Counter-Strike: Frontal21 - Unfehlbar wie der Papst? - Special

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Arcade-Shooter
Entwickler: VALVe
Release:
kein Termin
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So sieht es zumindest Dr. Claus Richter, Redaktionsleiter von Frontal21 und verteidigt in einer Stellungsnahme die vor drei Jahren ausgestrahlte Sendung.



Wie man es von öffentlich rechtlichen Medien gewohnt ist, wird auf die vielen handwerklichen Fehler der damaligen Berichterstattung nicht eingegangen. Statt dessen werden zum Beispiel Quellen vorgeschoben deren Aussagen mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun haben oder man redet um den "heissen Brei", erweitert nach Belieben das Themenfeld und weicht "unauffällig" von damals gemachten wörtlichen Aussagen ab.

 

Um Missverständnissen vorzubeugen. Wir halten es nicht für notwendig die "Stellungsnahme" soweit man sie so nennen darf zu widerlegen, da sie es ihrerseits nicht einmal schafft die in dem Video (siehe hier) gemachten Vorwürfe auch nur ansatzweise zu entkräften.

 

Wir haben uns lediglich zu einigen kleinen Kommentaren hinreissen lassen.

 

Insgesamt ist dieses Schriftstück ein eher peinlicher Versuch der Frontal21-Redaktion  die eigene Glaubwürdigkeit zu retten. Hier die Stellungsnahme, die wir aus Gründen der Leserlichkeit in einzelne Abschnitte unterteilt haben:

 

Dr. Claus Richter

Redaktionsleiter Frontal21

Porträt auf Frontal 21

Liebe User,

hier unsere Stellungnahme zur Kritik von Matthias Dittmayer auf youtube. Natürlich können und wollen wir nur auf die Vorwürfe eingehen, die Frontal21 betreffen. Wie Sie wissen, haben wir uns schon mehrfach mit dem Thema beschäftigt und dabei auch immer wieder die Reaktion von Betroffenen und von Computer-Spielern berücksichtigt.

Bei der Kritik von Herrn Dittmayer hätten wir uns gewünscht, vor der Veröffentlichung des Videos informiert zu werden, um rechtzeitig Stellung nehmen zu können. So wären Ungenauigkeiten und Missverständnisse nicht aufgekommen.

 

1) Wie soll man beim Spielen Zielen trainieren?

Genau das ist die Grundlage beim Training der US-Armee mit Egoshootern. Im derzeit renommiertesten Sachbuch zum Thema "Der virtuelle Krieg" des CT-Redakteurs Hartmut Gieselmann (Hannover 2002) heißt es:
"Doch das Militär setzt tatsächlich Computerspiele zur Ausbildung ein, sowohl normale Spiele als auch für das Militär angepasste Versionen. Das "Training und Education Command" (TECOM) der U.S.-Marines unterhält hierfür eigens eine Abteilung für PC-Training" (S. 92 f). "Die Liste der vom Militär genutzten Spiele umfasst auch die Spiele Half-Life und eine abgeänderte Version von Doom mit dem Namen Marine Doom" (Gieselmann, S. 93). Gieselmann schreibt weiter: "Die Inhalte werden natürlich auf das US-Militär abgestimmt und unterscheiden sich vom Spiel, die grundlegende Spielmechanik ist jedoch die gleiche." So beauftragte die US-Armee das Institute for Creation Technologies (ICT) Ende September 2001 mit der Entwicklung zweier Trainingssimulationen, die gleichzeitig auch als Video- und Computerspiele vertrieben werden sollen. (...) Der Spieler steuert eine Spezialeinheit von neun Soldaten, die Terroristen in einem Gebäudekomplex bekämpfen, Rettungskräfte beschützen oder eine US-Botschaft gegen einen tobenden Mob verteidigen soll" (S. 93 f). Gieselmann ergänzt weiter: "Das Militär nutzt diese Videospiele als Vorabtraining für spätere Rekruten und gleichzeitig als Werbung. Sie sollen sich von ihrer Aufmachung kaum von den Trainingsversionen für das US-Militär unterscheiden, lediglich die Explosionen sollen größer werden, da die trockene Darstellung der Militärsimulationen wohl etwas zu unspektakulär für das Wohnzimmer sei" (Gieselmann, S. 95). Auch in der Dokumentation "Die Welt der Spiele: Wunschwelten aus dem Computer" (Paderborn, o.J.) wird militärische Nutzung von Computergewaltspielen dokumentiert: "Marine Doom: eine Doom-Variante, die von der US-Armee für die Ausbildung von Marinesoldaten entwickelt  wurde.
Dieses Spiel zeigt, dass Gewaltspiele wie Doom nicht nur harmlose Spiele sind, sondern dass sie durchaus auch zur Vorbereitung von Tötungshandlungen genutzt werden können. Sie werden im militärischen Kontext zur Vorbereitung realer Kampfeinsätze eingesetzt. Aus den minotaurischen Doom-Monstern wurden in der Armee-Simulation Terroristen, die Szenarien nach echten Orten konstruiert, um z.B. das Stürmen von besetzten Botschaften üben zu können" (S. 19).

