Broken Age - Test, Adventure, PC - 4Players.de

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Broken Age (Adventure) von Double Fine Productions
Die Rückkehr der Adventure-Ritter
2D-Adventure
Publisher: -
Release:
29.04.2015
29.04.2015
29.04.2015
29.04.2015
29.04.2015
29.04.2015
Spielinfo Bilder Videos
400.000 Dollar wollten Tim Schafer und sein Team von Double Fine für ihre Kickstarter-Kampagne haben, um ein klassisches Adventure alter Schule zu erschaffen. Doch die Fans spendierten dem Macher von Kult-Abenteuern wie Day of the Tentacle sogar über drei Millionen Dollar und etablierten damit die Schwarmfinanzierung im Spielebereich. Aber reichen Geld und guter Wille alleine aus, um mit Broken Age einen Adventure-Hit zu produzieren?

Die gute alte Zeit

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Die englischen Sprecher leisten hervorragende Arbeit.
Fast zwanzig Jahre ist es her, seitdem sich Tim Schafer zuletzt in einem Point'n'Click-Adventure kreativ austoben konnte. Und was hat uns dieser Mann mit seinem herrlichen Sinn für Humor und großartigen Rätseln zum Lachen, Grübeln und Klicken gebracht: Nach seiner Mitarbeit an LucasArts-Klassikern wie The Secret of Monkey Island drücke er dem Genre vor allem mit dem abgedrehten Day of the Tentacle (DOTT) als Nachfolger zu Maniac Mansion (=> zum Rückblick) sowie dem schwarzhumorigen Grim Fandango seinen Stempel auf. Doch auch der thematisch deutlich erwachsenere Biker-Thriller Full Throttle stammt aus seiner Feder.

Nach diversen Ausflügen in Action-Adventure-Gefilde und eher fragwürdigen Experimenten im Bereich der Echtzeit-Strategie – allen voran Psychonauts und Brütal Legend – kehrt man mit Broken Age wie versprochen zu den Wurzeln zurück. Da sind sie wieder, die unterhaltsamen Dialoge im Multiple-Choice-Verfahren, die handgezeichneten 2D-Kulissen mit teilweise wunderschön designten Schauplätzen. Hinzu kommen die liebenswerten Figuren, die stilistisch etwas an die Augsburger Puppenkiste erinnern und die mit ihren simplen Animationen den Eindruck eines Kinderspiels noch weiter unterstreichen. Auch nach zwei Durchläufen werde ich immer noch nicht so recht warm mit dem Stil, der zwar durchaus modern und außergewöhnlich wirkt, aber meinen Nerv einfach nicht trifft. Die Cartoon-Figuren aus DOTT fand ich großartig, den eher realistischen Stil aus Full Throttle passend. Aber hier wollen die Charaktere mit ihren dünnen Streichholz-Beinchen, den hölzernen Bewegungen und der zu sehr auf niedlich getrimmten Mimik nicht zu dem passen, was mir erhofft hatte, als das Projekt auf Kickstarter vorgestellt wurde und der angepeilte Grafikstil selbstverständlich noch kein Thema war. Was fehlt sonst noch an Zutaten für ein klassisches Adventure? Natürlich: Die Rätseleinlagen, die man mit der altehrwürdigen Point'n'Click-Maussteuerung löst.

Keine harten Kopfnüsse

Shay wird etwas zu sehr von der umsorgten Raumschiff-KI "verwöhnt".
Shay wird etwas zu sehr von der umsorgten Raumschiff-KI "verwöhnt".
Und Letztere wird ihrem Namen hier etwas zu sehr gerecht: Man kann den Cursor tatsächlich nur bewegen und auf vorbestimmte Objekte klicken – sei es, um sie zu untersuchen oder automatisch ins Inventar aufzunehmen. Eine Liste an Verben gibt es genauso wenig wie Optionen, um verschiedene Funktionen des Cursors durchzuschalten. Entsprechend begrenzt sind die Möglichkeiten dieser extrem einfachen Steuerungsmethode. Auch das Inventar-Management sowie Interaktionen funktionieren nach dem Drag-and-Drop-System denkbar einfach: Wählt man einen Gegenstand aus dem Inventar aus und hält die Taste gedrückt, kann man ihn bewegen und entweder mit anderen Objekten des Inventars, der Umgebung oder Figuren kombinieren.

Das alles geht herrlich einfach von der Hand, doch vermisst man im Gegenzug Komplexität beim Rätseldesign – und das aus mehreren Gründen: Neben den eingeschränkten Möglichkeiten hinsichtlich der Steuerung ist das Inventar nur selten mit mehr als fünf Gegenständen gefüllt. Zudem sind sämtliche Areale recht klein und damit übersichtlich ausgefallen – kein Vergleich zu den Rätseln, die sich bei Monkey Island 2 über drei große Inseln erstreckt und die grauen Zellen auf Trab gehalten haben. Und sollte es immer noch nicht „Klick“ machen, liefern die Dialoge mit anderen Figuren fast schon penetrant die gesuchten Lösungshinweise. Hier hätte ich von Schafer und seinem Team aufgrund der Historie mehr erwartet. Wo sind die abgedrehten Rätsel, bei denen man auch mal ein bisschen nachdenken und kreativ sein muss? Sie bilden hier leider die absolute Ausnahme und man wird das Gefühl nicht los, in einem Kinderspiel gelandet zu sein, das sich an Zehn- bis Zwölfjährige richtet. Hat Tim Schafer nach seinen Ausflügen in die Sesamstraße etwa vergessen, dass hauptsächlich beinharte Adventure-Cracks seine Kickstarter-Kampagne unterstützt haben, die mit den alten Lucasfilm- und Sierra-Titeln groß geworden sind und ein ähnlich hohes Niveau beim Rätseldesign erwarten? Leider kann Broken Age diese Erwartungen nicht erfüllen.

Kommentare

Ups, da gab es wohl ein Problem.
schrieb am

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