The Deadly Tower of Monsters21.01.2016, Jan Wöbbeking

Im Test: Ufos, Dinos und verkleidete Welpen

ACE Team hat ein Herz für bizarre Welten: Nach dem Shooter Zeno Clash und und dem kullernden Felsbrocken in Rock of Ages schufen die chilenischen Entwickler diesmal eine spielbare Hommage an alte Monster-Filme. Erreicht das Arcade-Gemetzel auf dem außerirdischen Turm auch spielerisch ein höheres Niveau?

Wer braucht schon eine Story?

Das Spielkonzept wirkt auf den ersten Blick gar nicht so ungewöhnlich: Dick Starspeed, sein getreuer Roboter-Sidekick mit dem kreativen Namen „Robot“ und die außerirdische Scarlet Nova prügeln und ballern sich mit allerlei lustig designten Energiewaffen an die Spitze eines gigantischen Turms. Die Geschichte passt im Prinzip auf einen Bierdeckel, das Ace Team hat aber einen coolen Kniff angewandt, um das B-Movie-Thema trotzdem auch erzählerisch unterhaltsam zu präsentieren. Kurz vorm Re-Release des fiktiven Trash-Klassikers wurde Regisseur Dan Smith für eine Audiokommentar ins Studio geladen, der in seinem Redefluss kaum zu bremsen ist. Zu jedem noch so profanen Detail hat er eine Geschichte parat. Mal sind die aufmüpfigen Komparsen Thema, die über die Nacht in Affenkostümen in ihren Käfigen vergessen wurden - später erläutert Smith, wie er die Welpen des Aufnahmeleiters in Staubsaugerbeutel zwängte und so in Rekordzeit neue Monster parat hatte. Dass der Darsteller im Roboter-Kostüm nicht im Abspann zu lesen ist, versteht sich von selbst – er stand schließlich nicht mal auf der Gehaltsliste! Kurz gesagt ist der Regisseur also ein echter Sympathieträger, der derart unbefangen vor sich hinplaudert, dass sein stetiger Audiokommentar zum unterhaltsamsten Spielelement avanciert. Sogar zeitgemäße Seitenhiebe auf Assassin's Creed oder progressive Gender-Debatten hat er auf Lager.

Zu Beginn stehen auch Ausflüge an den verseuchten Strand auf dem Programm.
Auch beim Design seines Films hat er sich seinerzeit ohne Rücksicht auf Verluste oder Logik ausgetobt. In der Science Fiction ist schließlich alles möglich, also treten die Helden gegen einen wilden Mix aus Kreaturen und Technik an: Grüne Tentakelmonster, radioaktive Riesenameisen, fliegende Untertassen mit glibbrigen Hirn-und-Glubschaugen-Aliens und allerlei Vintage-Roboter inklusive elegant geschwungener Glasröhren wuseln durchs Bild. Auch in die Animationen ist viel Liebe geflossen: Die Saurier bewegen sich z.B. genau so ruckelig vorwärts wie in alten Stop-Motion-Animationen. Den nervig flimmernden „VHS-Filter“ mit all seinen Bildfehlern habe ich sofort deaktiviert, im Laufe des Spiels tauchen aber auch coole Bildprobleme auf, die natürlich allesamt nonchalant vom Regisseur kommentiert werden.

Von Mechano-Affen und Glubschaugen-Aliens

Der auf dem fremden Planeten gestrandete Dick Starspeed erklimmt nach und nach den gigantischen Turm. Aus luftiger Höhe unterjocht der finstere Herrscher die arme Affenbevölkerung und stellt auch dem Helden immer wieder Bossgegner in den Weg. Darunter befindet sich z.B. ein Riesenprimat mit dilettantisch wackelndem Puppenkopf oder auch ein mechanischer Metallfrosch mit Kreissägen an den Extremitäten. In solch hektischen Momenten ging mir manchmal die etwas träge Laufsteuerung auf die Nerven, welche aber immerhin durch Spezialfähigkeiten wie Scarlets Turbo-Sprint oder die Zeitlupe des Roboters entschärft wird. In kleinen Glaskuppeln am Wegesrand wechselt der Spieler immer wieder frei zwischen den drei Protagonisten. Mehrspieler-Möglichkeiten oder Bestenlisten fehlen aber.

Vorsicht, scharf!
Trotz des angestaubten Themas lässt sich eine Reihe von Dingen aufmotzen. Erfülle ich z.B. Neben-Herausforderungen, kann ich meine Statuswerte verbessern. Deutlich unterhaltsamer ist das „Schmieden“ bzw. Verbessern der improvisierten Waffen mit Hilfe gefundener Zahnräder. Vom Elektrorasierer über die klassische Laserknarre (piu, piu!) bis hin zur Elektro-Peitsche oder einem intergalaktischen Langschwert lässt sich alles ein wenig tunen. Die Unterschiede sind nicht gewaltig, trotzdem kann es sehr nützlich sein, nervige Gegner mit fetten Tesla-Blitzen zu betäuben oder Geschütze mit nur zwei platzierten Treffern zu grillen. Die Kehrseite daran ist, dass manche Wummen wie der Tesla-Blitzer ein wenig überpowert wirken.

