Ruhe statt Gas
Der 9mm breite Lauf meiner Pistole zeigt auf ein rundes, vielleicht 300 Meter breites Tal. Ein samtiges Meer hoher Gräser wiegt gelassen um die Füße tropischer Büsche. Dazwischen passen sich zwei parallel gebaute Gewächshäuser erstaunlich mühelos in die Idylle ein. Schroffe, unüberwindbare Felsen umklammern die zirpende Oase. Durchs Fernglas erkenne ich Wachposten an den einzigen befahrbaren Zugängen im Westen und im Osten - ein Klick und die Positionen werden automatisch auf meiner Karte vermerkt. Ich blicke mich weiter um und mache Scharfschützen am Südende - klick - sowie eine Hand voll weiterer Patrouillen aus - klick. Jetzt fühle ich mich gewappnet, dem Lager einen heimlichen Besuch abzustatten.
Wieso eigentlich heimlich? Ich könnte schließlich Feuer speiend (buchstäblich, mit dem Flammenwerfer, was für ein Spaß!) in die Basis stürmen oder meine Gegner laut ballernd und noch lauter lachend ins Jenseits schicken. Ich könnte auch eine Munitionskiste anzünden und die explosive Ablenkung nutzen, um mich anderswo ungesehen vorzutasten. Aber nach Action steht mir nicht der Sinn, nach Taktik kaum mehr; ich brenne ohnehin darauf, dem lautlosen Vorgehen auf den Zahn zu fühlen. Denn das war in der ersten spielbaren Demo wegen technischer Schwierigkeiten noch nicht möglich. Außerdem: Wozu bin ich sonst auf einem abgelegenen Schleichweg in das Tal eingedrungen, anstatt im Geländewagen an den Wachposten vorbeizubrettern.
Stimmungswechsel
Ich tauche also in dem hohen Gras unter, während ich mich langsam in Richtung Norden taste und ständig ein Auge auf meine Karte mit den zuvor markierten Stellungen habe. Dann wird´ s auf einmal knifflig, denn im Zentrum des kleinen Stützpunktes lichtet sich das Gras: Hier bauen die Rebellen selbst an, anstatt die Natur wuchern zu lassen. Ich muss deshalb um eine der Patrouillen herum schleichen - was mir denkbar schlecht gelingt, denn der Knabe entdeckt mich schon nach wenigen Schritten und fängt sofort an zu schießen. Nach ein, zwei Schüssen meinerseits ist das Problem zum Glück gelöst - seine Kollegschaft aber freilich alarmiert.
Ein hurtiger Sprint ins Wiesenmeer und sie können mich theoretisch nicht entdecken. Zur Sicherheit werfe ich trotzdem den Flammenwerfer an, um einen feurigen Schutzwall zwischen mich und meine Verfolger zu bringen.![]()

Beeindruckend: Feuer breitet sich entsprechend der Windrichtung aus.
Ich verändere noch einmal meine Position, um eine Minute lang still zu beobachten, wie sich das Feuer zunächst in Windrichtung ausbreitet, dann aber erlöscht und die Wachen Schulter zuckend zurück auf ihre Posten gehen. Jetzt ist der Weg frei, doch zuerst muss ich meine Wunden versorgen. Sinkt die Gesundheitsleiste unter einen bestimmten Wert, helfen nicht einmal Erste-Hilfe-Kisten; dann muss ich selbst Hand anlegen. In Far Cry 2 heißt das, dass ich mit ansehe, wie sich mein Alter Ego z.B. einen Splitter aus dem Fleisch zerrt oder sich mit einem geübten Messergriff eine Kugel aus dem Bein drückt. Der GC-Trailer zeigt, was das selbstständige Verarzten aussieht. Erst danach komme ich wieder zu Kräften, dringe endlich in eins der Gewächshaus ein, klaue zwei Diamanten, schnappe mir einen neuen Erste-Hilfe-Kasten sowie etwas Munition, schwinge mich anschließend hinters Lenkrad eines geparkten Jeeps und schon bin ich wieder in der freien Wildbahn Afrikas unterwegs. Was nun?



