Counter-Strike: Offener Brief an die Abgeordneten des Bundestages - Special

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Arcade-Shooter
Entwickler: VALVe
Release:
kein Termin
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In den News berichteten wir gestern über ein Diskussionsangebot des deutschen Bundestages. Dieses Angebot wurden von vielen unserer Community-Mitglieder wahrgenommen.



Leider bestand das übliche Problem bei solchen Chat-Diskussionen. Aufgrund des großen Andranges von Fragestellern und dem begrenzten Zeitrahmen konnten nicht alle Fragen besprochen und auch nicht alle Themen ausdiskutiert werden. Unserem FAQ-Redakteur  Michael "Freak78" Frank liess das Thema keine Ruhe weshalb er einen offenen Brief an die Bundestagsabgeordneten verfasste, den wir mit der Veröffentlichung auf Counterstrike.de einem größeren Publikum zur Kenntnis bringen wollen. ( News zur Chat-Diskussion)

 




Sehr geehrte Damen und Herren Politiker,

ich habe heute, am 11.11.2008 zwischen 17:00 und 18:00 Uhr an der Diskussion zum Thema Computerspiele auf ihrer Plattform mitmischen.de teilgenommen. Leider sind durch den großen Andrang viele Fragen offen geblieben, bzw. auch aufgrund der hitzigen Diskussion keine vernünftigen Lösungsansätze besprochen worden. Dies möchte ich nun in diesem offenen Brief nachholen, und werde versuchen sachlich zu bleiben, und Ironie auf ein Minimum zu beschränken.
 


Ich selbst bin 30 Jahre alt und bin begeisterter Computerspieler. Sehr gerne spiele ich auch Ego-Shooter wie z.B. Counterstrike oder das neue Left4Dead.

Es gibt zu den Themen "Gewaltverherrlichende Computerspiele" und "Jugendschutz" viele Pro und Contras, derer ich mir durchaus bewusst bin. Allerdings sehe ich den Zusammenhang nicht so klar, wie viele so genannte Wissenschaftler und Spezialisten. Gewaltverherrlichende Spiele können nicht der Auslöser für Gewalt sein. Wäre dies der Fall, dann gäbe es Gewalt erst seit 1993 (damals erschien der erste ernstzunehmende Ego-Shooter Doom).

Gewalt ist allgegenwärtig, ja Sie steckt sogar in jedem Menschen drin. Die Frage ob, und wie wir Gewalt anwenden ist eine Frage der eigenen Moral. Und je allgegenwärtiger die Gewalt ist, desto normaler und weniger moralisch verwerflich wird sie. Und hier kann man jegliche Art von Gewalt in denselben Topf werfen:

  • Nachrichten, Filme, Spiele, Schulhof, Elternhaus, und sicherlich noch vieles mehr.

Ich bin also insoweit derselben Meinung wie die Politik, dass Kinder und Jugendliche bis zu einem gewissen Alter von Gewalt verschont bleiben sollten. Damit meine ich aber nicht nur Spiele.

Angenommen ich hätte mich vor 15 Jahren dazu entschieden einen Amoklauf an meiner Schule zu begehen, dann wäre ich wohl ein "typischer Fall" gewesen.

Ich bin hochintelligent, konnte mich allerdings nie sozial integrieren. Schon in der Schule war ich für die Raufbolde das leichteste Ziel. Mit ca. 7-8 Jahren trennten sich meine Eltern, und mit 10 Jahren kam ich wegen der schulischen und psychologischen Probleme auf eine Schule für Schwererziehbare. Dort wurde ich weitere 5 Jahre lang geschlagen, gemobbt und gedemütigt. Ich schaffte dann mit Ach und Krach einen Hauptschulabschluss, trotz eines IQ jenseits der 130.

Ich hätte aus meiner Sicht also tausende Gründe für einen Amoklauf gehabt, und deshalb können sie mir glauben wenn ich Ihnen sage, ich spreche bei Problemen von Kinder und Jugendlichen aus eigener Erfahrung.

Kein Kind das in seinem sozialen Umfeld glücklich ist und in eine zufrieden stellende Zukunft blickt hat einen Grund, egal wie viel Gewaltspiele es schon gespielt hat, einen Amoklauf zu begehen.

Doch wie kann man Kinder und Jugendliche vor Gewalt schützen?
Zunächst einmal muss man sicherlich feststellen, was man als Gewalt definiert. Eine Rauferei zwischen 2 Gleichaltrigen auf dem Schulhof ist sicher noch keine "Gewalt" im beängstigenden Sinne. Wenn allerdings ein Schüler ständig von anderen gehänselt wird, oder von mehreren anderen Schülern gleichzeitig "verkloppt" wird, dann geht das schon in Richtung Gewalt. Häufig ist es auch noch zusätzlich die psychische Gewalt, die allerdings fast noch kritischer zu betrachten ist.

