Virtuelle Realität
Immer wieder sind da Sekundenbruchteile, in denen mein Gehirn zuerst den echten Schauspieler erkennt und dann erst sein digitales Alter Ego ableitet. Es ist geradezu umwerfend, was man hier an leicht verdrehten Augen, an einem kurzen Stirnrunzeln oder einem fast unmerklichen Augenaufschlag ablesen kann - das ist großes Spielekino! Doch wozu die Detailversessenheit? Für einen harten Thriller, der sich durch sein gemächliches Tempo vom Dauerfeuer-Einerlei in den GTA-Großstädten abheben will. Denn Aaron Staton spielt Kriegsheimkehrer Cole Phelps, der vom Streifenpolizist zum Ermittler für die ganz schweren Fälle aufsteigt. Mit jeder Beförderung erhält er ein neues Büro, einen neuen Partner, einen neuen Fall. Sein Revier ist das Los Angeles der späten vierziger Jahre. Schwarze Oldtimer rattern an Backsteinfassaden vorbei. Hüte und lange Mäntel flanieren im orangefarbenen Sonnenlicht. Vor den Kulissen des frühen Hollywoods gerät Phelps immer tiefer in ein Komplott aus brutalen Verbrechen. Der Ermittler erledigt Polizeiarbeit wie sie das Kino zeigt: An Tatorten untersucht er Indizien, die man in aller Ruhe in seinen Händen halten, drehen und wenden kann. Verbirgt sich auf der Rückseite eines Fotos vielleicht ein wichtiger Hinweis?
Wahrheit oder nicht?
Leise Klaviermusik spielt so lange wie sich Indizien am Tatort befinden. Auf Nachfrage gibt ihm sein Partner einen Hinweis. Eventuell kann auch der obduzierende Arzt eine Lücke in der Beweiskette schließen - um Sackgassen zu verhindern, sollen mehrere Ermittlungswege zu den Tätern führen. Bei der Befragung von Zeugen oder Verdächtigen spielt die herausragende Mimik die entscheidende Rolle, denn Phelps muss erkennen, ob ein Befragter die Wahrheit sagt. In jedem Fall hat er drei Antwortmöglichkeiten: Glaubt er einer Aussage, zweifelt er sie an oder bezeichnet er sie als glatte Lüge? Liegt er richtig, erhält er einen Hinweis. Wir sahen auch, wie Phelps einer verdächtigen Person in ein Café folgte, sich unbemerkt an einen Tisch setzte, sein Gesicht verbarg und sie bei einem Gespräch an einem öffentlichen Telefon belauschte. Und natürlich gehören auch Verfolgungsjagden zu Fuß oder mit quietschenden Reifen zum Repertoire des Krimis; Feuergefechte und Handgemenge fehlen ebenso wenig. Ungemein sympathisch: Phelps setzt sogar seinen verlorenen Hut wieder auf, falls man ihn nach dem Bleiwechsel oder einer Schlägerei wiederfindet.
Ausblick
Schade: Rockstar zeigte bisher nur einen winzigen Ausschnitt seines Oldtimer-Los Angeles'. Noch wissen wir nicht, welche und wie viele Nebenmissionen es geben wird. Noch ist unklar, ob Cole Phelps auch seine Freizeit spielerisch gestalten darf oder ob allein seine Arbeit im Mittelpunkt steht. Selbst der genaue Ablauf einer Ermittlung bleibt noch ein Geheimnis: Der Detektiv gelangt zwar auf verschiedenen Wegen an wichtige Hinweise, aber legt er die Indizien in vorgegebener Reihenfolge aneinander oder setzt jeder Spieler das Puzzle anders zusammen? Immerhin darf man sich in der Stadt der Engel frei bewegen... Wir wissen bislang nur, dass mit L.A. Noire ein düsterer Krimi entsteht wie ihn die Lehrbücher Hollywoods beschreiben könnten. Mit Ruhe sucht man in diesem Film Noir nach Spuren, die Detektivarbeit steht immer im Vordergrund. Verfolgungsjagden und Schusswechsel dienen nur als Adrenalinspritzen. Das Glanzstück werden aber virtuelle Schauspieler sein, deren Mimik von denen echter Schauspieler kaum zu unterscheiden ist. Es könnte das erste Spiel sein, in dem man Gesichtsaudrücke stets eindeutig lesen kann - und muss. Tatsächlich werden die bisher gezeigten Videos dem realen Eindruck kaum gerecht. Auch wenn die stimmungsvollen Kulissen im Vergleich ein wenig altmodisch wirken: Technisch dürfte L.A. Noire ein wichtiger Meilenstein für Geschichtenerzähler werden!Besonderheiten
- entsteht bei Team Bondi (The Getaway
- laut Rockstar ein »brutaler, erbarmungsloser« Thriller
- herausragende Mimik
- ruhiger Krimi mit gelegentlicher Action
- Gesichtsausdruck verrät Wahrheit oder Lüge
- Tatorte müssen genau untersucht werden
- Gegenstände in Ruhe anschauen, drehen und wenden
- verschiedene Wege beim Aufspüren von Beweisen
- Notizbuch hält sämtliche Fakten fest
- Fälle basieren auf realen Ereignissen
- frei begehbares Los Angeles
- Geschichte umspannt mehrere Jahre
- Nebenmissionen über Funkmeldungen
- Musik als Hinweis bei Spurensuche
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| Als Schauplatz dient das Los Angeles der Nachkriegszeit. |