 
Viel Text wenig Aussage. Nirgends in den genannten Quellen steht, hier werde das "Zielen" trainiert und genau das wurde in dem damaligen Beitrag behauptet und genau das ist vollkommener Nonsens.
 

2) "Doom 3" hat keine Jugendfreigabe und darf nur an Volljährige verkauft werden

Der Vorwurf trifft die Berichterstattung nicht, da der Beitrag auf etwas anderes zielte: "Doom 3" hätte wie das Vorgängerspiel indiziert werden müssen. Tatsache ist, dass das Vorgängerspiel "Doom" indiziert war. In der Indizierung aus dem Jahr 1994 hieß es: "Die sozialethische Desorientierung rührt hier aus der Einübung des gezielten Tötens. Die programmimmanente Logik bindet den Spieler an ein automatisiertes Befehls- und Gehorsamsverhältnis, dessen wesentlicher Kern das reaktionsschnelle, bedenkenlose Töten menschen- bzw. tierähnlicher Gegenüber ausmacht. (...) Ein erfolgreiches Durchspielen des Programms wird somit einzig durch die Liquidation zahlloser Gegner gewährleistet, wobei die Akte der Liquidation gleichzeitig auf mannigfaltiger Art- und Weise positiv verstärkt werden. So z.B. durch die aufwendige Darstellung blutig zerfetzter Körper." Das Nachfolgemodell "Doom 3" ist mindestens genauso brutal wie "Doom" und hätte deshalb niemals eine Alterskennzeichnung erhalten dürfen. Dazu heißt es im neuen Jugendschutzgesetz vom 23. Juli 2002 in § 14 Abs. 4: "Ist ein Programm für Bildträger oder Bildschirmgeräte mit einem in die Liste nach § 18 aufgenommenen Trägermedium ganz oder im Wesentlichen inhaltsgleich, wird es nicht gekennzeichnet." Trotzdem hat die Nachfolgeversion "Doom 3", eine Alterskennzeichnung bekommen. Nicht umsonst freut sich auch die einschlägige Gamerseite "Doom3Maps.de" über "Doom 3 und das Wunder der USK". In einem Beitrag, indem sich die Gamer über die Nicht-Indizierung freuen, heißt es: "Neben all den positiven Effekten, die diese Entscheidung der USK auf die Community haben wird, ist es uns allen trotzdem, wie Doom3 diese Quadratur des Kreises überhaupt vollbringen konnte, um den Fängen der BPjM zu entgehen" (vgl. http://doom3.planetmultiplayer.de/news.php?extend.862). Dass die USK das Spiel mit einer Altersfreigabe versehen und damit vor einer Indizierung geschützt hat, war Inhalt des Frontal 21-Beitrags, der sich kritisch mit dieser USK-Praxis auseinander setzte.

 

Hier geht die Antwort ebenfalls geschickt an der damaligen Aussage vorbei. Im Beitrag wurde konkret gesagt, Doom 3 gelte als "nicht jugendgefährdend" und sei beliebt bei Jugendlichen. In Wirklichkeit hatte Doom 3 hat keine Jugendfreigabe erhalten und gilt damit als jugendbeeinträchtigend.

 

3) In keinem der bei Steinhäuser gefundenen Spielen ist es das Ziel, Lehrer oder Schüler zu erschießen

Die Stellungnahme des thüringischen Innenministeriums vom 10.06.2002 zum Amoklauf Steinhäusers kommt zu dem Ergebnis: "Über die Motive des Täters wird wahrscheinlich auch nach dem Abschluss der Ermittlungen keine endgültige Klarheit herrschen. Fest steht aber, dass der Täter in großer Zahl Gewaltvideos und gewaltverherrlichende Computerspiele besessen und konsumiert hat" (S. 2). Herr Dittmayer zitiert selbst eine Reihe dieser Spiele. Ob der Täter speziell das Töten von Lehrern oder Schülern trainiert oder das Töten allgemein, ist nach Meinung der Redaktion unerheblich Eine solche Differenzierung erscheint uns zynisch.

 

Nun lehnen wir uns entspannt zurück und zitieren einfach wörtlich aus dem damaligen Beitrag "Im Blutrausch tötet ein Schüler Lehrer und Mitschüler, wie im Computerspiel."

 

Hier auch wieder ein Ausweichversuch und die Deklarierung der eigenen Position als höchstmoralisch. Es ist eben nicht unerheblich wenn man eine Behauptung in den Raum wirft und diese weder belegbar noch in irgendeiner Form wahr ist.

 

Und wie man per Maus und Tastatur das reale Töten eines Menschen trainieren kann, darf uns Dr. Richter gerne einmal vorführen.

 
Teil 2 der Frontal21 Stellungsnahme
 
Infobox:
News: Video-Gemetzel im Kinderzimmer (10.11.2004)
News: Brutale Computerspiele im Kinderzimme (26.04.2005)
News: Offener Brief gegen Hexenjagd (28.04.2005)
News: Frontal21 und die alte Leier (21.08.2007)
News: Video für Masochisten (22.08.2007)
Bericht: Fehler in der Berichterstattung über Killerspiele (19.11.2007) (mit Video)
News: Erfolg mit Richtigstellung (30.11.2007)
Homepage Frontal 21
Stellungsnahme Dr. Claus Richter (pdf)
 
                  

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