B.J., auf Wiedersehen!
Heute großes Spieleraten: Ego-Perspektive, ratterndes MG, dunkle Gänge, metallisch glänzende Röhren an den Wänden, wabernde Zeitlupe, »Verstecke dich kurz, dann geht es dir besser!«-Heilungssystem - welcher Shooter könnte das sein? Jeder, der ein wenig in dem Genre beheimatet und kein CSU-Wähler ist, dürfte aus dem Bauch heraus mit Sicherheit ein Dutzend einigermaßen aktueller Titel nennen, auf die alle genannten Punkte zutreffen. Und das ist das größte Problem des neuen Wolfenstein: Es sieht genau so aus und spielt sich im Großen und Ganzen genau so wie jede andere Durchschnittsballerei.
Vergesst Mecha-Hitler und Gretel Grosse - das neue Wolfenstein ist eine ernste Angelegenheit. Lediglich der Protagonist dürfte Kennern der Serie vertraut vorkommen; B.J. Blazkowicz kämpft einmal mehr gegen die okkulten Seiten von Nazi-Deutschland. Einen Teil davon findet er nach kurzer Spielzeit an seinem Handgelenk, nämlich das ominöse »Veil«: Dieses Medaillon verleiht ihm Superkräfte wie eine Art Röntgenblick, mit dem er Gegner durch massive Wände hindurch sehen oder versteckte Türen finden kann. Oder B.J. verlangsamt die Zeit, wodurch Feinde nicht nur kräftig grün leuchten und sich so doppelt besser ins Visier nehmen lassen; auch extra-fiese Widersacher, die nicht nur einen Ledermantel und ein Nachtsichtgerät, sondern auch einen Unsichtbarkeitsgenerator tragen, lassen sich damit kinderleicht aufspüren und wegrotzen. Nicht zu vergessen den »Veil-Schild«, der eine Blase um B.J. erzeugt, die in der ersten Stufe gegnerische Geschosse lediglich aufhält - ein paar Upgrades später werden derlei Geschenke wieder mit Schmackes an den Absender zurückgeschickt. Und als mobile Ramme lässt sich der Schild auch noch gebrauchen, wie praktisch. Bleibt noch der Kraftverstärker, mit dem man auch durch dickste Mauern hindurch feuern kann. Alle Veil-Kräfte lassen sich miteinander kombinieren, was den Feinden keine allzu hohe Lebenserwartung verspricht - und das Spiel wohl etwas zu leicht machen würde, weswegen die Anwendung auch zeitlich sehr begrenzt ist.
Nazibusters
Die Veil-Kräfte sind nicht nur nette Spielerei, sondern sollen laut Raven auch ein ganz neues Spielgefühl ermöglichen. Ja, diesen Spruch gibt's mittlerweile bei jedem Sudoku zu hören, aber zumindest klingt das Konzept der Entwickler dank des Upgrade-Systems interessant: Erledigte Gegner und zerstörte Einrichtungsgegenstände hinterlassen klimpernde Goldmünzen, mit denen man neue Waffen und eben Upgrades kaufen kann. Stellt sich natürlich die Frage: Hole ich mir extra-dicke Magazine, dickere Kaliber und mehr Rüstung, um wie Rambos Klon durch die Levels zu massakrieren? Gehe ich mit Schalldämpfer
und Fernwaffen eher auf Schleichtour? Jede Waffe bietet mehrere Aufmotz-Levels, die jedem Spielertyp entgegen kommen sollen, denn man wird in einem Durchspielen nicht genug Geld zusammen bekommen, um alle Wummen gleichwertig aufzurüsten - Selektion ist also angesagt. Neben dem üblich verdächtigen Angebot (Pistolen, MGs, Scharfschützengewehr) hat sich vor allem die Tesla-Kanone hervor getan: Die feuert einen Ghostbusters-kompatiblen Energiestrahl, der mehrere Gegner gleichzeitig erfasst. Ganz ohne wildes Feuer kommt man übrigens nicht durch Wolfenstein: Auch wenn man die Veil-Kräfte zu schätzen lernt, haben die Nazis immer wieder Veil-Stopper-Maschinen platziert. Gerät man in deren Wirkungsbereich, färbt sich das Bild Schwarz-Weiß, die Veil-Kräfte sind nicht nutzbar - bis man den Störgenerator zerstört, der meist inmitten einer schlecht gelaunten Gegnermasse steckt.![]()

Raven Software hat die betagte id Tech 4-Engine erheblich aufgebohrt - das Ergebnis tut sich trotzdem schwer damit, eigenständig auszusehen.
In Sachen Technik ist Wolfenstein einer der wenigen Raven-Titel, der nicht auf dem Unreal-System, sondern auf der vorletzten Generation der id Tech-Engine basiert, die auch schon in Doom 3
, Quake 4
oder Prey
zum Einsatz kam. Zwar hat Raven die doch schon verhältnismäßig alte Technologie wie üblich erheblich erweitert und auf Aktualität getrimmt, aber dennoch bleibt das Grundmuster aller genannten Spiele auch hier vorhanden: Wolfenstein ist dunkel, die teilweise sehr großen Zombie-Gegner wirken sehr fleischig, Metall glänzt an allen Ecken und Enden. Und natürlich kommt einem auch der Gewaltgrad bekannt vor: Es matscht ordentlich, wenn z.B. ein Kopfschuss bedeutet, dass der Kopf komplett weg ist, und zwar in kleinen Teilen in alle Richtungen.
Ausblick
Ersteindruck: befriedigend
Kommentare
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Es gibt deutsche Untertitel, aber wo es bei der Sprachausgabe um Nazis geht, sind es in den Untertiteln Wölfe. Achja und General XY heißt Alphawolf XY...
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Wenn man sich die US Version bestellt und die Konsole auf deutsch stehen hat, hat man dann trotzdem die deutsche Version? Auch wenn ich generell nichts gegen das Ersetzen von Hakenkreuzen und Hitlerbildern hab, der Clan der Wölfe aus RtCW war schon nen Athmosphärekiller :roll:
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Warnung! Grenade is aus! :D
