlieren und mich an jene richten, die bis dato von einem Kauf abgesehen haben.
Wenn ihr einzig darauf aus seid, möglichst viel Fun in einer euch viel bietenden Open World zu erleben, ist Watch Dogs das falsche Spiel für euch, weil die Möglichkeiten doch ziemlich begrenzt sind. Vieles davon ist sicher im Test zu lesen (ich selber weiß es nicht, habe ihn nicht gelesen).
Weiterhin kann ich von Watch Dogs dann abraten, wenn ihr eine tolle und mitreißende Story erleben wollt. Zumindest bis jetzt tröpfelt sie gemächlich, wenn nicht gar etwas langweilig, vor sich hin.
Ich kann euch Watch Dogs aber dann ans Herz legen, wenn ihr ein paar coole Hauptmissionen angehen wollt (werden aber erst im späteren Verlauf des Spiels richtig anspruchsvoll, noch nicht zu Beginn), die von euch wohl überlegtes, taktisches Vorgehen abverlangen. Das Spiel bietet euch in den meisten Fällen etliche verschiedene Herangehensweisen, eine Mission zu meistern. Ihr müsst die Gegend clever zu eurem Vorteil nutzen und nicht selten sehr stealthy vorgehen, wenn ihr eine Chance haben wollt, zu überleben, zumindest auf einem der schwierigeren Schwierigkeitsgrade. Ich will nicht zu viel verraten, aber für Spieler, die gerne tüfteln und eine gut ausbalancierte Mischung aus stealth und action haben wollen - greift zu! Das Spiel dürfte ja auch nicht mehr allzu teuer sein.
Ich freue mich jedenfalls auf viele weitere Missionen, bin gespannt, was da alles noch kommt.
Die 73% von 4Players kann ich dennoch sehr gut nachvollziehen, da Watch Dogs abseits seiner Hauptmissionen doch recht schwach ist.
Sarkasmus schrieb am
padi3 hat geschrieben:
Sarkasmus hat geschrieben:Schlechte Fahrphysik, also wär sich schon über die Fahrphysik in GTA IV beschwert hat wird die in Watchdogs grauenhaft finden.

WD nicht gespielt, aber mir fällt spontan kein spiel ein, das eine bessere fahrphysik als GTA 4 hat, außer, wenn es ein rennspiel ist. aber woher will jemand (wie ich oder du) schon wissen, ob er die physik richtig einschätzen kann.

Naja ich find die Fahrphysik in GTA IV auch gut, aber bei vielen ist die ja nicht wirklich gut angekommen.
padi3 schrieb am
Sarkasmus hat geschrieben:Schlechte Fahrphysik, also wär sich schon über die Fahrphysik in GTA IV beschwert hat wird die in Watchdogs grauenhaft finden.

WD nicht gespielt, aber mir fällt spontan kein spiel ein, das eine bessere fahrphysik als GTA 4 hat, außer, wenn es ein rennspiel ist. aber woher will jemand (wie ich oder du) schon wissen, ob er die physik richtig einschätzen kann.
Sarkasmus schrieb am
So die Story von Watch Dogs durch gespielt und ich finde das ist wahrlich das schlechteste Open World Spiel seit einer Ewigkeit.
Ich hatte das Gefühl das ich ein PS2 Spiel mit Grafik die etwas besser war als die von der PS3 zum Ende ihres Zykluses.
Schlechte Fahrphysik, also wär sich schon über die Fahrphysik in GTA IV beschwert hat wird die in Watchdogs grauenhaft finden.
Kein Schadensmodel, selbst GTA San Andreas hatte ein besseres Schadensmodel als Watch Dogs und das ist schon 10 Jahre alt.
Was mir gefallen hat war das Waffenhändling bzw das Schießen allgemein, das war in Ordnung.
Aber insgesamt ist Watch Dogs schon entäuchend für ein PS4/XboxOne Spiel.
schrieb am

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