Yakuza 3
USK: 18

Test: Yakuza 3

So testet 4Players
Seite:  1  |  2  |  3  |  4  |  Fazit 

Autor:
Benjamin Schmädig

Die wertvolle Blaupause

Auch ballistische Waffen darf  ich nach wie vor einsetzen; das Abfeuern der Pistolen oder Schrotflinten ist allerdings dermaßen unspektakulär - der Kampf Mann gegen Mann steht in Yakuza nun mal im Vordergrund. In seinem spielerischen Herzen ist das Spiel ein Prügler, der sich beim Sprung auf die neue Plattform kaum geändert hat. Und das ist es auch, was man Sega vorwerfen muss: So zufriedenstellend wie die Mechanik immer noch funktioniert, so sehr hätten sich die Entwickler um neue Bewegungsabläufe oder eine automatische Kameraarbeit bemühen können, die den aktuellen Gegner im Fokus behält. Kazuma lernt zwar einige neue Angriffe, alles andere hat er aber direkt von der PS2 mitgenommen.

Die neuen Möglichkeiten mit den zahlreichen Hieb- und Stichwaffen gefallen mir aber. Die in den entsprechenden Slots "verbauten" Waffen verschwinden nämlich nicht mehr, wenn sie zerbrechen - gegen eine geringe Gebühr kann ich sie später reparieren. Oder sollte ich einfach eine neue Waffe aufnehmen, um mein aktives Arsenal wieder zu vervollständigen? Lieber nicht! Denn mit den entsprechenden Werkstoffen, Blaupausen und etwas Zaster verbessert ein Waffenkenner meine Knochenbrecher. Mit diesen einfachen Kniffen geht die Wahl der Waffe endlich über den flüchtigen taktischen Vorteil hinaus. Abgesehen davon lockern viele geskriptete Ereignisse, in denen ich rechtzeitig auf die angezeigten Knöpfe hämmern muss, das Geschehen auf und sorgen in vielen Situationen für brachiale Höhepunkte.

Madam Tussaud in Tokio

Apropos Höhepunkte: Wie zuvor tut Kazuma seinen Gegner nach wie vor besonders weh, wenn er blau oder diesmal gar rot leuchtet. Genauer gesagt richtet er dann nicht nur mehr Schaden an, er setzt einem Banditen nach einem situationsabhängigen Knopfdruck auch besonders schwer zu. So knüppelt er einen Feind z.B. in die Knie,
Die Figuren sehen zwar wie animierte Wachsfiguren aus - die vielen Filmszenen haben allerdings echte cineastische Qualitäten.
um anschließend zu einem wirklich bösen Kopf-Baseball auszuholen - f...autsch! Wobei das Spiel diesmal ein Stück weit am Ziel vorbei rauscht. Die einst ähnlich überzogene Darstellung der Gewalt wird im dritten Kapitel nämlich durch comicartige visuelle Effekte verstärkt und von Geräuschen untermalt, denen der dumpfe Wumms der Bodenständigkeit fehlt. So wirkt die Action leider weniger brachial als auf PS2.

Überhaupt büßt Yakuza in seiner aktuellen Form etwas von dem dreckigen Charme seiner Vorgänger ein, da sämtliche Figuren und Kulissen übermäßig farbenfroh gezeichnet wurden. Beeindruckende Leuchtreklame ist die eine Sache - unnatürlich bunte Charaktere kommen leider der Glaubwürdigkeit in den Weg. Es sind ja nicht nur die Farben; es sind vor allem die wie animierte Wachsfiguren zum Leben erweckten Menschen, die sinnbildlich für Kojimas Warnung vor dem technischen Rückstand japanischer Spiele-Entwicklungen stehen könnten. Man darf Sega zugute halten, dass sie Gesten, Mimiken, Kameraarbeit und Schnitt eigentlich ähnlich gut beherrschen wie Heavy Rain oder Uncharted 2 und auch die Klaviatur der leisen Töne zu spielen wissen. Technisch sprechen wir hier allerdings von einem ganz anderen Level.

Fang mich doch!

Und das gilt nicht nur für die audiovisuelle Seite. Auch die Steuerung lässt durchblicken, dass das Grundgerüst aus einer Zeit stammt, in der man sich noch Bildschirm für Bildschirm durch starre Umgebungen bewegte. Denn trotz Schulterblick und meist frei drehbarer Perspektive läuft Kazuma nach einem Kameraschwenk gelegentlich in jene Richtung weiter, in die er zuvor gegangen ist - eine typische Reliquie der Resident Evil-Antike. Nicht zuletzt könnte man die detaillierten Kulissen auch besser genießen, wenn Kazuma nicht nur zwei Laufgeschwindigkeiten beherrschen, sondern dynamisch schneller oder langsamer werden würde. Spätestens in den neuen Verfolgungsjagden ächzt das Spiel unter der Last der rasanten Action. Es ist richtig klasse, wenn Kazuma einem Feind hinterher rennt oder selbst auf der Flucht ist - wieder ein Indiz für den detailverliebten Abenteuerspielplatz, der Yakuza 3 an allen Ecken und Ende ist! Doch selbst wenn ich ihn elegant über eine Motorhaube schlittern lasse: Kazuma lässt sich im Sprint nur schwer lenken, stolpert schon mal ungelenk in eine Menschentraube und bleibt etwas zu oft an kleinen Hindernissen hängen. Gerade beim Sprinten wird deshalb leider deutlich, dass Yakuza spielerisch nur behäbig vom Fleck kommt.    

