Counter-Strike - Special, Shooter, PC - 4Players.de

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Arcade-Shooter
Entwickler: VALVe
Release:
kein Termin
Spielinfo Bilder Videos

Mit einem kleinen Reisebericht aus dem fernen Osten meldet sich unser ehemaliger Redakteur Kolja zurück und erzählt uns, was er in Sachen Counter-Strike dort erlebt hat.



Asien ist das Mekka des eSports

Sagt man jedenfalls. Selbst bekommt man so etwas ja nie mit, es ist wie eine Parallelwelt. Da hört man von riesigen Events in Seoul, Südkorea oder von Starcraft zockenden Freaks in Shanghai, Tokio oder sonst irgendeiner asiatischen Riesenmetropole, aber das auch nur nebenbei in den Lifestyle-News von RTL2.

Dass Counter-Strike überall gespielt wird, ist mittlerweile auch klar, aber einer der wenigsten Orte, an denen man de_dust2 und AWPs vermuten würde, ist sicherlich die Insel Koh Samui. Im Golf von Thailand liegt dieses Aussteigerparadies, über 9.000 Kilometer weit entfernt von Deutschland, aber manchmal doch noch so deutsch. Wer hier mit dem kleinen Propellerflugzeug der Bangkok Airways landet, erwartet hier nur zwei Dinge: Entspannung oder Sex. Aber definitiv kein Counter-Strike.

Ich war auch mal da, auf dieser merkwürdigen Insel. Eines Tages wollte ich eigentlich nur in meinem Lieblingsrestaurant im Fischerdorf Nathon frühstücken gehen, aber irgendwie hatte ich mich in der Straße geirrt. Ich lief durch enge Gassen und durch Hinterhöfe, die so aussahen, als würden da Hühner geschlachtet werden, bis ich schließlich ein kleines Internetcafé fand, in dem lauter Kinder nur mit Badeshorts und Flip Flops bekleidet vor uralten Rechnern hockten und zockten. Als ich ein bisschen näher heran ging, erkannte ich auch, WAS sie da zockten: Counter-Strike. Wer hätte das gedacht, 9-jährige Kinder in Thailand zocken tatsächlich Counter-Strike. Und die sind gut! Ich habe mir das ein bisschen angesehen, nur so zum Spaß, als Counter-Striker aus dem Westen sozusagen. Die sind teilweise nicht älter als 13 und zocken schon besser als manche Pro-Gamer in Deutschland.

Die Nanny der Zukunft

"Ach, das ist ganz normal", sagte mir Bernd, ein Bekannter, der schon seit Jahren auf der Insel lebt, als ich ihm bei Bier und Gras von meiner Entdeckung erzählte. "Die Eltern setzen ihre Kinder da im Internetcafé ab, damit sie ungestört arbeiten können und nicht auf die Kinder aufpassen müssen." Bernd ist zwar ein bisschen dämlich und baut gerne mal die Klimaanlage seines Vermieters aus und verkauft diese, damit er Geld für die Miete aufbringen kann, aber er wohnt nun schon sein halbes Leben auf dieser Insel und weiß, wie der Hase läuft. Er sagt, die Internetcafés seien so billig, dass sich selbst die ärmsten Familien das leisten können. Das koste nur ein paar Euro pro Tag, das sei viel billiger, als sie in den Kindergarten zu schicken. Counter-Strike als Kindermädchen der Zukunft sozusagen. Und das Erstaunliche: So spielt es sich überall in Thailand ab. Das noch viel Erstaunlichere: Alle leben noch.

Irgendwann ging der Laptop meines Bekannten kaputt. Keiner weiß, warum, sowas passiert halt mal hin und wieder da auf dieser merkwürdigen Insel. Ich formatierte das Teil und musste dann noch einen Treiber für den W-LAN-Adapter besorgen, da sonst das Internet auf dem Laptop nicht funktionierte. Ich fuhr also mit meiner Honda Dream Excess ins nächste Internertcafé, um dort Treiber herunterzuladen und auf dem USB-Stick zurück zum Bungalow zu transportieren. Ich schob die Schiebetür auf, eisige Klimaanlagenluft peitschte mir ins Gesicht und ich betrat den mit Fliesen ausgelegten Raum. Da saßen ungefähr 10 Kinder und zockten CS.

