Counter-Strike: Wir, die Killerspieler? - Teil 3 - Special

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Arcade-Shooter
Entwickler: VALVe
Release:
kein Termin
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Im abschliessenden 3. Teil unserer Berichtsreihe über die Verbotsforderungen der Unionsinnenminister, kommen nun noch Bündnis 90/Die Grünen und die Junge Union zu Wort. Des weiteren gibt es Zitate der CDU/CSU aus einem anderen Interview. 

Bündnis 90/Die Grünen

Rede und Antwort stand uns Frau Grietje Bettin, medienpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen.

 
Counterstrike.de: Hallo Frau Bettin, es freut mich, dass Sie uns für dieses Interview zur Verfügung stehen. Damit unsere Leser eine nähere Vorstellung von Ihnen und Ihrer Arbeit bekommen, wäre es sehr nett, wenn Sie sich kurz vorstellen könnten.

G. Bettin: Ich bin 30 Jahre alt, von Beruf Diplompädagogin, seit mittlerweile sechs Jahren medienpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und komme aus dem ganz hohen Norden, aus dem Wahlkreis 1 (Flensburg).

Counterstrike.de: Die Innenminister von CDU/CSU fordern, dass so genannte "Killerspiele" mit Vertriebs- sowie Produktionsverbot belegt werden sollen. Was halten Sie allgemein von solchen Forderungen?

G. Bettin: Nichts. Die Union glaubt, damit die Gewalt von Jugendlichen bekämpfen zu können. Der Zusammenhang zwischen Computerspielen und Gewalthandlungen konnte wissenschaftlich bislang aber gar nicht nachgewiesen werden. Dafür wissen wir sehr genau: Ein schwieriges soziales Umfeld und Perspektivlosigkeit führt zu Gewalt – siehe das traurige Beispiel Rütli-Schule.

Counterstrike.de: Welchen Standpunkt vertreten Bündnis 90/Die Grünen diesbezüglich?

G. Bettin: Die Bundestagsfraktion hat auf meine Initiative hin einen Beschluss gefasst, der das über die bisherigen strafrechtlichen Regelungen hinaus gehende Verbote ablehnt. Wir wollen stattdessen eine konsequente Förderung von Medienkompetenz für Jugendliche und Erwachsene, Qualitätssiegel für Computerspiele und die Anerkennung und Förderung von Computerspielen als Kulturgut.

Counterstrike.de: Würden Bündnis 90/Die Grünen einem solchen Verbot zustimmen?

G. Bettin: Nein, siehe oben.

Counterstrike.de: Es gibt Unklarheiten über den Begriff "Killerspiele". Welche Spiele verstehen Sie unter diesem Begriff, Computerspiele oder Realspiele wie etwa Gotcha/Paintball?

G. Bettin: "Killerspiele" ist ein populistischer Begriff, der an die negativen Gefühle derjenigen appellieren soll, die aus Unkenntnis Vorbehalte gegenüber Computerspielen haben. Für die sachliche Debatte ist er nicht geeignet. Computerspiele und Gotcha kann man auch nicht ohne weiteres in einen Topf werfen.

Counterstrike.de: Über die Auswirkungen von Computerspielen ist ein Expertenstreit entbrannt. Einige Psychologen machen Computerspiele für das schlechte Abschneiden Deutschlands bei der Pisa-Studie verantwortlich. Andere wiederum sagen, dass vor allem Internet- und LAN-basierte Computerspiele die Teamfähigkeit fördern. Haben Sie weitere Informationen darüber?

G. Bettin: Spielen kann süchtig machen, vor allem Rollenspiele. Dann wird sehr viel Zeit damit verbracht, und es droht u.a. die Vernachlässigung der Schule. Das ist aber auch bei "Pen & Paper"- Rollenspielen wie "Dungeons and Dragons" oder "Das schwarze Auge" ein Problem, dass hat erstmal nichts mit dem Computer allein zu tun. Dennoch ist es problematisch, und die Betroffenen brauchen Hilfe.

