Die hilfreiche Seele
Ich kann abwarten - etwas, das man als Toter hervorragend kann. Ich sehe, wie der Killer einen letzten Spruch ablässt, wie er den Abzug betätigt, wie die junge Frau zusammensackt und sich an meine Seite gesellt. Aber das würde aus Ghost Trick: Phantom Detective das kürzeste Spiel aller Zeiten machen. Und das will ja keiner.![]()

Oh-oh - der Killer ist im Raum, gleich gibt's Tote. Danach wird die Zeit um vier Minuten zurück gespult, damit man das Verbrechen verhindern kann.
Sissel ist ein ungewöhnlicher Held: Er ist gestorben und er hat keine Ahnung, wie es dazu kam. Eine besessene Lampe klärt ihn darüber auf, dass er seine Seele wandern lassen kann, um so Objekte zu manipulieren - sobald er allerdings herausfindet, wie er starb, ist's mit der Seelenwanderung vorbei. Oh, und wo er schon dabei ist, könnte er doch bitte die gerade erschossene junge Frau retten, ja? Wie? Zeitreise! Als Geist hat Sissel die Möglichkeit, die Zeit um vier Minuten zurück zu drehen, um die Umstände, die zum Tod einer Person führten, so zu verändern, dass es nicht mehr dazu kommt. Wäre er ein Mensch, wäre das einfach, aber als Geist hat er lediglich die Macht, unbelebte Objekte zu übernehmen und mit denen zu agieren - und das auch nur über kurze Distanz, denn Seelenwanderung ist nur über kleine Hopser möglich.
Zeit zu handeln!
Kurbelt man die Uhr um vier Minuten zurück, sieht man, wie eine Person ums Leben kommt. Dabei muss man genau aufpassen: Wann greift das Mädchen zum Kopfhörer? In welche Richtung kullert der Donut, wenn er vom Wagen fällt? Solche kleinen Details entscheiden später über Erfolg oder Niederlage, denn natürlich kämpft man gegen die Zeit: Zum einen gegen die erneut herunter rasselnden vier Minuten, zum anderen gegen teilweise sehr zeitkritische Puzzles. Vermasselt man eines davon, ist das Spiel noch nicht gelaufen - es gibt immer mehrere Wege, eine Person zu retten. Falls man aber gar kein Land sieht, kann
Das Geheimnis der Schicksalsumkehrung ist der im Spielnamen verankerte »Ghost Trick«. Sissels Seele kann in eine ganze Reihe von Objekte springen und sie veranlassen, zu agieren. Die mögliche Aktion ist pro Objekt klar festgelegt: Ein Rollwagen rollt kurz, ein Schrank öffnet sich, eine Leiter fährt aus, ein Weihnachtsstern bimmelt, ein Schirm wird aufgespannt - bei jedem Objekt bekommt man auf dem oberen Bildschirm knapp zu lesen, was man damit anstellen kann. Nun muss man die Eigenschaften der Dinge miteinander kombinieren, um zum Ziel zu kommen. Das bedeutet teilweise lange Schwebewege, denn Sissel muss sich per Stylus-Wischer von Objekt zu Objekt hangeln, um vorwärts zu kommen. Dazu kann man jederzeit zwischen realer und Geisterwelt umschalten: In der echten Welt läuft alles mit normaler Geschwindigkeit ab, in der anderen ist das Geschehen pausiert. Nur in letzterer darf man Objekte manipulieren, außerdem ist die tiefrot gehalten - nur Sissels Seele sowie die Objekte leuchten blau. Teilweise muss man den Wechsel zwischen den Welten präzise timen, um etwa ein automatisch rotierendes Objekt erwischen zu können.
Dass Ghost Trick den Händen des Ace Attorney-Teams entspringt, merkt man spätestens an den ausufernden Dialogen: Flankiert von stilvollen Comicbildern wird sehr viel geredet und informiert - Spielhinweise können beim zweiten Mal übergangen werden. Immerhin sind die Dialoge alles andere als ernsthaft, hier wird viel geflachst und geulkt. Ebenso gelungen wie die Texte sind die Bilder: Die 2D-Comicfiguren sind grandios animiert, die Feinheit ihrer Bewegungen erinnert an Klassiker wie Prince of Persia oder Flashback.
Ausblick
Ersteindruck: gut
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