Plug In Baby
Um die Frage zu beantworten, solltet ihr euch einfach sagen wir mal Guitar Hero II
schnappen und es mit dem Standard-Gamepad spielen - wenn ihr nicht schon nach einem Song ebenso genervt wie gelangweilt seid, dann seid ihr harte Hunde! Diese Art von Spiel funktioniert halt nur gut, wenn man dabei die künstliche Klampfe in der Hand hat; fehlt die, bleibt nur ein weiteres Rhythmusspiel. Dieses Dilemma dürfte auch Vicarious Visions klar gewesen sein, als von Activision die Anweisung »Macht mal ein Guitar Hero für DS!« ins Haus kam. Der DS ist ein Handheld, und als solcher in erster Linie für den mobilen Einsatz gedacht. Da man dem U-Bahn-Rocker nun aber nicht zumuten kann, eine Plastik-Gitarre (oder um das Größenverhältnis zu wahren: eine Plastik-Ukulele) mit sich herumzuschleppen, wurde eine Designidee nach der anderen ausprobiert und verworfen.
Nach gerüchteweise mehr als 20 dieser Abfallprodukte lautete das Ergebnis »Guitar Grip«: Eine Art Gitarren-Handschuh, der in den GBA-Schacht des DS lite geklemmt wird (und über einen mitgelieferten Adapter auch im alten DS funktioniert). Steckt ihr die Hand durch die verstellbare Schlaufe, haltet ihr den DS automatisch wie beim Gehirnjogging ![]()

Im Rahmen seiner Möglichkeiten bietet der Guitar Grip ein gutes Guitar Hero-Erlebnis - aber weder ist das System komfortabel noch zuverlässig.
oder Hotel Dusk
um 90° gekippt wie ein offenes Buch. Am Kopfende des Guitar Grip befinden sich vier farbige Tasten, mit denen ihr die Noten spielen könnt, die über einen ebenfalls mitgeliefertes Stylus-Plektrum auf dem Touchpad angeschlagen werden - so sieht sie also aus, die mobile Gitarre.
Spiel mir den Armkrampf-Blues
Unter diesen Voraussetzungen spielt sich das kleine Guitar Hero verdammt gut, sogar ziemlich genau wie seine großen Brüder - jedenfalls im Großen und Ganzen. Leider bringt die aufgezwungene Mobilität gleich drei dicke Nachteile mit sich, auf die ich nunmehr einzeln näher eingehe:
Erstens: Die Bequemlichkeit. Die ist nämlich nicht vorhanden. Wie man es auch dreht und wendet, eine komfortable Haltung ist nicht möglich. Das liegt zum einen daran, dass die eng zusammen liegenden Tasten für Leute mit großen Händen schwer zu erreichen sind. Zum anderen wird die Hand automatisch gerade gehalten, während die Finger unnatürlich verdreht werden müssen, um die Tasten zu erreichen. Dazu kommt noch, dass das »Griffbrett« gerade ist, während das für die Länge der Finger eine durchschnittlichen Hand nun mal nicht zutrifft - gerade der kleine Finger hat somit ein Problem. Ich habe wirklich alles versucht, um einen Kompromiss aus vernünftiger Haltung und guter Spielbarkeit hinzubekommen, aber egal wie sehr ich das Halteband auch gedehnt und meinen Trizeps überreizt haben - bequem war's nie. Eine schräge Haltung, bei der man bei ausgestreckter Hand von links oben auf den DS glotzt, hat sich im 4P-Rockerbüro als brauchbarste Lösung herausgestellt, trotzdem konnte ich kaum mehr als ein bis zwei Songs am Stück spielen, bevor meine Hand anfing, mir ähnliche Schmerzsignale zu senden wie bei übertrieben vielen Barré-Griffen auf einer Akustikgitarre. Dieser Tatsache waren sich die Entwickler sehr bewusst: Bevor man loslegen kann, gibt's jede Menge Warnungen und Gesundheitshinweise.
Zweitens: Die Zuverlässigkeit. Der Guitar Grip steckt zwar relativ fest im GBA-Schacht, aber nicht bombenfest. Durch das ständige Fingergewackel und Tastengedrücke wird das Modul in jedem Fall über kurz oder lang verschoben - und irgendwann so weit, dass es sich ausgerockt hat, was im Kleinrockeralltag öfter passiert, als einem lieb sein dürfte. Nun sollte man denken »Och, dann stecke ich das Teil eben einfach zurück und weiter geht's!« - falsch gedacht, geschätzter Leser, denn in diesem Fall ist das Spiel vorbei, der DS muss aus- und wieder eingeschaltet werden. Speziell innerhalb einer fetzigen Mehrspielerpartie höchst ärgerlich!