Geheimakte: Tunguska
USK: 6

Test: Geheimakte: Tunguska

So testet 4Players
Seite:  1  |  2  |  Fazit 

Autor:
Jörg Luibl

Sehr gute Regie

Die Zeit vergeht im Nu und man wird von vielen wirklich gelungenen Zwischensequenzen begleitet von Museen in Privathäuser, von Kanalisationen in Militärlager, von Zugdächern in Herrenhäuser geführt. Selbst China, Irland und Kuba
Auch ohne spektakuläre 3D-Grafik: Die Kulisse ist edel, die Locations sind sehr schön gezeichnet.
dürfen nicht fehlen. Die hohe Frequenz der Filmszenen sorgt für eine erzählerische Dynamik, die nie  um böse Vorboten verlegen ist - ein schwarzes Auto im Nebel, ein russischer Mafiosi im Zigarettendunst. Das Flair ist zwielichtig, das Mysteriöse ständig präsent. Dadurch, dass Nina und Max später als Duo zusammen arbeiten, ergeben sich auch interessante Team-Szenen: Obwohl sie räumlich getrennt sind, können sie über einen Faden mit Kieselstein wichtige Gegenstände austauschen, um sich zu befreien. Hier macht das Spiel so richtig Spaß, hier weht der Wind der alten Adventure-Zeiten.

Alle Locations bestechen durch wunderbare Zeichnungen und ihren authentischen Anstrich: In Berlin gibt's deutsche Straßennamen, in Russland begegnet euch Kyrillisch. Hinzu kommen feine Animationen, die die Sterilität der gezeichneten Hintergründe etwas aufbrechen: Jeans wackeln im Wind, Motten umschwirren das Licht, Dampf schwelt aus Gullys und Echtzeitschatten unterlegen die Laufwege der Figuren. Die Kulisse kann zwar nicht mit großen Schauplätzen oder rasanten Kamerafahrten à la The Moment of Silence oder der technischen Üppigkeit oder räumlichen Freiheit eines The Longest Journey: Dreamfall  protzen, aber sie ist edel und stimmungsvoll.

Sehr gute Sprecher

Dass man dem Geheimnis von Tunguska so gerne nachspürt, liegt nicht nur am historischen Kern des Ereignisses und der Rätsellogik, sondern auch an den Dialogen. Zum einen werden sie wirklich hervorragend gesprochen: Ich habe keine Stimme gehört, die nicht passte oder sich in irgendeiner Weise unmotiviert anhörte - im Gegenteil: Ob Staunen, Wut, Bestürzung oder Heiterkeit - hier wird alles sehr natürlich transportiert, die Sprecher von Brad Pitt und Angelina Jolie geben ihr Bestes. Heldin Nina hat einige knackige Sprüche auf Lager, die ihr abseits des Babe-Anstrichs eine
Irgendwann stößt Max hinzu, so dass ihr auch Rätsel im Team lösen könnt.
sympathische Tiefe verleihen. Sie ist mehr als die rothaarige Schöne, für die man zunächst die Sex-Sells-Schublade aufmacht: Schon wieder so'n 90-60-90-Babe? Aber Fehlanzeige:  Vor allem ihr ab und zu aufblitzender Chuzpe sowie ihre inneren Monologe verleihen den Gesprächen eine subversive Note: Sie schmeichelt einer Wache mit ihrem Charme und denkt sich gleichzeitig, was für ein Trottel da steht - sehr amüsant.

Trotzdem gibt es auch in Tunguska zig Klischees oder zu schnell durchschaute Figuren wie etwa den Hausmeister oder Kommissar Kanski. Es gibt auch einige Dialogstellen, die aufgesetzt bis peinlich wirken. Als Nina unter einer Teppichecke ein Geheimfach findet, sagt sie tatsächlich:

"Eine Kassette. Lag sie da absichtlich drin oder ist sie da reingefallen?"

Autsch. Aber das sind wirklich nur Nadeln im Heuhafen. Tunguska hat aus erzählerischer Sicht vielleicht nicht die düstere Qualität eines Black Mirror , die auch erwachsene Spieler sofort ansprach. Wer subtilen Schauder oder vielleicht Gänsehautmomente erwartet, ist hier trotz der Mystery-Ansätze, der Kapuzenträger und Geheimdienste fehl am Platze. Aber es nimmt den Rang einer richtig guten Drei-Fragezeichen-Episode ein, tendiert auch mit seiner beiläufigen Romanze in Richtung Baphomets Fluch. Sprich: Es ist spannend, amüsant und gut erzählt. Freut euch auf viel Wortwitz und kernige Sprüche.

