Der Fall John Yesterday - Vorschau, Adventure, PC - 4Players.de

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Der Fall John Yesterday  (Adventure) von Crimson Cow
Der Fall John Yesterday

Runaway-Schöpfer Pendulo setzt weiter auf die Ausdruckskraft von Comicbildern. Im Adventure-Thriller „Der Fall John Yesterday“ wird die Gedankenwelt der Akteure in kleinen Panels lebendig: Lachende Schaufensterpuppen, traumatische Jugenderlebnisse und Déjà-vus schieben sich auf der Jagd nach einer mordenden Sekte immer wieder in den Vordergrund.



Wer braucht schon Lauf-Animationen?

Am Ort seines angeblichen Selbstmordversuchs  versucht John dem Geheimnis seiner Amnesie auf die Sprünge zu kommen.
Am Ort seines angeblichen Selbstmordversuchs versucht John das Geheimnis seiner Amnesie zu enträtseln.

Der Fokus auf die visuelle Erzählweise geht so weit, dass die spanischen Entwickler sich unwichtige Details schenken. Statt die Hauptfigur John von A nach B tapsen zu lassen, wird er einfach hinüber gebeamt – so ähnlich wie beim Doppelklick in anderen Adventures. Bereits in Runaway: A Twist of Fate gab es viele Nahaufnahmen und Schuss-Gegenschuss-Einstellungen; der neue Krimi schlägt allerdings deutlich düstere Töne an. Protagonist John Yesterday hat in Paris sein Gedächtnis verloren und macht sich auf die Suche nach einer Geheimgesellschaft, welche für eine mysteriöse Mordserie verantwortlich sein soll. Eine Reihe Obdachloser wurde bei lebendigem Leib verbrannt. Gleichzeitig erscheint eine mysteriöse Narbe in Form eines Ypsilons in den Handflächen einiger Menschen, die auf den ersten Blick in keinem Zusammenhang zueinander stehen.

Angeblich wollte John sich in dem Pariser Hotelzimmer das Leben nehmen, doch er glaubt nicht an die Version. Dagegen sprechen z.B. die Hinweise, die er sich vor seinem Gedächtnisverlust selbst an der Rezeption hinterlegt hat – und dass seine angebliche Mutter ihm wie eine Fremde erscheint. John verlässt sich auf seine Intuition und geht der Sache auf den Grund. Die unbekannte Schönheit, welche er in einer Bar trifft, kommt ihm schon ein wenig vertrauter vor –
Das Adventure versetzt den Spieler in unterschiedliche Rollen: Im ersten Kapitel steuert man den Konzernerben Henry White.
Das Adventure versetzt den Spieler in unterschiedliche Rollen: Im ersten Kapitel steuert man den Konzern-Erben Henry White.
immerhin spukt sie in seinen Erinnerungsfetzen an eine Liebesnacht herum.

Satanische Sektenjagd


Die Hintergrundgeschichte um Amnesie und Killer-Sekte klingt zunächst ausgelutscht, wird aber auf interessante Weise erzählt. Das in kleine Episoden-Kapitel unterteilte Abenteuer startet nicht mit der Namen gebenden Hauptperson, sondern mit der Vorgeschichte. Ein paar Jahre in der Vergangenheit schlüpfe ich zuerst in die Rolle von Johns späterem Auftraggeber Henry White. Obwohl der reiche Konzernerbe nicht gerade einen sympathischen Eindruck erweckt, scheint er eine soziale Ader zu besitzen. Für die Wohltätigkeitsorganisation Don Quixote hilft er auf der Straße lebenden Menschen. Nach einem Hilferuf begibt er sich in die Ruinen einer stillgelegten U-Bahnstation. Deren verklemmte Türen und verschüttete Durchgänge lassen sich natürlich erst nach ein paar Rätseln öffnen.