Wildes Design, gewöhnliche Action

Das Sammeln der zum Upgrade nötigen Zahnräder hat mich aber deutlich stärker motiviert hat als in anderen Spielen. Immer wieder sah ich beim Kraxeln irgendwo in der Tiefe ein Rädchen blitzen und landete mit Hilfe kleiner Sprungdüsen unbeschadet in versteckten Nischen. Nach einem Absturz befördert die praktische Beam-Funktion den Helden auf Knopfdruck zurück auf den Pfad. Mit Hilfe des Teleporters lassen sich außerdem alte Checkpoints noch einmal nach Sammelobjekten abgrasen. Die Kämpfe gegen das Fußvolk des bösen Herrschers schwanken in ihrem Unterhaltungswert. In der ersten Spielhälfte konnte ich mich oft ohne nennenswerte Gegenwehr durchprügeln. Natürlich empfiehlt es sich, ein wenig auf die Angriffsmuster zu achten, damit die Knochenkeule des sprungstarken weißen Affen nicht überraschend auf der eigenen Rübe landet. Besonders clever oder ausgefallen bewegt sich hier aber niemand über die Pfade. Später zieht der Schwierigkeitsgrad zum Glück ein wenig an, so dass auch das gewöhnliche Gemetzel unterhaltsamer wird.

Ein Highlight der Tricktechnik: Hundewelpen in Staubsaugerbeuteln!
Gezielt wird übrigens mit einem Mix aus Zweistick-Shooter- und Brawler-Steuerung. Manchmal muss ich mit dem rechten Stick zielen, bei anderen Waffen treffe ich auch von alleine. Beim Soundtrack haben die Entwickler das Flair der Vorbilder ebenfalls prima eingefangen: Immer wieder gibt es raue Uralt-Synthesizer oder das zittrige Piepsen eines Theremins zu hören. Im Hintergrund sorgen pompös polternde Bläser für angemessen übertriebene Dramatik. Die Technik der Kulisse kann nicht mit dem gelungenen Design mithalten: Hier und da gibt es eine hübsche Spiegelung zu entdecken, davon abgesehen bleibt die Kulisse auf durchschnittlichem Indie-Niveau. PS4-Nutzer müssen trotzdem mit 30 Bildern pro Sekunde und leichtem Ruckeln leben. Nach ein paar Minuten fällt es kaum noch auf, ärgerlich ist es natürich trotzdem. Auf dem PC mit einer GTX970 traten dagegen keinerlei Probleme auf.

Fazit

Das ACE Team befindet sich auf dem richtigen Weg: Bizarre Welten waren schon immer eine Stärke des chilenischen Entwicklers, doch diesmal fühlt sich auch der Spielablauf runder an. The Deadly Tower of Monsters ist zwar nur ein gewöhnliches Arcade-Gemetzel, wird aber so charmant präsentiert, dass ich trotzdem schnell in der bizarren Trashfilm-Welt versunken bin. Unmengen liebevoll designter Monster, Aliens und Maschinen machen das Erklimmen des Turms zu etwas Besonderem; garniert vom herrlich charmanten Audiokommentar des ebenso eitlen wie lockeren Regisseurs. Auch die Suche nach versteckten Upgrade-Teilen macht dank der verwinkelten Architektur mehr Spaß als anderswo – die oft zu leichten Kämpfe gegen kleineres Kroppzeug hätten aber ruhig anspruchsvoller ausfallen können.

Pro

liebevoll designter Turm voller mechanischer Überraschungen und Improvisationen
herrlich hahnebüchene Welt mit Ufos, Aliens, Sauriern und Riesenameisen
unheimlich charmante, trashige Filmmonster
coole Ideen wie ruckelige Stop-Motion-Animationen
lustiger ausführlicher Audiokommentar
pompöser Orchester-Soundtrack voller früher Elektronik-Sounds
geschickt verstecke Zahnräder zum Aufmotzen der Ausrüstung

Kontra

zu niedriger Schwierigkeitsgrad in der ersten Spielhälfte
Kampfsteuerung etwas zu träge
schlicht agierende Gegner benötigen kaum Taktik
leichtes Ruckeln und gelegentliches Bildstocken (PS4)
kein Multiplayer oder Bestenlisten
nur rund vier Stunden kurz

Wertung

PC

Sehr charmant präsentierte Hommage an alte Monsterfilme, welche spielerisch allerdings nur gewöhnliche Arcade-Action bietet.

PlayStation4

PS4-Spieler müssen mit 30 Bildern pro Sekunde und leichten Rucklern leben.

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