The Stalin Subway31.12.2005, Marcel Kleffmann
The Stalin Subway

Im Test:

Als Mitglied des sowjetischen Geheimdienstes müsst ihr im Ego-Shooter The Stalin Subway (ab 7,94€ bei kaufen) einen Anschlag auf den alternden Herrscher verhindern. Klingt kurios? Ist es auch, aber was verbirgt sich hinter der Fassade des ungewöhnlichen Szenarios – ein gutes Actionspiel oder eine simple Ballerdröhnung ohne Tiefgang?

Für Mütterchen Russland

Im Jahr 1952 tobt der kalte Krieg. Stalin ist noch immer das Oberhaupt der Sowjetunion und ihr übernehmt die Rolle von Gleb Suvorov, einem staatstreuen Offizier im russischen Geheimdienst KGB. Als urplötzlich euer Vater als Verräter beschuldigt wird, stellt ihr eigene Nachforschungen an und kommt einer Verschwörung auf die Spur, die Stalin aus dem Weg schaffen soll. Dies könnt ihr natürlich nicht zulassen, schließlich würde der Kollateralschaden viele unschuldige Opfer fordern...

Ein Teil dieser Geschichte wird in stilvoll gemachten gelbstichigen und damit authentisch wirkenden Zwischensequenzen erzählt. Sobald jedoch Ingame-Cutscenes auftauchen, bleibt der rote

Die Feuergefechte gegen die viel zu gut zielenden Gegner sind befreit von jeglichem Spielspaß.
Faden auf der Strecke, da ihr euch aufgrund von schlechten Schnitten und seltsamen Handlungs- bzw. Schauplatzwechseln die Story-Brocken selbst zusammenpuzzeln müsst.

Im Untergrund

Vor dem Hintergrund dieser kontroversen Geschichte könnte man ein durchaus innovatives Spiel vermuten, aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Getreu dem Titel The Stalin Subway kämpft ihr euch in First-Person-Perspektive durch U-Bahn-Schächte, Kanalsysteme oder dreckige Gewölbe. Generell ist der Moskauer Untergrund wie ein Labyrinth aufgebaut, deswegen bleibt ihr auch permanent in irgendwelchen Sackgassen stecken, was der Motivation immer wieder Steine in den Weg legt. Hinzu kommt, dass beinahe alle Gänge gleich aussehen und aus graubraunen Bausteinen bestehen - streckenweise werden sogar ganze Level-Elemente recycelt. Eine Mini-Map, hilfreiche Orientierungspunkte oder gar Wegweiser sucht ihr vergebens. Mehr als zwei Drittel der Spielzeit irrt ihr in Katakomben oder ähnlich verschachtelten Büroräumen herum. Die Oberfläche bekommt ihr sehr selten zu Gesicht.

Sich einen Wolf schießen

Dreimal dürft ihr raten, womit ihr euch die Zeit in den engen Schächten vertreibt und sehnsüchtig hofft, dass das Spiel ein Ende nimmt? Richtig, ihr kämpft mit einem grandios unspektakulären Waffenarsenal gegen haufenweise geklonte Gegner, die sich selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad als erbarmungslose Scharfschützen entpuppen - sofern euch die Feinde bemerken. Oftmals stehen die Bösewichte im Level herum und bemerken euch nicht, selbst wenn ihr laut ballernd einen Kameraden wenige Meter entfernt erledigt. Erwachen die Fieslinge zum Leben, gehen sie manchmal in Deckung oder werfen mit Knallkörpern - mehr Aktionen haben die bösen Buben nicht auf dem Kasten, insbesondere Teamtaktik wird schmerzlich vermisst. Feind-Masse statt -Klasse steht auf dem Programm, gepaart mit unfairen Spawns in zuvor aufgeräumten Abschnitten.

Keine Unterschiede

Später wechselt ihr überraschenderweise die Hauptfigur und steuert eine Agentin mit einem einzigen Unterschied: die Dame darf nur fünf Waffen tragen - scheinbar nahmen die Entwickler den Spruch mit dem schwachen Geschlecht zu wörtlich. Echte 

Ein recht gut aussehender Charakter in einem der tristen und langweiligen Levels.
spielerische Abwechslung zwischen den beiden Protagonisten gibt es nicht, da ihr weiterhin stumpf durch die linearen Areale laufen und vielleicht mal einen Schlüssel oder Schalter suchen müsst.

Apropos Waffen-Balance: Während eure Gegenspieler sensationell scharf schießen, müsst ihr mit wild in der Gegend streuenden Schießprügeln vorlieb nehmen. Nur die Maschinengewehre treffen prompt ins Schwarze - irgendwie seltsam. Eine ähnlich unausgewogene Balance findet ihr bei allen Waffen und den furchtbar schwachen Böllern (sollen Granaten darstellen), die ihr benutzen dürft.

Kulisse

Das Grau-in-Grau-Szenario wird durch eine eigens geschaffene Grafik-Engine auf die Monitore gezaubert, die nicht ansatzweise mit Titeln wie F.E.A.R. oder Call of Duty 2 mithalten kann. Die Umgebung ist viel zu schlicht, zu eckig und furchtbar monoton. Echte Highlights in der Level-Gestaltung halten sich in Grenzen; vieles wird bis zur Unerträglichkeit wiederholt. Überzeugen können lediglich die Charaktere, die halbwegs gut aussehen, sich jedoch abgehackt bewegen und nach dem Ableben mit ansehnlicher Ragdoll-Physik auf den Boden fallen. Blut-Effekte braucht ihr trotz "keiner Jugendfreigabe" nicht erwarten, nur in den Zwischensequenzen seht ihr die rote Flüssigkeit.

Fazit

Wer braucht The Stalin Subway zu Zeiten von F.E.A.R., Call of Duty 2 oder Serious Sam 2? Eigentlich niemand, denn der Ego-Shooter kombiniert Gameplay-Mechaniken aus den 90er-Jahren mit Grafik aus dem Jahre 2004 und verstrickt sie in eine bemüht kontroverse Story. Das Ergebnis: Eine strikt lineare Ballerei mit verwirrenden und unnötig schlecht gestalteten Levels sowie einer unvorteilhaft präsentierten Story. Abwechslung in Form von Missionszielen oder Schauplätzen ist nicht vorhanden. Selbst die Intelligenz der Gegner ist gerade mal ausreichend zu nennen. Gekrönt wird dieses Paradebeispiel für Demotivation mit einem schlechten Waffen-Balancing und unfair scharf schießenden Gegnern. Macht einen großen Bogen um diesen Murks!

Pro

bemüht kontroverse Story
viel schnörkellose Action
Wechsel der Hauptperson
gute Charakter-Modelle
stilvolle Render-Zwischensequenzen
nette Physik-Engine

Kontra

schlechte Level-Gestaltung
keine Mini-Map
Story wird in Bruchstücken erzählen
schlecht inszenierte Ingame-Cutscenes
Level-Recycling
sehr eckiges Design
keine Abwechslung
stupide Einsatzziele
miese KI
Physik-Engine ohne spielerischen Einfluss
unausgeglichenes Waffen-Balancing
stetig gleich aussehende Areale
hohe Hardwareanforderungen
nur vier Multiplayer-Karten für DM oder CTF

Wertung

PC

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