Test: Ankh

16.10.2008, Autor: Bodo Naser

3D-Adventure für Nintendo DS






Video: Ankh, Trailer 2



Verflucht und zugenäht!

Ein Unglück kommt bekanntlich selten allein. Nachdem das altägyptische Symbol schon auf dem PC vor dem Bösen gerettet wurde, ereilt den Ankh-Träger nun auch auf dem DS der Todesfluch. Exakt wie zuvor holt sich Assil diesen in einem Grabmal beim ausgiebigen Feiern, wofür der Taugenichts auch noch Stubenarrest von seinem lieben Papi erhält. Doch der Held muss raus aus der Hütte, damit er den Fluch loswerden kann. Schließlich muss er zum Pharao persönlich, denn nur dieser könnte das Unglück rückgängig machen. Das hofft er zumindest. Es entspinnt sich eine aberwitzige Flucht, die erst auf dem Basar der Hauptstadt endet. Hier stößt Assil auf weitere Probleme, die meist wenig damit zu tun haben, dass er der Ankh-Träger ist, sondern eher mit dem täglichen Leben.

Doch vor den Erfolg haben die Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt, der bei Ankh - Der Fluch des Skarabäenkönigs reichlich fließt. Manchmal ist es Angstschweiß, etwa wenn ihr vor der mächtigen aber leicht schreckhaften Palastwache erzittert, bei der britischer Humor im Stil von Monty Python aufblitzt. Oder eben der Schweiß des Arbeiters, wenn ihr euch im Schweiße eures Angesichts durch den Palast schleppt. Es gibt noch den Schweiß des süßen Nichtstuns, der besonders gut zum eher faulen Assil passt. Er strömt bei einer Fahrt mit einer Barke auf dem Nil, die euch ans andere Ufer bringt, wo in der Wüste die gleißende Sonne Ägyptens strahlt.

Raus ins Leben

Die Reise beginnt ganz unspektakulär in Assils Zimmer, in den ihn sein Vater eingesperrt hat. Ihr könnt nicht durch die Türe, sondern müsst euch was anderes überlegen. Wie ihr da rauskommt, entspricht genau dem, was ihr vielleicht schon von der PC-Fassung kennt: Ihr könnt alles absuchen, wobei ihr die Funktionen durchschaltet: Anschauen, aufheben, verwenden und sprechen. Das ersetzt den sich ändernden Mauszeiger vom PC. Schaut ihr etwas an, wird der Gegenstand oben größer eingeblendet. Assil gibt dann eine gesprochene Beschreibung der Sache ab, die das Nötigste umfasst.

Hier offenbaren sich erste Schwächen in Sachen Bedienung, denn einiges ist schwer zu finden. Das liegt zum einen daran, dass die Dinge viel zu klein geraten sind wie etwa Pinselrest, Schlüssel oder Eisenstange. Zum Glück wurden gegenüber dem PC einige Interaktionsmöglichkeiten weggelassen, die ohnehin ohne Sinn waren. Leider hat man auch gleich auf die Anzeige verzichtet, die alle Orte anzeigt, wo ihr was anklicken könnt (Hotspots). Auf dem PC ist so was obligatorisch. Zudem ist es auch nicht einfach, die Treppe nach oben zu gehen, da man den Ausgang nicht findet - dabei müsst ihr dort raus. Dass ihr nicht ohne Weiteres rauskommt, passiert euch noch öfters.

Leider sind die Rätsel aufgrund der wenigen Gegenstände mitunter recht offensichtlich. Da liegen schon mal alle Sachen, um dem feisten Krokodil zu entfliehen mehr oder minder offen in der Landschaft rum. Das war beim PC nicht anders, aber nun wird es verschärft. Einzige Kunst bleibt das Aufheben der kleinen Sachen. Es dauert nicht lang, bis ihr alles ausprobiert habt, was ein altes Hausmittel für Abenteuer ist, wenn gar nichts mehr geht. Gerade fiese Logikpuzzle hat man sich weitgehend gespart, um niemanden zu verschrecken. Ankh ist deutlich spaßorientiert, obwohl ihr bei den fünf Kapiteln auch auf Kopfnüsse stoßt.

Augenzwinkernd

Fast überall trefft ihr teils skurrile Typen, die einen einfach zum Schmunzeln bringen. Da gibt es den blinden Schneider, die arabischen Kameltreiber und die völlig unfähigen Meuchelmörder, auf die ihr schon ziemlich am Anfang trefft. Sie müsst ihr verbal überlisten, da sie so blöd sind, das es eigentlich nicht mehr erlaubt ist. Das funktioniert per Multiple-Choice, indem ihr zwei Mal auf die Antwort klickt. Ihr könnt sogar Gespräche ausdehnen, um in den vollen Genuss aller Jokes zukommen. Immer wieder hört ihr Seitenhiebe auf andere Spiele, Filme und das Showbiz.

Es sind exakt dieselben Typen wie auf dem Rechner, allerdings fehlen ein paar Sahnestückchen wie etwa der Dialog zwischen dem Sklavenhändler und seinem Verkaufsobjekt über ägyptischen Fußball, Gott und die Welt. Dieser war bei der PC-Version im Vorbeigehen zu hören, auf dem DS herrscht nur Stille. Ansonsten ist die Sprachausgabe aber so hochwertig wie man das heutzutage erwartet und braucht den Vergleich mit dem PC nicht zu scheuen. Da sind bekannte deutsche Synchronstimmen wie die von Ben Stiller, John Cleese oder Renee Zellweger zu hören. Nicht umsonst erhielt das Spiel 2005 auch einen Preis für seine Sounds. Keinen Preis bekommt die Musik, die am DS ein wenig scheppert; zum Glück kann man ja leiser machen.

Filmischer Eindruck

Ankh ist bunt genug wie man es von einem Comic-Abenteuer erwartet, vermittelt aber dennoch den Eindruck, dass vieles aus dem alten Ägypten stammen könnte, was Symbole, Statuen und Gebäude betrifft. Insbesondere auf dem Bazar und im Palast stimmt doch einiges. Auch auf dem DS hinterlässt es eine solide Figur, auch wenn die Grafik nicht ganz mit der vom PC mithalten kann. Dennoch stellt das Adventure auch hier viele andere Genrevertreter in den Schatten. Aber auf Realismus kommt es nicht an, sondern auf einen stimmigen Gesamteindruck, den es zweifellos hinterlässt.

Hier stechen insbesondere die vielen Filme ins Auge, die immer wieder Dynamik ins Abenteuer bringen - auch wenn die Bewegungen der Personen im Gesicht nicht lippensynchron sind. Zusammen mit den Kamerafahrten entsteht sogar mit den begrenzten Möglichkeiten des DS der Eindruck eines interaktiven Comicfilms, der Spaß macht. Bisweilen fällt die eine oder andere Animation auf, die nicht so gelungen ist, aber das schmälert das positive Gesamterlebnis kaum.

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  Fazit