Test: Call of Cthulhu

09.11.2018, Autor: Jörg Luibl

3D-Rollenspiel für Xbox One X, PlayStation 4 Pro, PC




Ko(s)mischer Schrecken


Video: Call of Cthulhu, Video-Test



Innsmouth lässt grüßen



Es gibt viel zu wenig digitalen H.P. Lovecraft (1890-1937)! Auf dem Tisch sorgen Arkham Horror oder die Villen des Wahnsinns immer wieder für schaurig gemütliche Stunden. Aber wenn man von entfernten Nachfahren im Geiste wie Sunless Sea & Co absieht, reicht meine letzte Erinnerung an kosmischen Schrecken am Bildschirm sogar zurück bis ins Jahr 2005. Damals entführte Headfirst Productions unter Bethesda-Fahne mit "Call of Cthulhu: Dark Corners of the Earth" auf Xbox, später auch auf PC, auf direkter literarischer Grundlage ins abscheuliche Innsmouth. Das actionreiches Abenteuer basierte auf der berühmten Kurzgeschichte "Der Schatten über Innsmouth", in der eine fiktive neuenglische Küstensiedlung zum Schauplatz eines verborgenen Horrors avancierte. Auch wenn das Spiel einige Designprobleme hatte und später zur Schießbude mutierte, die der passiven Heldendarstellung von Lovecraft komplett widersprach, beruhte es auf einem sehr innovativen Verletzungssystem. Außerdem hatte die Regie von Chris Gray klasse Momente. Vor allem eine Szene blieb mir bis heute in Erinnerung: Als man plötzlich aus seinem Hotelzimmer fliehen musste. Diese Situation wurde - ähnlich wie in der meisterhaften Vorlage - gekonnt zu einer Panik aufgebaut, von ersten Geräuschen bis hin zum Donnern an der Tür und dem Durchbrechen der Terrors mit all seinen hasserfüllten Fratzen. Man konnte nur hilflos fliehen. Es entstand eine regelrechte Treibjagd, bei der man sich als Beute fühlte...

Warum erzähle ich diese Anekdote? Zum einen, weil man in diesem Call of Cthulhu ebenfalls in einem fiktiven Fischerdorf, hier heißt
Was hat es mit dem Tod der Künstlerin Sarah Hawkins auf sich?
Was hat es mit dem Tod der Künstlerin Sarah Hawkins auf sich?
es Darkwater, in der Rolle eines Privatdetektivs namens Edward Pierce beginnt: Im Jahr 1924 bekommt der Bostoner Ermittler den Auftrag, den Tod einer Künstlerin aufzuklären, die verstörende Bilder malte und unter mysteriösen Umständen auf einer Insel starb. Natürlich wird Edward von Alpträumen geplagt, natürlich hat er Alkoholprobleme und Phobien, die sich im Laufe des Abenteuers steigern - die Ausgangssituation klingt vertraut. Auch wenn diese Story also nicht auf einer Kurzgeschichte Lovecrafts beruht, bedient sie sich vieler Motive, die man aus "Das Ding auf der Schwelle" oder "Der Flüsterer im Dunkeln" kennt. Auch das Necronomicon und die Großen Alten dürfen nicht fehlen.

Zum anderen erzähle ich das, weil ich diesen Terror von anno dazumal hier über weite Strecken vermisse. Obwohl Cyanide auf Basis der Unreal Engine 4 durchaus für ansehnliche Schauplätze sorgen kann, obwohl man mit Licht und Leichen, Groteskem und Grausamen spielt, also Motive des Unheimlichen bedient, erreichen diese Orte nie diese eindringliche visuelle Dichte, die z.B. Silent Hill oder Bloodborne auszeichnen. Außerdem kommt es nicht zur oben beschriebenen panischen Intensität in Augenblicken der Eskalation, die z.B. ein Outlast 2 bietet. Es ist ja nicht so, dass es gar keine unheimlichen Momente gibt! Nein, es gibt durchaus ein, zwei Gänsehaut-Momente. Mir fehlt es aber nicht nur visuell und inszenatorisch, sondern auch spielerisch an Biss. Das liegt daran, dass sich die Entwickler scheinbar nicht entscheiden konnten, was genau dieses "RPG-Investigation-Game" anbieten soll.



Wahrheit oder Pflicht?



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Call of Cthulhu
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