Pulp Fantasy
Es hätte vielleicht nahe gelegen, aber auf einen bekannten Namen, wie z.B. Magic: The Gathering, greift Phenomic nicht zurück. Stattdessen erfinden die Entwickler eine eigenständige Welt, Nyn, in der sich die Geschöpfe der Natur, des Feuers, der Schatten und des Eises im Krieg befinden. Dort werdet ihr gegen Giganten und Titanen, vier Mann hohe Bossgegner, kämpfen. Doch obwohl eure Erlebnisse in epische Mythen einbettet sind, steht die Geschichte nicht im Vordergrund. Leider wird die Erzählung sogar so weit zurück gedrängt, dass man sie auch komplett vernachlässigen könnte. Monologe während der langen Ladezeiten sowie ein virtueller Schmöker, in dem ihr euch über die Hintergründe des Plots informiert, ersetzen packende Filmszenen und gute Dialoge. Schade. Aber man könnte es auch wohlwollend ausdrücken: In Battleforge dreht sich alles um die Akteure des Fantasy-Schinkens.
Die Akteure - das sind jene Geschöpfe, mit denen ihr in den Krieg zieht. Aus bis zu 20 davon stellt ihr ein Deck zusammen, das ihr im Kampf nutzen dürft. Änderungen am Deck oder die Auswahl eines anderen Decks sind nur zwischen den Missionen erlaubt. Eine knifflige Auswahl bei knapp einhundert Karten, zwischen denen man vom Start weg wählen muss! Dutzende weitere Karten, die EA in Form von Booster Packs anbieten wird, nicht mitgerechnet. Tatsächlich können die ersten Stunden erschlagend sein, weil ein effektiv zusammengestelltes Deck viel Forschungsarbeit erfordert. Denn die Frage ist nicht nur: Wie gut kämpft ein Charakter. Wichtig ist vor allem: Wie will man mit den Ressourcen umgehen?
Monumental!
Schließlich gibt es in Battleforge keine herkömmliche Rohstoffernte; stattdessen hat sich Phenomic für ein Eroberungs-Schema entschieden. An vielen Punkten stehen deshalb Energiebrunnen, deren Besitz die Staatskasse füllt. Noch wichtiger sind aber die spärlich verteilten Monumente. Erobert man ein solches, muss man entscheiden, ob man es der Natur, dem Feuer, dem Eis oder den Schatten zuteilt. Je mehr Monumente man besitzt, desto größere Einheiten darf man bauen, da mächtigere Charaktere auch den Besitz zusätzlicher Monumente erfordern. Dabei sollte man bedenken, dass z.B. Naturtruppen mindestens ein Naturmonument verlangen. Vielen Figuren reicht zwar ein Monument ihres Elements sowie ein oder zwei der der anderen Elemente; starke Wesen - oder auch Fähigkeiten wie Vereisungen, Heilzauber oder das Bauen von Geschütztürmen - verlangen allerdings zwei oder mehr Monumente ihres Elements.
Und genau da kommt das ungewöhnliche Ressourcen-Management ins Spiel: Welche taktischen Voraussetzungen will man sich mit der farblichen Zusammenstellung des Decks selbst schaffen? Wann will man welche Charaktere welcher Elemente beschwören können? Während der Einsätze muss man hingegen darauf achten, dass wichtige Elemente nicht dem Gegner in die Hände fallen. Im schlimmsten Fall kann man nämlich in einer heiklen Situation plötzlich keine mächtigen Krieger oder Fähigkeiten beschwören. Setzt man hingegen alles auf ein einziges Element und
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| Einige der Giganten sind riesig und überragen die restlichen Truppen um mehrere Köpfe. |
Das MMO-RTS
Deshalb kann ich sogar ein Auge zudrücken, wenn die Kampagne kaum mehr als eine Aneinanderreihung beinahe beliebiger Missionen ist. So gelangt man auf der Weltkarte sowohl zu den Solo- als auch zu den kooperativen Aufträgen für zwei oder vier Feldherren, und schon alleine das Warten auf Mitstreiter hat mich aus dem Rhythmus geworfen, den die aufeinander abgestimmte Mischung aus Spiel- und Filmszenen sonst erzeugt. Der Vorteil: Man kann fast immer zwischen mehreren Missionen wählen und der Übergang zu den Mehrspieler-Gefechten ist fließend. Schließlich gibt es auf der Karte nicht nur Feldzüge gegen vom Spiel gesteuerte Gegner, sondern auch Möglichkeiten zum direkten oder zum Team-Duell, in dem zwei zwei-Mann-starke Teams gegeneinander antreten. Ein Nachteil der Online-Welt: Bei einem Verbindungsabbruch müssen selbst Solo-Partien neu gestartet werden. Das Speichern während eines Auftrags erlaubt Battleforge leider nicht.




