Von den Schultertasten abgesehen ändert sich in Sachen Haptik nichts: Sowohl das Digikreuz als auch die normalen Digibuttons sind identisch zum DSi, was etwas verwundert - die hätten eigentlich auch an Größe zulegen können. Zwei Schritte zurück macht Nintendo dagegen beim Oberflächendesign: Verfügt der DSi über eine matte, leicht raue Struktur, erstrahlt der DSi LL jetzt wieder im Klarlack des DS lite - jedenfalls an der Oberfläche. Die Unterseite ist wieder leicht rau und dezent gummiartig, was einen stabilen Stand auf dem Tisch ermöglichen soll, falls der Arm vom Tragen des Schwergewichts schlaff werden sollte. Okay, war nur Spaß, der DSi LL wiegt nicht mal 100 Gramm mehr als sein Vorgänger. Allerdings sollten sich Schwarz-Weiß-Freunde von ihren gewohnten Farben verabschieden: Weiß gibt's aus irgendeinem Grund nur in Japan, hierzulande erscheint der LL in den Tönen »Bordeauxrot« und »Dunkelbraun«.
Auch mit dem DSi LL fährt Nintendo voll auf der Download-Schiene, auch wenn die sehnlich erhoffte Versorgung mit für DSi-Besitzer bis heute nicht spielbaren Game Boy-, Game Boy Color- und Game Boy Advance-Module über den DSiWare-Store immer noch nicht geplant ist. Dafür gibt es drei Programme von Anfang an zum Handheld dazu: Den (ohnehin kostenlosen) DSi-Browser, einen Wortspiele-Ableger der erfolgreichen Gehirnjogging-Reihe sowie das 6-in-1-Kamerawörterbuch, das ebenfalls schon erhältlich ist. Die Kamera nebst Fotostudio und Facebook-Hochlademöglichkeit bleibt unverändert, auch das restliche DSi-Programm ist an Bord: Ton-Editor, direkte Verbindung zum DSiWare-Store, umständliche Trennung der Nintendo-Punkte nach Wii und DSi, MP3-inkompatibler Musikspieler - alles bekannt. Nur der Preis, der steht noch nicht fest, soll aber etwas höher sein als beim DSi.
Als der DSi LL in all seiner Mächtigkeit auf einmal vor mir lag, war ich erschrocken: Nintendo-Handhelds trugen bei mir bislang immer das Bonus-Adjektiv »kompakt« mit sich - diese schöne Tradition ist nun für die Katz, denn der LL (oder XL) ist für einen Handheld wirklich groß. Größer als der DSi, größer als die PSP go, deutlich größer als der iPod touch. Klar passt das gute Teil zusammengeklappt immer noch in eine nicht zu enge Hosentasche, aber der Habitus des Handlichen, Mobilen geht mir bei diesem Mini-Laptop einfach ab. Stellt sich im Jahre Zwei nach DSi natürlich die Frage: Brauche ich einen Handheld, der einfach nur größer ist als der, den ich schon habe? Wenn man seine Schwierigkeiten mit zu kleinen Texten bei DS-Rollenspielen hat, dann mit Sicherheit. Aber sonst scheint mir der DSi LL eine Lösung für ein Problem zu sein, das es gar nicht gibt. Im Zweifelsfall ist es aber natürlich schön, die Wahl zu haben, zumal der Standard-DSi auch ganz normal weiterproduziert und -verkauft wird.