Papers, Please (Adventure) von Lucas Pope
Papers, Please
Papers, Please
Puzzle-Adventure
Entwickler: Lucas Pope
Publisher: -
Release:
kein Termin
Spielinfo Bilder Videos

Wie fühlt es sich an, ein Grenzbeamter zu sein? Wie würde man mit der Verantwortung umgehen? Arbeitet man stur nach den Regeln? Oder überlässt man moralische Entscheidung nicht alleine dem unerbittlichen Gesetz? Diesen Fragen geht Lucas Pope, Ex-Entwickler bei Naughty Dog, in seinem Projekt Papers, Please nach. Kann der sozialkritische Thriller im Test überzeugen?



Papiere, bitte!
Video
Die Lotterie versetzt mich als Beamten an die Grenze nach Grestin. Werde ich dem Regime dienen?
Ich habe mir nicht ausgesucht, Grenzbeamter zu werden. Die Lotterie hat entschieden, mich zu einem Instrument des autokratischen Regimes von Arstotzka zu machen. Meine Familie wurde bereits in ein neues Apartment umgesiedelt und ich trete im November 1982 meinen Dienst am neu eröffneten Grenzposten in Grestin an. Dieser regelt den Übergang zum Nachbarstaat Kolechia, mit dem zuvor sechs Jahre lang Krieg geführt wurde.

Entsprechend angespannt ist die Lage an den Grenzübergängen: Die Gefahr durch nationalistische Extremisten und organisiertes Verbrechen ist überall spürbar und die Autokratie geizt nicht mit Einschränkungen und bürokratischen Hindernissen, um die Einreise so kompliziert wie möglich zu gestalten. Meine Aufgabe ist es, so präzise wie möglich nach den Vorschriften zu arbeiten, also Passnummern, Fotos, Ablaufdaten und biometrische Angaben zu vergleichen. Ich verdiene eine festen Betrag pro abgefertigter Person, um Miete, Heizung und Lebensmittel für mich und meine Familie bezahlen zu können.

Dieses Geld ist überlebenswichtig, zumal ich mich oft entscheiden muss: Bezahle ich das Upgrade für meinen Arbeitsplatz, das Essen oder doch die Medikamente für ein krankes Familienmitglied? Was ist wichtiger? Leider ist der Familienbildschirm insgesamt etwas zu rudimentär ausgefallen und geizt mit Zusatzinformationen oder persönlichen Angaben. Dennoch haben die harten Entscheidungen auf die Arbeitsmoral starken Einfluss.

Strafmaßnahmen im Regulariendschungel

Pass und Einreiseerlaubnis - stimmen die Angaben? Die Kontrollen erfordern Konzentration und Genauigkeit.
Pass und Einreiseerlaubnis - stimmen die Angaben? Die Kontrollen erfordern Konzentration und Genauigkeit.
Von Tag zu Tag ändern sich Teile der Regularien: Heute brauchen Einreisende eine Einreiseerlaubnis, gestern noch ein Ticket. morgen reicht vielleicht schon wieder der Pass oder ein völlig anderes Dokument wird nötig sein, um die Grenze zu passieren. Im täglichen Memo werden Einreiseverbote, Sonderregeln und auch die Fotos von Verbrechern festgehalten, die es an der Grenze abzufangen gilt. Ich muss mich also oft auf neue Elemente einstellen und hochkonzentriert arbeiten, denn ein Fehler führt zu einer Abmahnung via Fax.

Ab dem dritten Fehler droht dann ein empfindlicher Lohnabzug. Zudem werde ich alle zehn Tage von einem Inspektor besucht, der harsche Worte für mein Versagen findet, sollte ich zu viele Fehler begangen haben. Dennoch bleiben die Strafen für mein Versagen etwas zu harmlos. Härtere Strafen, vielleicht bis zum Game Over, wären bei höheren Fehlerzahlen durchaus vertretbar gewesen und hätten den Druck auf den Spieler noch weiter erhöht.  