 

Computerspiele werden schon lang zum Training bestimmter Fähigkeiten eingesetzt. In Berlin werden Straßenbahnführer in einem Simulator geschult, weil man weiß, dass Computerspiele bestimmte koordinatorische Fähigkeiten schulen können. Und gemeinsames Spielen fördert immer soziale Kompetenzen, nicht nur am Computer, aber eben auch dort. Das ist wissenschaftlich erwiesen.

Counterstrike.de: Laut einer Aussage der Unionsinnenminister funktioniert die im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag vereinbarte Prüfung der Spiele durch die USK nur sehr mangelhaft und steht mit dem Jugendschutz nicht mehr im Einklang. Was halten Sie von derartigen Vorwürfen?

G. Bettin: Woher wollen die das wissen, die Evaluation (Bewertung, Beurteilung A.d.R.) hat doch noch gar nicht richtig angefangen! In allen Medienbereichen hat sich aber die regulierte Selbstregulierung als ein effektives und unbürokratisches System bewährt. Nach Allem was ich höre, gilt das auch für die USK.

Auch ich finde manche Altersfreigaben einzelner Computerspiele fragwürdig. Wenn kleine niedliche Würmer sich z.B. gegenseitig mit Feuerwerfern oder Napalm massakrieren und das ganz ohne Altersbeschränkung von der USK freigegeben wird, halte ich das für erklärungsbedürftig. Das stellt aber nicht das System in Frage, da muss man viel mehr die Kriterien der Freigabe überarbeiten.

Counterstrike.de: Machen solche Aussagen von hochrangigen Politikern den Umgang mit diesen Spielen für Eltern nicht erst recht schwierig?

G. Bettin: Eltern haben es schwer. Die Altersfreigabe der USK sagt nichts darüber aus, welche Spiele gut sind und welche nicht. Wir wollen deshalb Anreize für Qualität setzen, in dem wir Computerspiele als Kulturgut anerkennen und fördern, und wir wollen ein Qualitätssiegel einführen, dass als klare und einfache Kaufempfehlung für Eltern dient.

Counterstrike.de: Glauben Sie, dass der Jugendschutz in Deutschland diesbezüglich noch funktioniert?

G. Bettin: Insgesamt glaube ich, dass der Spielraum für den gesetzlichen Jugendmedienschutz ausgereizt ist. Das Problem der Gewalt ist in erster Linie ein soziales Problem, das kann man mit schärferen Verboten nicht in den Griff bekommen.

Counterstrike.de: Muss man überhaupt etwas verbieten, kann man Jugendliche und Kinder nicht auch auf andere Weise schützen?

G. Bettin: Man muss Jugendliche auf andere Weise schützen. Indem man ihnen und ihren Eltern viel mehr Medienkompetenz vermittelt als das in Deutschland bislang der Fall ist. Deswegen wollen wir analog zu PISA ein Medien-PISA einführen. Wir wollen messen, wie gut oder schlecht die Vermittlung medialer Kompetenz in unserem Bildungssystem funktioniert und damit Impulse für Verbesserungen geben.

 

Vor allem brauchen junge Menschen eine Lebensperspektive, Aussicht auf einen Ausbildungsplatz, zum Beispiel. Das ist die beste Gewaltprävention.

Counterstrike.de: Sollte man nicht statt auf Verbote, auf die Aufklärung durch die Eltern setzen und sich darum kümmern, dass Eltern besser in medialen Dingen geschult werden? Eventuell mit Diskussionsrunden, welche an Schulen angeboten werden könnten?

G. Bettin: Ja, wir brauchen Angebote für Eltern, sich über die Medienwelt der Kinder informieren zu können. Das kann auf ganz verschiedenen Wegen passieren. Diskussionsrunden sind eine Möglichkeit.

Counterstrike.de: Möchten Sie unseren Lesern zum Abschluss noch etwas sagen?

G. Bettin: Computerspiele sind Teil unserer Kultur. Genau so sollten wir sie auch behandeln.

Counterstrike.de: Vielen Dank für dieses Interview Frau Bettin.

G. Bettin: Vielen Dank.

 
 
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