Counter-Strike: Kolumne - Gefragt zu sein, das ist nicht schwer... - Special

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Arcade-Shooter
Entwickler: VALVe
Release:
kein Termin
Spielinfo Bilder Videos
Gefragt zu sein, das ist nicht schwer, berühmt zu sein dagegen sehr. Mit diesem Gedanken beschäftigt sich meine Kolumne diesmal.

Counterstrike.de in aller Munde!

Montag morgen - gähnend kratze ich mich und krieche aus dem warmen Bett. Leise fluchend arbeite ich mich über verstreutes Katzenspielzeug und zwei ausnahmsweise friedlich schlafende Kater in Richtung Badezimmer vor.

Erster Griff Radio, zweiter Griff Zahnbürste. Mürrisch betrachte ich das etwas verschlafen wirkende Antlitz im Spiegel.

"Laut einem Bericht von Counterstrike.de, wird für kommende Woche ein Steam-Update mit 2 neuen Spieler-Models für Counter-Strike:Source erwartet…"

Verwundert schaue ich auf das Radio. Was war das gerade? Hämisch spielt es jetzt "in the middle of the night" ab, als wäre nichts gewesen. Ich bin wohl gestern wieder zu lange an den News gesessen…

Nach vollendeter Frühreinigung begebe ich mich an den Kaffeeautomaten. Nebenbei den Fernseher an.

"München. Das Cheat-Special. Eine Protestwelle ungeahnten Ausmaßes überflutet die Redaktion von counterstrike.de. Eine Sitzblockade vor dem ehemaligen Hauptsitz, der inzwischen aus Sicherheitsgründen nach Hamburg verlegt wurde, ist soeben von der Münchner Polizei aufgelöst worden…"

Wie von einem tollwütigen Chiahua gebissen, drehe ich mich um und starre auf das Bild. Für einen Sekundenbruchteil sehe ich noch das Logo unserer Webseite. Der smarte Moderator wendet sich wieder den aktuellen Börsendotierungen der Wallstreet zu und ignoriert meinen fassungslosen Blick gekonnt. Zitternd stelle ich die Kaffeetasse ab. "Wir wollten das doch nicht…". Ein Blick auf die Uhr unterbricht meine verwirrten Gedanken. Verdammt ich muss zum Bus. Meine Freundin braucht heute das Auto. Ich packe meine Siebensachen und stehe fünf Minuten später an der Haltestelle.

So langsam umfängt mich die Normalität der Berufspendler. Neben mir schimpft ein Mittevierziger über die Unpünktlichkeit seiner Mitarbeiter und eine junge Frau zieht mit femininer Eleganz ihren Lippenstift heraus. Scheinwerfer tauchen aus dem frühmorgendlichen Dunst auf. Ein Auto der Stadtreinigung hält, der Beifahrer steigt aus und nimmt die Wochenendüberreste aus dem Mülleimer mit.

"Wenn ihr noch einmal behauptet wir hätten in der ESL-Relegation mit Fakeaccounts gespielt geht´s rund du Noob…"

Panisch blicke ich auf und bemerke nur noch den abschätzenden Blick des Straßenreinigers, der wortlos wieder in das Reinigungsmobil einsteigt. Ich überlege ob mein persönlicher Seelenklempner heute noch einen Termin für mich frei hat. Endlich kommt der Bus. Ich halte mich aus dem Gedrängel um die besten Plätze heraus und steige als Letzter ein. Dem Busfahrer zwei Euro entgegenhaltend, warte ich auf die Erlaubnis zur Mitfahrt.

"Danke" sagt dieser, "Übrigens funktioniert euer Download von fy_Busstation nicht richtig, fixt das mal bitte". Dann dreht er sich um und setzt sein Gefährt in Bewegung. Endgültig um Fassung ringend setze ich mich. Ich muss verrückt geworden sein. Ich sehne mich nach der Normalität des Büros. Ich will vom Chef angeschrien werden. Die Dame vom Empfang soll mich, wie immer, keines Blickes würdigen. Der Kaffee muss einfach nach Spülmittel schmecken. Haltestelle Kronenplatz. Mit der Eleganz eines hürdenlaufenden Hobbits sprinte ich auf unser Bürogebäude zu.

In meinem Büro angekommen, verbarrikadiere ich die Tür. Gut. Ich war schnell, habe niemand gesehen und niemand hat mich angesprochen. An dem Monitor klebt ein gelber Zettel "Schreib doch auch mal was über die eSport Bundesliga, MfG dein Chef (Nightstalker)". Ich stopfe das Papier in das hungrige Maul des Aktenvernichters. Bevor ich meine Gedanken ordnen kann, klingelt das Telefon. Kundendienst geht vor persönlichen Befindlichkeiten. Ich melde mich mit leicht zitternder Stimme. Eine Person namens [NBC]Deadfreak will wissen, wie man die Bildschirmauflösung in der registry umstellt. Nach zwanzig weiteren Anrufen dieser Art verbringe ich den restlichen Arbeitstag vor Angst wimmernd auf der Herrentoilette. Der Weg nach Hause gleicht dem Pogostab-springen in einem Minenfeld. Mein Gott, sogar die nette alte Dame aus dem Zeitungskiosk wollte mir unter ihrem ESL-Pseudonym [~DL~]FairLady ein Interview geben.

Endlich zu Hause angekommen - meine Freundin ist noch nicht da. Auch die beiden Kater eignen sich aus nachvollziehbaren Gründen nicht als adäquate Gesprächspartner. Also PC an, Teamspeak an. Ab in den Channel von counterstrike.de. Ich finde no_name und klage ihm mein Leid. Er sagt nur: "Was? Unsere Seite? Da habe ich seit Tagen nicht mehr draufgeguckt.". Nach diesem Kommentar weine ich vor Glück...

"Heuer? Heuer? Heeeuuuuueer!" Verwirrt blinzle ich auf den Monitor. Mein Blick geht zur Datumsanzeige, Sonntag 23.34 Uhr. Ich brummle ein leises "Ja" und befühle den Abdruck der Tastatur auf meiner linken Wange. "Bitte mach noch den Beitrag über den Medienkongress fertig, du willst doch berühmt werden" meint no_name.

NEIN ist mein Gedanke. Berühmt dürfen Andere sein. Ich will nur darüber schreiben…

Nach soviel Traumstress wird es Zeit für Reallife schlafen und knuddeln mit meiner kleinen Knuddelmaus. Gute Nacht Allerseits!

 

 

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