Kommentare

  • Schade dass es so kurz ist - wäre toll wenn da was deutlich längeres, so mit einem Jahr Spielzeit in der Story kommt. Aber: wieso wird man verhaftet, wenn man diesem blöden Heini der an Tag 10 kommt, EZICs Sachen gibt, obwohl man alle Agenten von denen abgewiesen hat? Ich würde den Trottel ja gerne  [...] Schade dass es so kurz ist - wäre toll wenn da was deutlich längeres, so mit einem Jahr Spielzeit in der Story kommt. Aber: wieso wird man verhaftet, wenn man diesem blöden Heini der an Tag 10 kommt, EZICs Sachen gibt, obwohl man alle Agenten von denen abgewiesen hat? Ich würde den Trottel ja gerne anrufen, wenn EZIC kommt, aber leider ist das Diensttelefon gerade in Urlaub. Das Spiel ist echt toll und ich bin derzeit im vierten Durchgang. Irgendwie hat es einen hohen Suchtfaktor. Aber einen Patch mit deutlichem Mehrumfang (und weniger gleichen Bildern!) wäre richtig geil.
  • Ich habe nun auch den ersten Durchgang absolviert und ich bin überrascht, wie sehr das eigentlich sehr simple und monotone Spielprinzip (Vergleichen, vergleichen, vergleichen) Spaß machen kann. Ich habe 3 Stunden für den ersten (linearen) Spieldurchlauf gebraucht und Ende 10 erreicht. Ich bin auf  [...] Ich habe nun auch den ersten Durchgang absolviert und ich bin überrascht, wie sehr das eigentlich sehr simple und monotone Spielprinzip (Vergleichen, vergleichen, vergleichen) Spaß machen kann. Ich habe 3 Stunden für den ersten (linearen) Spieldurchlauf gebraucht und Ende 10 erreicht. Ich bin auf die anderen Enden und den Endlosmodus gespannt.
  • Ich habe Papers Please jetzt einige Stunden gespielt und hab wirklich Spaß daran, kann aber auch verstehen dass viele es wohl als Langweilig empfinden. Die Diskussion hier zielte ja schon genau in die Ecke, es stellt sich die Frage ob man sich auf das Spiel einlässt oder es an einem vorrüberziehen  [...] Ich habe Papers Please jetzt einige Stunden gespielt und hab wirklich Spaß daran, kann aber auch verstehen dass viele es wohl als Langweilig empfinden. Die Diskussion hier zielte ja schon genau in die Ecke, es stellt sich die Frage ob man sich auf das Spiel einlässt oder es an einem vorrüberziehen lässt. Taucht man in das Szenario ein, so erkennt man eine extreme Detailverliebtheit, die das Vorgehen von einem autoritären System beängstigend vor Augen hält. Bezieht man die realen Hintergründe nicht mit ein und spielt es einfach so, dann wird man vom Buchstaben und Zahlen vergleichen schnell gelangweilt sein - und genau hierbei fängt das Spiel bereits an den Spielertypus zum ersten mal zu separieren und tut dies im weiteren Verlauf noch einige male mehr. Denn egal wie man das Spiel spielt, man erledigt letztlich einen Job, welcher eine reale Arbeitsstelle simulieren soll. Diese Arbeit kann man auf zwei Arten erledigen: 1) Mit Hingabe und Sorgfalt. Man nimmt die vom Regime aufgetragenen Aufgaben ernst und versucht sie der eigenen Familie die größtmögliche Unterstützung zu bieten, verkommt dabei aber zum Hardliner des Regimes und stürzt andere Menschen (gefälschte Ausweise, Hilferufe etc.) damit ins Unglück. Oder man erledigt den Job 2) Mit der vergleichbar ermüdenden gelangweiltheit eines Beamten auf der hießigen Zolldienststelle, den sein Job gar nicht so recht interessiert. Dann wird man bereits schnell den Spaß verlieren, weil es dann schlicht um das vergleichen von Zahlenkollonnen geht. Man wartet auf die Feierabendsirene und darauf dass es vorbei geht. Selbst hier zeigt das Spiel parallelen zur Wirklichkeit auf. Wählt man Weg 1) und hat das Spiel nicht alsbald beendet, so wird man (so war es zumindest bei mir) eine unbewusste Wandlung im eigenen Handeln feststellen. Ich merkte, dass ich mich an Tag 9 gegenüber dem Regime anders verhalte als noch an den ersten Tagen. War ich in den ersten Tagen der oben genannte Hardliner, nahm die Aufgabe ernst und stellte mich in den Dienst des Regimes so wandelte sich dieses Verhalten eher unbewusst. An Tag 9 stellte ich fest, dass das Regime selbst nichts für einen selbst tut. Es hilft mir persönlich nur bedingt, sämtliche vom Staat aufgetragenen Arbeiten sorgfältig zu erfüllen. Mein Sohn ist trotzdem krank und die Familie leidet hunger. Die stetig wechselnden Regeln und hinzukommende Arbeitsabläufe machen einem klar, dass die Kontrollen so nicht mehr effektiv durchführbar sind und am Ende des Tages der Lohn einfach nicht reichen wird, egal wie hart man arbeitet. Man rückt also weg vom Regime, näher an die Menschen und entwickelt gleichzeitig Strategien sich zwischen Egoismus, Autokratie und Menschlichkeit irgendwie