Einhänder & Nunchaku & Lautsprecher
Der kabellose Controller wird nicht mehr von zwei Händen, sondern mit nur einer Hand bedient - das ist tatsächlich eine interessante, wenn auch nicht revolutionäre Neuerung. Immerhin kann man optional einen Analogstick-Zusatz anschließen, so dass auch das traditionelle Spielen möglich
Mit dieser Zweigleisigkeit will man laut Präsident Iwata sowohl neue Spieler gewinnen als auch Veteranen ansprechen, die wie gewohnt NES-, SNES-, N64- und GameCube-Titel erleben möchten, denn der Wii wird bekanntlich voll abwärtskompatibel zu vergangenen Systemen sein sowie vier Anschlüsse für alte GameCube-Controller bieten. Auf der E3 2006 wurde zudem bekannt gegeben, dass der Controller integrierte Lautsprecher besitzt - ein Feature, das bisher kein Eingabegerät vorweisen kann.
Optisch entfacht das neue Gerät wenig Euphorie. Aber trotz des nicht gerade spektakulären, fast schon chirurgisch sterilen Designs: Gerade die Ähnlichkeit zu einer Fernbedienung könnte Nintendos neue Zielgruppe ansprechen - also jene graue Masse aus Familie und Nicht-Spielern, die laut Präsident Iwata aufgrund der Komplexität der Games bisher zockabstinent blieben.
"Our mission is to revive the gaming industry by increasing our user base."
Zelda-Erfinder Miyamto wird auf der Tokyo Game Show laut 1Up noch deutlicher und unterstreicht die zweigeteilte Zielgruppe:
"We wanted a controller that somebody's mother will look at and not be afraid of. (...) But also something that people who've been playing games for years will be satisfied with."
Kipp-Steuerung statt Analog-Stick
Nintendo verzichtet jedoch beim schlanken Eingabegerät komplett auf einen Analogstick: Es gibt ein Digikreuz und nur noch vier Buttons, wenn man "Start" und "Select" weglässt: A, B, a, b. Drei davon befinden sich auf der Oberseite, einer auf der Unterseite. Klassische Schulter-Buttons gibt's gar nicht. Zum Vergleich: Der GameCube-Controller bietet noch sieben Druckknöpfe. Diese Verschlankung entspricht Nintendos neuer Philosophie, die zurück zum einfachen Spielspaß will.
Wer jetzt befürchtet, dass es mit weniger Buttons auch weniger komplex zugeht, kann aufatmen: Der Nunchaku-Zusatz bringt nicht nur einen Stick, sondern auch zwei weitere Buttons: Z1, Z2 - insgesamt wären das schon sechs. Sollte Nintendo dieses modulare System konsequent erweitern, sind auch andere Aufsätze möglich. Die spannende Frage ist: Wie wird ohne Stick gesteuert? Über das Kippen in verschiedene Richtungen. Und das ist bei genauerem Hinsehen die eigentliche Revolution. Dazu die Pressemitteilung:
"Auf den Bildschirm gerichtet, ermöglicht der Controller blitzschnelle Interaktionen. Dabei werden Bewegungen, Raumtiefe, Positionen und Ziele durch die Bewegungen des Controllers bestimmt."
Wie funktioniert das? Am Fernseher stehen zwei kleine Empfänger, die die Signale des im Controller aktiven Bewegungs-Sensors innerhalb des Raumes empfangen: Stellt euch hin, setzt zum Schwinger an und das Ganze wird übertragen. Eines muss man trotz der fehlenden Praxis und der Frage, ob das tatsächlich technisch sauber funktioniert, bereits sagen: Nintendo hat Wort gehalten und eine Revolution in petto - nicht, was die Konsole als solche angeht, aber was die Art und Weise des Spielens betrifft. Auch Publisher und Analysten sehen die Enthüllung laut Reuters positiv und darin weit mehr als ein Spielzeug:
"It's not a gimmick, and it's different. It should get people interested." (KBC Securities)
Nintendo strikes back?
"Small developers can compete on creativity not on scale or staff size. (...) Nintendo is willing to help bring these ideas to life."
Zum anderen war das Timing wichtig. Gerade als Microsoft seine Xbox 360 den skeptischen Japanern zu einem Kampfpreis von knapp 280 Euro schmackhaft machte, servierte man in der Heimat einen neuartigen Controller, der trotz aller veröffentlichten Details noch viele Fragen aufwirft und damit vor allem eines weckt: die Neugier. Ist dieses Eingabegerät nicht nur in Sachen Design und Funktionalität, sondern auch in Sachen Spielgefühl revolutionär? Kann man damit Action-Adventure wie Zelda genau so oder gar intensiver genießen als mit den traditionellen Gamepads?
Unsere Meinungen nach ersten Erfahrungen auf der E3 und der Games Convention:
Ich hatte mir vom Design mehr erwartet als eine Fernbedienung. Und dennoch bin ich gespannt, wie sich Spiele mit dem Ding steuern lassen. Nintendo könnte tatsächlich eine kleine Revolution gelingen&
Okay, ich war auch erst geschockt. Aber wenn man sich die Details anschaut, wird die Neugier geweckt: Das ist tatsächlich eine Umwälzung. Haut sie mich auch spielerisch um? Abwarten. Immerhin kann ich endlich das Katana in Echtzeit schwingen! Ich freu mich drauf. Und ich hoffe stark, dass Nintendo bei den künftigen Games an erwachsene Spieler denkt.
Das ist es also - das in letzter Zeit am besten gehütete Geheimnis der Videospielwelt: der Wii-Controller! Mein erster Gedanke: Was bitteschön ist denn so revolutionär an einer Fernbedienung, an die ich noch einen Analogstick anschließen kann? Doch kennt man die Fakten, scheint der Controller mit seinen Bewegungssensoren vielleicht tatsächlich ein neues Spielgefühl bieten zu können, auch wenn ich mir diese Art der Steuerung bei manchen Genres nur schwer vorstellen kann - aber ich lasse mich gerne positiv überraschen.
Ich kann meine Hand frei im Raum bewegen und die Spiele machen genau das, was ich will? Her damit! Die anfängliche Skepsis weicht jedenfalls langsam der Überzeugung, dass das unscheinbare Ding tatsächlich die lange gepriesene Revolution entfachen könnte. Schade nur, dass ich als Rennspielfreak wahrscheinlich nicht viel davon haben werde&