Aus den Boxen plärrten ununterbrochen Stepsounds und AK-Schüsse. Kein PC war frei, also tippte ich einen Jungen an, der gerade bei de_nuke durch die Pommesbude holzte, und fragte ihn, wie lange er noch gedenke, hier zu zocken. Er verstand nicht, also ging ich zu dem Admin des Internetcafés, der - was ein Wunder - auch zockte. Oder besser gesagt die, denn es war eine Frau. Als ich ihr von meinem kleinen Problem berichtete, sagte sie nur zwei Wörter: "No chance."

Die Pandemie der Killerspiele

Ich finde, man sollte Christian Pfeiffer, Günther Beckstein und wie sie alle heißen mal eine Woche auf dieser Insel aussetzen. Ich glaube, sie würden sich das Leben nehmen zwischen all diesen Killerspiel-Spielern und potenziellen Verbrechern. Was sie da sähen, würde einem Trainingslager für Amokläufer gleichen. Aber ist das nicht auch ein bisschen Praxisbeweis für Politiker? Soweit ich weiß, ist in Thailand fast kein Jugendlicher Amok gelaufen. Aber leider auch nur fast, ein Zwischenfall vom März diesen Jahres macht der schönen These einen Strich durch die Rechnung: Ein Jugendlicher tötete einen Taxifahrer, weil er sich das - angeblich - bei GTA abgeguckt hat. Das war zumindest das Echo, das in Deutschland ankam. Ob das tatsächlich der Grund war, ist nicht ganz sicher. Das interessiert die thailändische Regierung auch herzlich wenig, ob man jemanden umbringt, weil man nicht ihn nicht leiden kann oder weil man sich das in irgendwelchen 3D-Shootern abgeguckt hat. Mord ist Mord, und dafür wird der Typ jetzt sicherlich die nächsten 30 Jahre zwischen anderen Verbrechern hinter schwedischen, ich meine thailändischen Gardinen verbringen. Deutschland käme so ein Fall im Ausland ja ganz gelegen, da könnte man dann leicht mit zeigen, dass Killerspiele keinesfalls Phänomene der westlichen Gesellschaft sind, sondern überall die gleiche Wirkung auf Menschen haben. Vergesst HIV und Schweinegrippe, Killerspiele sind die neue Bedrohung für die Welt.

Die Killerspiel-Debatte hängt mir in etwa so sehr zum Hals heraus wie das Wort "Abwrackprämie", Dokumentationen über Dicke auf RTL2 oder andere Themen der Gesellschaft, mit denen sich einfach zu lange befasst wurde. Das liegt zum Einen daran, dass es immer die gleichen Argumente sind, mit denen sowohl Killerspiel-Befürworter als auch deren Gegner argumentieren. Nein, Killerspiele machen keinen Menschen zum Amokläufer, da muss man eigentlich gar nicht drüber diskutieren, aber mindestens genauso falsch ist es von Gamern, die Schuld auf "gesellschaftliche oder soziale Probleme" zu schieben. Damit stellt man nur die andere Seite des Extrems dar, nämlich etwas zu verteufeln, von dem man gar keine Ahnung hat. Was soll man also tun, damit man nicht bald verhaftet wird, wenn man Massaker im Monitor anrichtet, was ist der Satz der Sätze, der alles umkrempelt und die Brücke zwischen jung und alt schlägt, damit der schlechte Ruf der Killerspiele endlich ausstirbt? Die Antwort: gar nichts. Killerspiele sind und werden auch nicht verboten. Nicht jetzt, nicht morgen und auch nicht in zwei Jahren. Und wenn doch, spendiere ich allen Gamern diesern Welt ein Eis mit Sträuseln. Stattdessen sollte man sich die Zeit für diese quälend ätzende Debatte lieber sparen und sinnvolle Dinge tun. Nach Koh Samui reisen, zum Beispiel. Aber dann bitte nicht zum Zocken.

 

 
   
  

euer
Kolja

  
 
 
 
 

 

                    

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