Die ersten Puzzles sind bereits glaubwürdig in die Umgebung eingebunden: Vor allem die Kommentare des geheimnisvollen Sprechers erweisen sich als hilfreich.
Zur Not helfen dezente Hinweise auf die Sprünge. Die Experimente mit Inventar-Gegenständen erweisen sich aber als etwas fummelig.
Zur Not helfen dezente Hinweise auf die Sprünge. Experimente mit Inventar-Gegenständen erweisen sich aber als etwas fummelig.
Ich weiß nicht genau, wer der Mann mit der markanten Stimme ist, er scheint aber über die Rätsel, die Hintergründe Geschichte und die Motive der Figuren bestens Bescheid zu wissen. Vertont wird er von Konstantin Graudus (leiht z.B. Woody Harrelson seine deutsche Stimme). Wenn sich eine Münze nicht mit dem Schaubenzieher aus dem alten Automaten popeln lässt, erklärt er mir während der Detailansicht genau, warum es nicht geklappt hat. Oder er erläutert, wofür der Gegenstand sich besser eignen könnte. Manchmal erzählt er auch beiläufig, warum das dicke Kabel Henry an seinen erhängt aufgefundenen Kommilitonen erinnert.

Eigenwillige Steuerung


Weniger gut gefällt mir bisher die eigenwillige Bedienung. Will ich Inventargegenstände bewegen, muss ich z.B. die linke Maustaste geklickt halten und den Gegenstand erst einmal gerade nach oben aus der Leiste ziehen. Ab und zu rolle ich stattdessen nur das Menü weiter oder untersuche das Objekt, statt es zu benutzen. Sinnvoll sind dagegen die dezenten Hinweise, welche sich nur alle paar Minuten nutzen lassen.
Der Selbsternannte Obdachlosen-König Choke hält theatralische Reden vor seiner Armee der Schaufensterpuppen.
Der Selbsternannte Obdachlosen-König Choke hält theatralische Reden vor seiner Armee der Schaufensterpuppen.

Im Laufe des Abenteuers wechselt die spielbare Figur ab und zu. Im ersten Kapitel z.B. steuere ich nach einiger Zeit Henrys Verbindungsbruder Cooper, welcher dank bulliger Statur schwere Hindernisse aus dem Weg wuchten kann. Der clevere Henry macht dagegen von seinen Hirnzellen Gebrauch. Zum ersten Mal darf er seine Intelligenz beweisen, als ihn ein selbsternannter Guru bedroht, dessen Sekte allerdings nur aus Schaufensterpuppen besteht. Während sein Handlanger eine Pistole an Henrys Schläfe presst, muss ich ein paar Schachfiguren umsetzen oder mich für einige Multiple-Choice-Antworten entscheiden. Fatale Konsequenzen hatte meine Auswahl bislang nicht: Lag ich falsch, wurde einfach der Rest abgearbeitet. Die Geschichte scheint also doch recht linear abzulaufen. Laut Pressemitteilung gibt es allerdings auch ein paar Entscheidungen mit Konsequenzen für die weitere Handlung. Richtig gut zum finsteren Flair passt der Soundtrack: Mal klimperte eine unheilvolle Piano-Melodie mit starkem Echo, später umkreiste ein räumlich abgemischter Synthesizer wie eine lästige Fliege meine Ohren.

 

 

AUSBLICK



Pendulos Neuausrichtung gefällt mir gut: An den überwiegend platten Gags von The Next Big Thing merkte man förmlich, dass die Spanier keine Lust mehr auf das seit zehn Jahren durchgezogene Runaway-Thema hatten. Die deutlich düsterere Aufmachung von John Yesterday scheint aber kreative Impulse freizusetzen. Der Einstieg, die häufigen Szenenwechsel und vor allem die teils geheimnisvollen, teils unsympathischen Charaktere haben mich neugierig auf die Jagd nach dem mordenden Geheimbund gemacht. Gut gefällt mir auch die Konzentration auf eine visuelle Erzählweise: Mit feinsinnigen Dialogen wie denen von Daedalic können die Pendulo-Autoren nicht konkurrieren, die elegante Einbindung von Comic-Panels beherrschen sie aber. Auch Rätsel und Hinweise hinterlassen bereits einen logischen Eindruck - Profis dürften sich aber vermutlich wieder unterfordert fühlen. Die eigenwillige und etwas fummelige Handhabung sollten die Entwickler noch einmal überdenken, insgesamt freue ich mich aber auf den Adventure-Thriller.

Eindruck: gut


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