Was ich allerdings noch zu Gewalt zähle, sind Filme und Serien, sowie Nachrichten im Fernsehen. Politiker sprechen immer von Medienkompetenz im Zusammenhang mit Computer, dabei haben die meisten Eltern noch nicht einmal die nötige Medienkompetenz beim Fernsehen. Nicht selten haben schon 6-jährige einen eigenen Fernseher im Zimmer und können unkontrolliert fernsehen. Und selbst Kontrolle ist kein Garant für die Sicherheit der Kinder, wenn 9-jährige mit dem Segen der Eltern Action- und Horrorfilme sehen dürfen.

Doch was könnte man tun, um diesen Problemen Herr zu werden.
Ich habe mir natürlich auch um verschiedene Lösungsansätze Gedanken gemacht, die ich hier gerne vorbringen möchte. Es sind wie gesagt nur Ansätze und sicherlich nicht bis ins Detail ausgegoren oder 1:1 umsetzbar.

Kinderpsychologen an Schulen
An allen Schulen ab einer gewissen Größe sollten Kinderpsychologen anwesend sein, die z.B. Problematiken schneller erkennen können (im Gegensatz zu Lehrern), einzelne Problemschüler betreuen und zwischen Schülern, Lehrern und Eltern vermitteln.

Bessere Kommunikation zwischen Schulen und Jugendämtern
Wenn in Schulen Probleme bei Kindern und Jugendlichen festgestellt werden, dann sollten Jugendämter schneller informiert werden, um den betroffenen Familien einen Besuch abzustatten. Bei solchen Routinebesuchen könnten sicherlich viele Probleme im Vorfeld erkannt werden.

Mehr Kompetenz bei Jugendämtern
Ich weiß nicht, wie die Kriterien bei Mitarbeitern der Jugendämter sind, aber alle Außendienstmitarbeiter eines Jugendamtes sollten einen psychologischen, oder mindestens einen sozialpädagogischen Hintergrund haben. Nichts gegen verbeamtete Sachbearbeiter, aber die Kompetenz die nötig ist, um in solchen Familien Probleme zu erkennen und zu lösen, übersteigt die eines einfachen Sachbearbeiters.

Staatliche Altersbeschränkung
Es gibt die FSK, die FSF, die USK, PEGI und zum Schluss dann die BPjM, die im Endeffekt sowieso über die Titel entscheidet. Wesentlich einfacher wäre es, wenn eine staatliche Prüfstelle die Altersbeschränkung selbst festlegt. Und dann vor allem einheitlich, denn es entzieht sich jeder Logik, dass ein Film wie Schindlers Liste FSK 12 erhält, Der Soldat James Ryan FSK 16, und ein Spiel über dieselbe Thematik USK 18 oder gar Beschlagnahmung.

Medienkompetenz der Eltern
Viele Eltern hätten theoretisch die Möglichkeit sich selbst mit den Gefahren, die Spiele und Filme für ihre Kinder bergen, auseinander zu setzen. Die meisten tun es leider nicht. Stattdessen hören sie auf schlecht recherchierte, oder gar vorsätzlich falsch dargestellte Reportagen im Fernsehen (sowohl ÖR, als auch Privat). Ein Fernsehsender würde sicherlich dem Zuschauer nicht sagen, dass Gewaltfilme ähnlich gefährlich sind wie Gewaltspiele, wenn kurz nach der Reportage die xte Wiederholung von Terminator läuft. Eltern müssten von Unabhängigen Stellen Informiert werden, z.B. Informationsabende in Schulen. Diese Schulungen sollten dann vor allem für Eltern auffälliger Schüler verbindlich sein (z.B. als Auflage und in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt).

Medienkompetenz in der Schule
Auch die Schule kann den Kindern und Jugendlichen helfen, besser mit den Inhalten von Filmen und Spielen umzugehen. Doch meist wird unter "Medienkompetenz in der Schule" nur ein Computerkurs verstanden, bei dem der Lehrer nur ein wenig mehr Ahnung hat als seine Schüler. Das mit den Kindern über die Inhalte der Filme und Spiele gesprochen wird, und auf die Auswirkungen von körperlicher und psychischer Gewalt hingewiesen wird, habe ich persönlich noch nicht erlebt oder davon gehört.

