I Am Alive

Vorschau: I Am Alive

So testet 4Players
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Autor:
Jörg Luibl

Authentizität kontra Arcade

Beim Klettern muss man seine Ausdauer gut einteilen.
Beim Klettern muss man seine Ausdauer gut einteilen.
Als Belohnung winken dann weder wertvolle Hinweise noch nützliche Gegenstände oder wenigstens gehaltvolle Gespräche, sondern …mehr Spielversuche. Bis zu zwanzig Opfern soll ich im weiteren Laufe des Abenteuers begegnen. Für jede Hilfeleistung bekomme ich zum einen mehr „Retrys“ und zum anderen steigt damit meine finale Punktzahl. Diese Arcade-Elemente rauben dem Spiel etwas von seiner dramaturgischen Authentizität. Schon bei der Wahl der Schwierigkeit beeinflusst man nicht etwa die Gefahr in der Spielwelt, sondern lediglich die Ausschüttung der Retrys.

Trotzdem fesselt das Abenteuer, denn es inszeniert die Begegnungen mit Fremden und potenziellen Feinden erfrischend offen: Wo gewöhnliche Spiele nur den Angriff kennen, gibt es hier mehrere Stufen der Interaktion. Man kann auf hysterische Eremiten oder kaltblütige Killer treffen, auf nervöse Einzelgänger oder organisierte Gruppen. Manchmal reicht es aus, langsam aus dem Blickfeld eines Aggressors zu verschwinden oder sein Gebiet nicht zu betreten, um ohne Blutvergießen weiter zu kommen. Allerdings gewöhnt man sich irgendwann an die scheinbar offenen Situationen, denn man muss lediglich klaren Handlungsmustern folgen, um sie zu lösen. Ob man sich später auch mal vertun kann? Ob es unberechenbarer wird?

Ein Hauch von Silent Hill

Wie reagiert man auf den bewaffneten Fremden: Wegrennen? Waffe ziehen? Abwarten und bluffen?
Wie reagiert man auf den bewaffneten Fremden: Wegrennen? Waffe ziehen? Abwarten und bluffen?
Auf dem Weg durch die Stadt kann ich mich an einer dynamisch aktualisierten Karte orientieren, die im Stile von Silent Hill kürzlich entdeckte Sackgassen markiert. Überhaupt erinnert das einsame Stromern durch eine lebensfeindliche Düsternis an den Horrorklassiker. In den ersten Stunden kann ich mich zwar relativ frei bewegen, aber das Abenteuer findet nicht in einer offenen Welt statt – recht früh werden mir Grenzen auf- und lineare Ziele angezeigt. Ob sich das Spiel später noch öffnet? Trotzdem macht vor allem die akrobatische Erkundung mehr Spaß als etwa in Assassin’s Creed, obwohl sie weniger elegant und ähnlich direkt inszeniert wird. Aber hier kann man öfter tödlich stürzen. Hier sinkt die Ausdauer, wenn man zu lange an Wänden entlang kraxelt. Und hier muss man sich die Kraft taktisch gut einteilen.

Das Klettern ist auch deshalb spannend, weil es manchmal über Leben und Tod entscheidet: Wenn die Luftverschmutzung am Erdboden zu stark ist, muss man schnell in die Höhe kommen – ansonsten stirbt man hustend. Man muss optimale, aber meist offensichtliche Routen finden, kann weite, aber Kraft kostende Klettersprünge oder auf langen Touren auch Haken einsetzen. Letztere sorgen für einen blinkenden Ruhepunkt, an dem die eigene Ausdauer komplett regeneriert; ohne sie wäre das nur über Getränke möglich. Ansonsten kann ich geduckt gehen, sprinten oder eine Seitwärtsrolle einleiten, wenn ich an schrägen Abgründen hinunter schliddere und dabei geschickt abbremse – nur so erreiche ich vielleicht den rettenden Sims vor dem klaffenden Abgrund.
 

Ausblick

Warum hat Ubisoft so eine Angst vor diesem Spiel? Warum trauen sich die Franzosen nicht, dieses Abenteuer mit voller Kraft zu unterstützen? Die Atmosphäre erinnert an „Die Straße“ von Cormac McCarthy, das Figurenverhalten ist so lebendig wie in keinem anderen Actionspiel, das Klettern ist anspruchsvoller als beim Assassinen, der Kampf ums Überleben wird stilsicher inszeniert und es riecht sogar nach Silent Hill. Aber ich vermute nach ein paar Stunden, dass sich das Potenzial dieser apokalyptischen Odyssee nicht voll entfalten wird: Vieles wirkt zu geradlinig, zu oberflächlich, zu künstlich. Anstatt das wichtige Thema der Menschlichkeit weiter zu vertiefen, wird das billige Prinzip der Retrys und Highscore hofiert - damit sägt man auch an der Glaubwürdigkeit der Spielwelt. Trotz dieser Kritik an den faulen Arcade-Kompromissen muss ich die situative Spannung ausdrücklich loben. Wer also befürchtete, dass es nach all den Verschiebungen und der digitalen Distribution „billig“ wird, darf aufatmen. Wer allerdings die Hoffnung hegte, dass dieses Abenteuer ein großartiges wird, sollte wieder ausatmen, denn dazu fehlte es scheinbar an Mut und Mitteln. Oder kommt da noch mehr? Ich lass mich von der finalen Version gerne überraschen.

Ersteindruck: gut

Kommentare

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  • oha...ich konnte es mir denken,das spiel ist nichts.hat leider nicht so gute wertungen bekommen,aber wenn man sich die reviews(videos) ansieht,versteht man auch warum.hammerschade.hätte so viel mehr draus werden können.naja..
  • Ich habe im Wertungstippspiel auf eine 76 getippt, weil ich es mir schon denken konnte, dass es auf Dauer zu eintönig wird. Mal abwarten, was am Ende dabei herauskommt, aber man kann jetzt definitiv schon sagen, dass mit mehr Geld viel mehr und Besseres dabei herauskommen würde.
  • Ich weiß noch ganz genau, wie es war, als ich das erste Mal von dem Titel was gehört hatte. Es hörte sich einfach genial an und war mal etwas ganz neues. Ja und dann verging Zeit, viel Zeit. Und in Laufe dieser Zeit, war das Interesse des Spiels immer geringer bei mir. Aber ich muss sagen, dass ich  [...] Ich weiß noch ganz genau, wie es war, als ich das erste Mal von dem Titel was gehört hatte. Es hörte sich einfach genial an und war mal etwas ganz neues. Ja und dann verging Zeit, viel Zeit. Und in Laufe dieser Zeit, war das Interesse des Spiels immer geringer bei mir. Aber ich muss sagen, dass ich jetzt so langsam wieder richtig Bock auf das ganze bekomme. Auch wenn man sagen muss, dass man jetzt schon weiß, dass da viel mehr Potential drin stecken würde, wenn man aus dem Spiel einen richtig fettem AAA Titel machen würde. Naja abwarten, was drauß wird. Die Vorschau jetzt. macht aber Lust auf mehr.