Ein großes Lob verdient auch die Soundkulisse: Nicht nur die Titelmusik mit ihren verschwörerischen Melodien hat mir gefallen, auch die vielen kleinen Einspielungen an eher unwichtigen Stellen. Als Nina vor der Wohnung ihres Vaters recherchiert, passiert z.B. hinter ihr irgendwo ein Unfall. Man hört bloß quietschende Reifen, dann ein lautes Fluchen, sieht
Spannende Story, kreative Rätselkultur und schöne Wettereffekte - es gibt wenig zu meckern.
aber nichts - das ist klasse. So wirkt die eigentlich statische Szene gleich viel lebendiger. Es gibt immer ein subtiles Geräuschambiente, das im richtigen Moment mit einem Flüstern, Rauschen oder Zischen auftrumpft.

Wünschenswerte Kleinigkeiten

Schade ist, dass man die Dialoge einfach so runterspulen kann - sprich: Es hat keine Auswirkung, in welcher Reihenfolge oder gar wie man etwas fragt. Ein modernes Adventure sollte auch versuchen, in den Dialogen etwas mehr Eingriffsmöglichkeiten zu bieten. Auch das Thema Emotionen bleibt hier unangetastet. Ansonsten gibt es nur einige kleine Dinge, die man noch verbessern könnte: Etwa eine Beschleunigungsfunktion für den Helden, damit er per Doppelklick gleich rennt. Oder ein Inventar mit dreidimensionalen Gegenständen, die man drehen und zoomen kann - auch, um vielleicht versteckte Fächer oder Hinweise zu finden. Das würde dem Spiel noch mehr Stöbercharakter verleihen und es technisch aufwerten.

      

Kommentare

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  • Meine Wertung für Geheimakte Tunguska! Postives: + mitreßende Geschichte + nützliche Spielehilfen + beeindruckende Präsentation + abwechslungsreiche Plätze + toll inszenierte Atmosphäre + gelungene Musik- und Soundkulisse + viele Personen mit Ausdruck + einfache Point&Click  [...] Meine Wertung für Geheimakte Tunguska! Postives: + mitreßende Geschichte + nützliche Spielehilfen + beeindruckende Präsentation + abwechslungsreiche Plätze + toll inszenierte Atmosphäre + gelungene Musik- und Soundkulisse + viele Personen mit Ausdruck + einfache Point&Click Steuerung + hochspannende Zwischensequenzen + zwei spielbare Charaktere + auflockernde Gespräche + Rätsellogik- und Vielfalt + angemessener Schwierigkeitsgrad + schöne Spieldauer Negatives: - leider eher aufgesetzter Schluss - bei der Spiellänge wäre aufgrund der ein wenig zu hastig und unfertig beendeten Geschichte noch mehr drin gewesen Spielspaß: 87 % FAZIT: Ich kann nur sagen: Ich bin unheimlich überrascht! Es macht einfach Spaß mit zwei ausgesprochen interessanten Charakteren an wunderschönen Orten zu rätseln. Aber ein ärgerliches Manko gibt es leider schon: Als ich den Abspann sah, dachte ich: Das war`s? Von der Spiellänge ist das Game schon wirklich umfangreich, aber das Ende wirkt leider etwas unfertig und unbefriedigend, sodass das Spiel einem doch ein bisschen zu, wie soll ich sagen, kurz vorkommt. Nichts desto trotz ändert es nicht daran, dass Geheimakte Tunguska einer der besten Adventures bleiben wird, denn richtig viel Freude am Zocken gab`s ohne jeglichen Zweifel, denn spielerisch ist es auf allerhöchstem Niveau! Gruß Timo
  • spiel doch die demos und BILD dir deine Meinung
  • Gut geschriebener Test. Ich dachte, dass das Spiel nicht so doll sein würde, aber es scheint als hätte ich mich geirrt. Jetzt stellt sich nur die Frage: Welches Spiel ich mir zulegen werde. Baphomets Fluch 4 (Das morgen erscheinen soll) Oder Tunguska. Werde mir wohl beide auf einmal  [...] Gut geschriebener Test. Ich dachte, dass das Spiel nicht so doll sein würde, aber es scheint als hätte ich mich geirrt. Jetzt stellt sich nur die Frage: Welches Spiel ich mir zulegen werde. Baphomets Fluch 4 (Das morgen erscheinen soll) Oder Tunguska. Werde mir wohl beide auf einmal kaufen :lol:

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