durchzuwieseln. An den weiteren Tagen beginnt man das Regime immer mehr abzulehnen und ertappt sich dabei, wie man teilweise gegen den Staat arbeitet. Einmal war ich von einer Abmahnung (Alias nicht nachgeprüft) so genervt, dass ich nach einem Nacktscan den Schmuggler passieren lies, in der Hoffnung es würde dem Regime schaden. Derjenige führte einen Anschlag aus und ich bekam meine Entscheidung finanziell zu spüren, da ich an diesem Tag nur 3 Personen kontrollieren konnte. Weiter möchte ich jetzt nicht erzählen, da ich keinen Storyverlauf spoilern möchte. Aber ich wollte damit eigentlich nur aufzeigen, welche unbewusste innere Wandlung dieser Spielverlauf bei mir ausgelöst hat. Man beginnt die ersten Tage als Richter über Schicksale und stellt schnell fest, dass man nur ein kleines Zahnrad bzw. ein Hilfsmittel des Staates ist - und beginnt dann über seine eigenen Entscheidungen zu zweifeln. Der Druck innerhalb eines Arbeitstages dennoch viele Personen nach Auflage durchzuschleusen und die direkte finanzielle Abhängigkeit gegenüber seinem "Arbeitgeber", gekoppelt mit der Verantwortung gegenüber seiner Familie lässt einen ein ums andere Mal ins moralische Dilemma laufen. Die Monotonie raubt einem die Konzentration und die Kontrollierten teilweise den letzten Nerv. (Pass erst auf Nachfrage, Falscheangabe der Reisezeit) All diese kleinen Details, verändern das eigene Denken, lösen (bei mir) Emotionen wie Wut (Falschangabe), Verzweiflung (neue Regeln, finanzieller Druck) aber auch Genugtuung bzw. Freude (Mörder festgenommen) aus - und das sehe ich als ganz große Stärke des Spiels, dies mit ganz einfachen, aber sehr durchdachten Mitteln auszulösen. Das Spiel lenkt diese Emotionen gezielt, lässt sie einen aber nur unbewusst wahrnehmen. Das ganze passiert so subtil, dass man eigentlich erst in der eigenen Reflektion der letzten Tage feststellt, wie die eigenen Entscheidungen beeinflusst wurden. Alles immer unter der Vorraussetzung man lässt sich auf das Szenario ein. Einige kleine Kritikpunkte habe ich, z.B. dass sich die Personen öfter wiederholen nimmt etwas von der Atmosphäre. Auch fehlt mir die Interaktion mit der eigenen Familie. So würde doch eine Animation mit einer hübschen Frau und einem süßen Sohn aber einer schecklichen Schwiegermutter so manche Entscheidung beeinflussen (5$ Medizin für den Hausdrachen? - Niemals!). Gerne kann das auch wechseln, sodass man im nächsten Spiel eine scheckliche Ehe oder einen aufmüpfigen Sohn hat, dem man dann mal aus Prinzip kein Geburtstagsgeschenk kauft. Die fehlende/ungenügende Familienintegration wurde ja auch schon im Test angesprochen. Ansonsten wirklich ein, für mich, wirklich intensives Spielerlebnis was mit einfachen Mitteln, für günstiges Geld erzeugt wurde. Von mir gibt es eine grundsätzliche Kaufempfehlung für alle. Für Leute die sich allgemein für die Hintergründe von Diktaturen und autoritären Systemen interessieren oder Klassiker wie Orwells 1984 genossen haben, führt eigentlich kein Weg an Papers Please vorbei Sorry Leute, wenn ich hier Thread-Nekromantie betreibe, aber ich spiele Papers, Please gerade an, vielleicht zwei Stündchen und bin absolut begeistert davon! Der Kollege |Dante| spricht mir mit seiner Berichterstattung 1:1 aus der Seele, kann ich definitiv so unterschreiben. PP ist eines meiner intensivsten Spielerlebnisse, die ich seit meiner "Zocker-Karriere" vor über 30 Jahren mit dem Atari 2600 begann. Ich bin zwar kein großer Retro-Fan und kaufe nicht jeden Indie-Haufen, der bei Steam gesetzt wird, blind - aber dank Valve und 4P lasse ich mich dann doch hin und wieder zu einer 8Bit-Vergangenheitsreise verleiten, die wirklich ganz selten so einschlägt wie im Falle von PP. Wie schon |Dante| schreibt, ist es herrlich zu beobachten, wie man selbst Tag für Tag seine eigene Einstellung zum "Regime" ändert. Angefangen vom frigiden Beamten-Schwellkopf, bis hin zum fahnenflüchtigen Widerstandskämpfer im Undercovereinsatz als Grenz-Durchwinker ^^ Alleine schon die sehr realistische Darstellung, dass einem der Staat nichts schenkt, ist grandios. Ganz nach dem Motto "wehe Du machst Fehler, dann gibt´s auf die Finger, aber wehe Du arbeitest zu genau, dann bist Du zu langsam" - also egal wie man es macht, es geht sowieso schief und man muss irgendwie die Kohle zusammenkratzen, um die Familie durchzubringen - wie im echten Leben ^^ Ob man es nun als gut oder schlecht betrachten will, dass einem das Regime zwangsläufig selbst dazu bringt, gegen den Staat zu arbeiten, muss jeder für sich selbst entscheiden

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