Vorschau: PES 2010

15.07.2009, Autor: Jörg Luibl

Fuball für PC, PlayStation 3, Xbox 360






Video: Pro Evolution Soccer 2010, Video-Fazit



Realistischer, schöner, besser?

In den bisherigen Pressemitteilungen sowie dem Video hat Konami viel versprochen: Obwohl man erneut keinen konsequenten Neuanfang inklusive neuer Grafik-Engine wagt, soll alles hübscher, detaillierter und natürlicher wirken. Man wolle zudem neue Maßstäbe in Sachen Realismus setzen, wobei vor allem das Verteidigen intuitiver ablaufen soll; hinzu kommen manuell regulierbare Strategie-Regler für Pressing, Raumaufteilung & Co. Stürmer sollen früh unter Druck gesetzt und schon das Mittelfeld zu strategischem Denken gezwungen werden - der Weg zum Tor soll kreativer erarbeitet werden. Allerdings hat Konami auch eine neue Geschwindigkeit angekündigt, die dem modernen One-Touch-Fußball entsprechen soll. Und wenn man sich die Kritik am Vorgänger in Erinnerung ruft, gehörte auch die Pomadigkeit im Mittelfeld mit der statischen Ballabschirmung zu den kleinen Motivationsbremsen.

Viel Ehrgeiz und Konjunktive in der Theorie? Richtig. Wie präsentiert sich der Kick in der Praxis? Ganz wichtig: Die installierte Version war erst bis zu 60% fertig; es fehlten noch einige Animationen, das Stadion-Drumherum bestand noch aus Platzhaltern und wir konnten weder die neue Meisterliga noch das Training oder Online-Matches ausprobieren; auch das neue Kartensystem war noch nicht aktiv. Spielbar waren nur Einzelmatches zwischen dem FC Liverpool und dem FC Barcelona; in denen konnte man allerdings schon die Strategie-Regler anpassen. Das heißt, dass wir wahrscheinlich noch vor der
ArrayArray

gamescom

eine zweite Vorschau anbieten werden, in der man einen wesentlich ausführlicheren Einblick gewinnen kann. Trotzdem lassen sich auch nach dem ersten Anspielen schon einige Schlüsse ziehen.

Handanimierte Fußballpracht

Erstmal das Offensichtliche, allerdings auch fast schon Selbstverständliche:

Pro Evolution Soccer 2010

sieht deutlich besser aus als der Vorgänger. Angesichts dieser Bilder bekommt man sofort Lust zu kicken:



Die Anfield Road lädt mit ihrem Grün zum Fuballfest. Auch diesmal bleiben die Japaner bekanntlich den handgezeichneten Fußballern treu und setzen nicht auf das Motion-Capturing wie die Konkurrenz von EA. Nach unseren bisherigen Eindrücken muss man allerdings festhalten, dass

FIFA 10

damit wahrscheinlich die grafische Nase vorn haben wird. Die Spielermodelle sehen aber auch ohne die fortschrittliche Aufnahmetechnik richtig gut aus: Die zusätzlichen Schatten sowie die Ergänzungen hinsichtlich der Mimik wirken sich positiv aus. Allerdings sorgen die zusätzlichen Falten und dunklen Stellen auch dafür, dass so mancher Profi in der Nahaufnahme nicht nur detaillierter, sondern auch um Jahre gealtert aussieht - schaut euch mal die Vergleichsbilder an.

Leider lässt sich noch nicht abschätzen, inwiefern Konami das Stadion-Drumherum endlich ansehnlicher gestaltet. Zwar sprechen die ersten Bilder für einen klaren Fortschritt, aber live wirkte alles um den Platz herum noch so wie früher. Dafür hinterließ der Rasen bereits einen herrlichen Eindruck: Sobald die Kamera auf das Grün schwenkt, will man einfach spielen. Er ist eher filzig als platt, wirkt wie ein grüner Teppich mit Struktur. Und sobald der Ball rollt, verliebt sich in die handanimierten Bewegungen der Kicker, die sich angenehm natürlich bei der Annahme, dem Passen und Dribbeln verhalten. Allerdings kann diese Eleganz einige Unstimmigkeiten nicht kaschieren: Warum sehen Messis Beine beim Sprint immer noch aus, als hätte man ein Meerschweinchen bei dreifacher Geschwindigkeit durch einen Kreisel gejagt? Vielleicht kann man da noch mal Hand anlegen.

