Hoppla, wo kommst du denn her?
Technisch hat Crysis den Sprung vom PC auf die Konsole größtenteils gut überstanden - allerdings gibt es auch einige fiese Grafikfehler.
Wer vergessen haben sollte, worum es in Crysis geht, der möge sich unseren Test der PC-Fassung zu Gemüte führen - inhaltlich ist die Konsolenversion identisch. Die Geschichte um Nordkoreaner, Frostaliens und Nanoanzugsupersoldaten ist nicht gerade nobelpreisverdächtig, aber solide inszeniert und zumindest gehaltvoller als im Shooter-Durchschnitt. Folgt ruhig dem Link, bringt euer Crysis-Wissen wieder auf den neuesten Stand. Wir warten hier. Wie wäre es bei dieser Gelegenheit mit dem Konsolen-Launch-Trailer?
Dr. Cryteks Horrorkabinett
Die Bedienung des Nanosuits wurde sinnvoll entschlackt: Jetzt müssen nur noch zwei Funktionen manuell aktiviert werden.
Der nächste Punkt ist die Grafik: Logischerweise mussten da Abstriche gemacht werden, denn eine fünf bis sechs Jahre alte Konsole kann einfach nicht mit einem hochgezüchteten Renn-PC mithalten. Nichtsdestotrotz hat das Spiel den Sprung auf die schwächere Hardware erstaunlich gut überstanden. Auf den ersten Blick vermisst man Anti-Aliasing, was für einen flimmernden Dschungel sorgt, außerdem wird in der Entfernung alles verwischt, aber sonst ist das Bild top: Dichte Vegetation, mächtig rummsende Effekte, zum Teil zerstörbare Umgebung, gute Animationen. Die Entwickler nutzten die neuste Version der CryEngine für den Port, wodurch es verbesserte Lichteffekte, frische Shader sowie einen 3D-Modus gibt.
Allerdings hat die tolle Präsentation auch einige erhebliche Mängel: Mit gelegentlichen Rucklern kann ich ebenso leben wie mit groben Flackerschatten, oder ruckhaften Reflexionen auf Wasseroberflächen. Die vielen Fehler in der Kollisionsabfrage (Radio schwebt mitten in der Luft, Auto parkt einen halben Meter über einem Stein, Soldaten schleichen im Gänsemarsch durch die Luft) und Clippingfehler (meist im Zusammenhang mit zerstörten Häusern) sind schon ärgerlicher. Was aber überhaupt nicht geht, ist der furchtbare Motion Blur, den man zu sehen bekommt, wenn man in der Cockpitperspektive am Steuer eines Vehikels sitzt. Ich kann nicht so richtig beschreiben, was da schief läuft, aber es sieht aus wie Tearing - nur vertikal! Der Effekt ist nicht nur störend, ich empfinde ihn als extrem unangenehm, was bei mir dafür sorgte, dass ich Vehikel nur noch aus der Außenperspektive oder gar nicht mehr fahre. Sehr hässlich sind auch massive Pop-Ups und Fade-Ins bei Buschwerk, außerdem gibt es im Zusammenhang mit dem Laden von Spielständen immer wieder Grafikbugs. Ein Mal stand ich direkt vor einem Baum, der sich beim erneuten Laden als gigantisch aufgeblähtes Baum-Sprite präsentierte - heiliges Wolfenstein, das war mal ein schockierender Anblick! Kurz gesagt: Auf den ersten Blick ist die Grafik immer noch ansehnlich. Auf den zweiten offenbart sie ihre hässlichen Seiten.
Bye-bye, Mr. Alien
Die KI leistet gute Arbeit - Crysis ist ein herausfordernders Spiel.
Allerdings ist nicht alles toll im KI-Land: Zum einen gibt es immer wieder Aussetzer, direkt vor einem stehende Gegner sehen einen nicht oder rennen blind an einem vorbei. Zum anderen wird die Herausforderung spürbar dumpfer, sobald Koreaner und Frostaliens den Platz tauschen - Letzere sind nämlich deutlich doofer.
Neben der Kampagne, die etwa sieben bis acht Stunden lang unterhält, gibt es... nichts. Der Mehrspielermodus der PC-Version wurde ersatzlos gestrichen. Die Spielzeit kann also nur durch die langen Ladezeiten sowie die gelegentlichen Komplettabstürze (zumindest bei mir meist in Kombination mit dem automatischen Laden eines Spielstandes) gestreckt werden.


