Urige Pinselstriche
Die Ähnlichkeit zu „The Whispered World“ ist kein Zufall: Ein Großteil des Teams arbeitete vor zwei Jahren am Fantasy-Adventure von Marco Hüllen, welcher auch diesmal beim Erstellen der Animationen hilft. Ähnlich wie in Sadwicks Abenteuer gibt es jede Menge knorrige Bäume, blubbernde Kessel und verschnörkelte Feinheiten in den komplett gezeichneten Kulissen zu entdecken. Damit Neulinge nicht überfordert werden, startet das Spiel in einem abgelegenen Teil des Rollenspiel-Universums von Das Schwarze Auge (DSA). Andergast ist in etwa mit Bayern im Hochmittelalter vergleichbar.
Der verschlafene Ort ist eigentlich nur für seine Rückständigkeit und seine alte Rivalität mit dem angrenzenden Königreich Nostria bekannt. Ausgerechnet als die alten Erzfeinde Frieden schließen wollen, wird das Städtchen von einer aggressiven Krähenplage heimgesucht. Diese, so wird gemutmaßt, könnte die Rückkehr eines Sehers andeuten, der Jahre zuvor auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden war. Noch bevor er den Flammen zum Opfer fiel, sprach dieser eine Prophezeiung aus und brandmarkte einen Jungen namens Geron als Unglücksbringer. Dass er auch Jahre später mit diesem Stigma zu kämpfen hat, darf der Spieler selbst erleben, denn er spielt natürlich die Hauptrolle.
Was wusste der Seher?
Geron sieht die Plage als Chance: Bei einer Anhörung überredet er den König, ihn als Fallensteller zu engagieren. Sein Kampf gegen die angriffslustigen Vögel entpuppt sich aber nicht nur als unerwartet schwer, sondern markiert auch den Startpunkt seiner Abenteuer-Reise über den Kontinent Aventurien, welche ihn ins nördlich gelegene Orkland und weiter in Richtung Golf von Riva führt. Im Gegensatz zu Spielen von Jan Müller-Michaelis setzt das Team weniger auf Minispiele: Stattdessen soll der Großteil der leichten bis mittelschweren Puzzles durch Inventar-Experimente und Dialoge enträtselt werden – manchmal auch mit alternativen Lösungswegen. Gesteuert wird immer nur Geron - doch wenn man mit anderen Party-Mitgliedern unterwegs ist, darf man auch die Zauber seiner Mitstreiter einsetzen. Manche Story-Elemente wie der auf dem Scheiterhaufen verbrannte Seher werden übrigens auch abseits des Spiels im Aventurischen Boten erwähnt. Das zweimonatig erscheinende Heft dokumentiert den Lauf der aventurischen Geschichte im Zeitungsstil.
Ausblick
Einschätzung: gut
Fakten:
- erscheint Ende März
- Geschichte komplett ins DSA-Universum eingebunden
- 70 gezeichnete Hintergründe
- Umfang rund 15-20 Stunden
- überarbeitete Visionaire-Engine aus „The Whispered World“
- leichter bis mittlerer Schwierigkeitsgrad
- Erzähler spricht wie Rollenspielleiter
- Tagebuch für Story-Details
- bis auf Hotspots keine Hilfe-Funktionen
- anders als in Deponia bewusst wenige Minispiele enthalten