Wichtig ist auf'm Platz

Wie spielt sich das Ganze mit Liverpool und Barcelona? Wie schon seit eh und je wirkte sich das Mannschaftsgefüge sowie die bevorzugte Teamtaktik sofort aus: Während die Reds am liebsten über außen agieren, mit Kuiyt und Torres dann Druck machen sowie im Mittelfeld eher arbeiten als zaubern, lassen die Katalanen den Ball elegant durch die Mitte laufen, bevor sie mit den schnellen und dribbelstarken Flügelflitzern auch mal in den Strafraum ziehen, ohne zu flanken. Die Unterschiede in der Spielmentalität werden jedenfalls sehr schnell deutlich. Aber war das nicht immer so? Ja. Welche sofort spürbaren Fortschritte gibt es dann? Wenige. Vor allem hinsichtlich der Steuerung scheint wieder alles beim Alten zu bleiben, so dass man die identischen Pässe in die Tiefe, Ballannahmen, Doppelpässe und Dribblings einleitet.

Was man positiv festhalten kann: Das Spiel lässt sich etwas einfacher auflösen, öffnen und strecken. Das heißt, dass man aus dem verzwickten Mittelfeld über weite Pässe oder schnelle Seitenwechsel erfolgreicher herausfindet, um dann in die Spitze zu spielen. Besonders lobenswert ist das Laufverhalten der Spieler, das sich tatsächlich daran orientiert, wer gerade den Ball führt. Sprich: Wenn Iniesta das Leder Richtung gegnerische Hälfte treibt, dann bieten sich die Außen aktiver an als wenn sich z.B. Puyol nach vorne kämpft - manche Spieler stoßen bei Iniestas ANkunft dann auch plötzlich mit einem Sprint in Lücken, um von ihm angespielt zu werden - und das sorgt natürlich umgehend für angenehme Dynamik.

Vier neue Strategie-Regler

Aber daraus kann bei einem Fehlschlag auch eine unangenehme Eigendynamik werden, wenn nämlich auch defensive Mittelfeldspieler zu forsch nach vorne stürmen und dann beim Konter hinten fehlen. Hier muss sich noch zeigen, ob sich das neue System der vier taktischen Regler direkt darauf auswirkt. Denn das wäre wichtig, um wirklich gezielt neue Strategien vorzubereiten. Man kann in den Einstellungen z.B. die Spieler-Unterstützung von null bis hundert einstellen - so kann man beobachten, dass sich die Mannschaft bei 0 komplett auf die Defensive beschränkt und hinter dem Ballführenden bleibt; bei 100 hingegen stürmen sie mit nach vorne und bieten sich an.

Genau so kann man den Bereich "Pass-Weite" auf 100 setzen, so dass die Spieler eher auf kurze Bälle warten und damit enger am Ballführenden laufen. Außerdem kann man den "Positionswechsel" eher konservativ oder offen einstellen. Und schließlich lässt sich der "Angriffsstil" über einen Regler variieren: Auf 0 geht die Mannschaft weit über außen, auf 100 geht sie durch die Mitte. Dieses manuelle "Slider"-System hinterließ in den Probespielen zwar schon einen spürbaren Eindruck, aber es muss sich natürlich langfristig beweisen. Es könnte sich unheimlich positiv auswirken, wenn man die einzelnen Taktiken effizient kombinieren und gezielt gegen die des Gegners einsetzen kann.


  Zum Fazit Seite 2