Mehr Verantwortung bei den Eltern
Wenn ein Kind ein Spiel spielt, oder einen Film sieht der nicht für sein Alter geeignet ist, dann werden in den seltensten Fällen die Eltern zur Verantwortung gezogen. Händler bekommen hohe Strafen, Hersteller und Erwachsene Konsumenten werden gegängelt, und überhaupt sind immer die anderen Schuld. Den häufigsten und besten Zugriff auf die Kinder, das Kinderzimmer und den Computer der Kinder haben immer noch die Eltern. Und wenn ein Mitarbeiter einer Staatlichen Institution (Jugendamt, Ordnungsamt, ect.) feststellt, dass ein 12-Jähriger den Film SAW im Regal, oder das Spiel Counterstrike auf dem Schreibtisch hat, wieso gibt es dann nicht auch mal empfindliche Strafen für Eltern? Selbst wenn die das Spiel oder den Film nicht selbst gekauft haben (was leider häufig genug vorkommt), so müssten sie ihn zumindest im Kinderzimmer entdecken und einziehen. Alles andere verletzt die Elterliche Sorge (BGB ab §1626) und sicherlich noch viele andere Gesetze.

Titel mit FSK18 aus dem normalen Handel
Man sieht es immer wieder, egal ob bei den großen Elektromärkten oder auch schon im Supermarkt. Da steht dann ein Spiel wie F.E.A.R. im Regal direkt neben Sims. Und da spielt es auch keine Rolle, wie groß der Altershinweis ist, oder ob das Cover rot verpackt ist. Meiner Meinung nach sollten alle Spiele und Filme ohne Jugendfreigabe nur dort ausgestellt und verkauft werden, wo Kinder und Jugendliche keinen Zutritt haben. Bei Pornografie und Glückspiel funktioniert das seit Jahren, deshalb wäre das sicher auch für Spiele eine denkbare Lösung.

Und nun noch einen Punkt, der nichts mit dem Jugendschutz zu tun hat, sondern eher mich persönlich und alle anderen erwachsenen Spieler betrifft.

Schluss mit der Zensur!
Ein Spiel, das die Einstufung "keine Jugendfreigabe" bzw. "FSK18" bekommt muss nicht zusätzlich noch geschnitten werden. Wir sind erwachsene mündige Bürger, und die meisten sind ethisch, moralisch und charakterlich gefestigt genug, um zwischen einem Spiel und der Realität zu unterscheiden. Außerdem sind es bestimmt nicht die "Blutspritzer" oder die "herumfliegenden Körperteile", die ein Spiel besonders gewalttätig machen bzw. die Gewalt verherrlichen, sondern eher der Zusammenhang in dem man diese Gewalt in dem Spiel ausübt. Wenn ich, mal ganz bildlich gesprochen, in einem Spiel einen Gegner "Töten" muss, um mir selbst, einem Teamkameraden oder unschuldigen Beteiligten das "Leben" zu "retten", dann ist diese Aktion sicher nicht verwerflich& vorausgesetzt, man würde das Handeln als real ansehen. Das übliche entfernen von Blut oder ähnliche Zensuren verherrlichen die Gewalt doch erst recht, da der Eindruck entsteht, es passiert nichts wenn ich jemanden erschieße außer dass er sich auf den Boden legt und die Hände hinter den Kopf nimmt.


Ich weiß, dass diese ganzen Ansätze wesentlich schwieriger umzusetzen sind, als ein Verbot und eine Kriminalisierung einer ganzen Branche sowie deren Kunden, aber langfristig wären diese Vorschläge sicherlich eine bessere Lösung.


Abschließend möchte ich noch etwas ansprechen, was mit diesem Thema eigentlich nur entfernt etwas zu tun hat, mir aber trotzdem auf der Seele brennt.

Es wird immer wieder davon gesprochen, dass wir in Deutschland in einer Demokratie leben, und die Politiker "dem deutschen Volke" dienen und "im Namen des Volkes" handeln. Es wird Sie überraschen oder nicht, aber das stimmt leider nicht.

Das einzige was der Bürger, also das Volk bestimmen darf, ist wer das Land für 4 Jahre regiert, und bei den ganzen Koalitionen nicht mal das. Theoretisch sind Volksentscheide, zumindest auf Landesebene, zwar möglich, aber praktisch hat mich in meinen 30 Lebensjahren noch nie ein Politiker nach meiner Meinung gefragt. Wieso hört die Politik nicht öfter mal auf die Stimme des Volkes, anstatt -wie gewöhnlich- den Bürger wie ein dummes, unmündiges Kind zu behandeln und in den Entscheidungen zu übergehen.


Wir sind das Volk, und Sie arbeiten für uns und haben lediglich die Aufgabe, unsere Wünsche politisch und wirtschaftlich sinnvoll umzusetzen.



Mit Freundlichen Grüßen

Michael Frank


 

 

 

     

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