Kommentare

Du musst eingeloggt sein, um einen eigenen Kommentar verfassen zu können. Bewertungen können ohne eingeloggt zu sein vergeben werden. Jetzt einloggen
  • Ich hab das spiel durch zufall günstig gesehen und gekauft. Und ich bin hin und hergerissen, aufjedenfall ist es eines der wenigen spiele, die ich durchgespielt hab. Trotzdem bleiben im nachhinein zweifel, ich frage mich zum einen wie man dieses spiel ernst nehmen kann, es geht für mich teilweise in  [...] Ich hab das spiel durch zufall günstig gesehen und gekauft. Und ich bin hin und hergerissen, aufjedenfall ist es eines der wenigen spiele, die ich durchgespielt hab. Trotzdem bleiben im nachhinein zweifel, ich frage mich zum einen wie man dieses spiel ernst nehmen kann, es geht für mich teilweise in satire-richtung und ist auch sonst der reinste trash (hab noch nie nen teil davor gespielt) - was nicht unbedingt negativ ist, ich fands lustig. Keine ahnung ob das so gewollt ist?! das gameplay jedoch ist absolut eintönig und bietet nicht wirklich viel, ausser (viele) minigames. der großteil des spiels ( so kam es mir jedenfalls vor) waren cutscenes und das lesen der textfenster. trotzdem ganz lustig!
  • Ich habe mir Yakuza 3 letzte Woche für 30 ? gekauft. Gereizt hat es mich schon lange, aber ich war mir nicht sicher, ob es mir gefällt, daher wollte ich nicht mehr als eben 30 ? ausgeben. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, ich bin total begeistert. Habe vorher noch keinen Teil der Serie  [...] Ich habe mir Yakuza 3 letzte Woche für 30 ? gekauft. Gereizt hat es mich schon lange, aber ich war mir nicht sicher, ob es mir gefällt, daher wollte ich nicht mehr als eben 30 ? ausgeben. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, ich bin total begeistert. Habe vorher noch keinen Teil der Serie gespielt, ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Das bereue ich nun allerdings. Nachdem ich mir erstmal die ausführlichen Videos mit den Storyhintergründen angesehen habe (was ich eine echt super Idee finde, auch wenn ich etwas Mühe hatte, alles nachzuvollziehen), war ich zunächst mal leicht ernüchtert. Irgendwie hatte ich etwas anderes erwartet, kann aber auch nicht ganz formulieren, was genau ich denn erwartet hatte (ich weiß, klingt komisch, ist aber so). Aber dann, so nach 4 oder 5 Stunden Spielzeit, bin ich so richtig in die Materie und das Spiel reingekommen. Die Story, die etlichen interessanten Charaktere, die vielen kleinen Geschichten, die Minigames, die Atmosphäre...all das begann mich vollkommen in den Bann zu ziehen. Es gibt so viel zu tun, so viel zu entdecken, die Story ist spannend, die Charaktere gut gezeichnet, und sie wecken Emotionien, positiv wie negativ. Ok, man muss natürlich mit der japanischen Art der Charkterzeichnung, den (für wahrscheinlich viele Europäer) schmalzigen Storyelementen etc. klarkommen, nur dann wird das Spiel seine volle Faszination entfalten, denke ich (so wie es das für mich tut). Aber selbst wenn man mit einigen Dingen nichts anfangen kann, dann bleibt doch eine riesige Spielwiese, auf der man sich austoben kann. Natürlich nicht so groß (rein flächenmäßig) wie bei GTA 4 z. B., aber dafür mit so viel mehr Leben und spannenden Sachen, die man entdecken kann (nur meine Meinung natürlich). Und der Umfang ist ja mal gigantisch, so wie es aussieht. Ich habe jetzt eine Spielzeit von ca. 20 Stunden (ich komme nur an Wochenenden zum zocken) und ich habe laut Statistik erst 12 % des Spiels abgeschlossen 8O . Da kommt wohl noch so einiges, kann's kaum erwarten weiterzuspielen. Ich kann dieses Spiel echt nur empfehlen, es hebt sich wunderbar vom momentan so häufig releasten Einheitsbrei ab, den ich nicht mehr sehen kann. Und ich hoffe sehr, dass weitere Teile hier in Europa erscheinen werden. Ach ja, eins noch: dass es nur auf japanisch mit englischen Untertiteln ist, stört mich persönlich überhaupt nicht, im Gegenteil, es fördert die Atmosphäre. Ich sehe mir allerdings auch japanische oder koreanische Filme wenn möglich immer im Original mit englischen oder deutschen Untertiteln an, das kommt irgendwie besser finde ich.
  • "- comichafte Figuren und Kämpfe statt realistische Darstellung" das gehört für mich klar zu Pro :)