Her mit diesem Pad!
Es spricht für das Selbstvertrauen der Entwickler, wenn sie die Präsentation mit einem Blick auf eine gigantische Werbetafel beginnen lassen, auf der groß das Wort »Pißwasser« [sic!] prangt - offenbar ein in Liberty City sehr erfolgreiches Erfrischungsgetränk. Niko Bellic tummelt sich am Strand, auf dem Wasser schaukeln Blätter, eine Coladose sowie eine leere Zigarettenschachtel, ein paar Meter weiter macht ein forscher Zeitgenosse ein wenig
Tai-Chi. Ich bin allerdings nicht hier, um inneren Frieden zu finden, ganz im Gegenteil, meine Mission beinhaltet äußeren Krieg! Das 360-Pad wandert in meine Hände, ein frisch polierter Sportwagen steht am Straßenrand - also nix wie rein: Ich drücke den rechten Trigger voll durch, einen Donut später wird mir nicht nur klar, dass die Karre Heckantrieb hat, sondern auch, dass das Fahrmodell gründlich überarbeitet wurde. Klar, aus GTA wird nicht mal eben GTR Ein romantischer Sonnenuntergang, die »Statue of Happiness« im Hintergrund - einer der wenigen friedlichen Momente im Leben des Niko Bellic.
, aber die Vehikel steuern sich nicht mehr ganz so arcadig wie bisher: Wagen mit dicken Stoßdämpfern schaukeln wie ein Gummiboot inmitten eines Hurricanes, Motorräder haben einen verdammt langen Bremsweg, und mal eben mit Vollgas durch die individuell benannten Straßen Liberty Citys zu düsen, ist jetzt nicht ohne Weiteres möglich.
Das ist mir zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht völlig bewusst, weswegen ich gut 300 Meter weiter eine wichtige Lektion lerne: Eine stabile Wand ist eine stabile Wand ist eine stabile Wand. Wer FlatOut
kennt, der weiß, was mit dem Insassen eines Autos passiert, das mal eben gegen ein solides Hindernis rast - er fliegt in hohem Bogen durch die Windschutzscheibe. So auch Niko Bellic, der, Euphoria-Physikengine sei Dank, nach einer interessanten Flugbahn zappelnd, rotierend und ausgesprochen schmerzhaft wieder auf dem asphaltierten Boden der Tatsachen ankommt. Autsch! Dieser Ausdruck wird vom erheblich gesunkenen Lebensenergiebalken verstärkt, der gleich noch weiter schrumpft, als ich mir ein wenig zu lange die Wunden lecke: In früheren GTAs war es die Ausnahme, dass man mal von einem vorbeirauschenden Wagen erfasst wurde - in GTA 4 ist das die Regel: Wer sich »Jahaaaa, kommt ihr nur!«-pranzend auf die Straße stellt, ist schneller platt als ein Faultier auf der Autobahn. Die »zivilen« Fahrer nehmen nur gelegentlich Rücksicht auf Niko; zack, schon wieder kann das Physiksystem seine Muskeln spielen lassen, indem es mein polygonales Ich nach forschem Blechkontakt ein paar Meter durch die Luft schleudert - die Straßen hier sind wahrhaftig gefährliche Pflaster!
Die glücklichste Statue der Welt
Dass das neue Liberty City nicht viel mit dem alten Liberty City zu tun hat, sondern vielmehr im Großen und Ganzen eine vereinfachte Variante von New York darstellt, ist kein großes Geheimnis. Wer das Ganze visualisiert haben möchte, lege einfach eine Karte von NY über die von LC und freue sich: Die Ähnlichkeiten sind frappierend. Aber natürlich bleibt Liberty City Liberty City, daher tragen alle Straßen, Plätze und Sehenswürdigkeiten eigene Namen: Aus dem Times Square wird »Star Junction«, statt im Central Park trifft man sich im »Middle Park« - und selbst die Freiheitsstatue tummelt sich als »Statue of Happiness« im Spielgebiet, allerdings nicht auf Liberty Island, sondern auf »Happiness Island«. Und wie es sich für NY/LC gehört, sind die Straßen voll: Massig Autos, LKWs, Busse und Motorräder sorgen für knifflige Verfolgungsjagden, hin und wieder müsst ihr sogar damit leben, in einem Stau zu stehen. Dann könnt ihr natürlich immer noch aussteigen und ein Stück des Weges zu Fuß gehen. Oder einfach auf Teufel komm raus das Gaspedal mit dem Bodenblech bekannt machen und euren Weg gewaltsam durchdrücken. Das sorgt zum einen für die interessante Erkenntnis, dass die Entwickler das Schadensmodell erheblich verfeinert haben: Nicht nur fast schon Burnout
'sche Crashes, sondern auch »normale« Stupser verbeulen das teilweise schön metallisch glänzende Blech realistisch, die obligatorisch wegflatternde Motorhaube offenbart den detailliert modellierten Motorraum.








