Sam & Max: Episode 6 - Bright Side of the Moon19.05.2007, Bodo Naser
Sam & Max: Episode 6 - Bright Side of the Moon

Im Test:

Wo haben uns Sam & Max in den letzten Teilen nicht überall hingeführt: Ins Fernsehstudio, die Fänge der Toy-Mafia, das Weiße Haus und die virtuelle Welt. In der letzten Episode Bright Side of the Moon geht es auf den Erdtrabanten, der allerdings weniger unbelebt ist als gedacht. Dort oben treibt nämlich eine wohlbekannte Sekte ihr Unwesen. Ob die Beiden auch das Ding schaukeln?

Verschwörung auf dem Mond

Wer von euch eine der Episoden zuvor durchgespielt hat, wird sich vielleicht noch an das Foto erinnern, das im Büro hängt und auf dem die beiden als Paar auf ihrem 

Auf dem Mond gibt's zwar keine Aliens aber dafür Hugh Bliss und seine Prismatologen-Bande.
Trip zum Mond zu sehen sind. Sicher habt ihr euch auch schon gefragt, wie sie dort bloß hingekommen sind? Diese Frage wird nun zweifelsfrei geklärt, denn sie sind natürlich -nach guter alter US-amerikanischer Tradition- mit ihrem Einsatzwagen Desoto gefahren. Auf dem Mond steht zwar die Landefähre herum, aber niemand scheint zu glauben, dass man mit der Blechbüchse wirklich die ca. 380.000 Kilometer überbrücken könnte - Wasser auf den Mühlen all derer, die glauben, die Mondlandung hätte nie stattgefunden.

Andere scheinen mit dem Transport zum Mond hingegen keine Probleme zu haben, wie die ganzen Anhänger einer seltsamen Sekte beweisen, die sich dort tummeln. Ihr Heilsbringer ist der ebenso farbenfrohe wie größenwahnsinnige und nervige Hugh Bliss, der auch schon in einigen der Vorgänger Auftritte hatte. Als eine Art moderner Zauberer von Oz hat er mittels seiner Lehre von der Prismatologie die Bösewichter in seine willigen Anhänger verwandelt. Als Prismatologe ist das ein Leichtes für ihn, da er seinen Geist erweitert hat. Parallelen zur Gehirnwäsche, die irdische Sekten vornehmen, sind durchaus gewollt.

Leichte Ermüdungserscheinungen

Leider ist der sechste Teil nicht mehr ganz so spritzig wie die Teile zuvor, was sich mit gewissen Abnutzungserscheinungen erklärt. Es ist eben nicht mehr so witzig wie beim ersten Mal, wenn ihr Boscos Gemischtwarenladen betretet, der dieses Mal einen mondsüchtigen Irren gibt. Auch dass er wieder eine exorbitante Summe für seine Ware verlangt, zaubert allenfalls noch ein beiläufiges Lächeln aufs Gesicht. Das liegt sicher auch daran, dass Telltale die Bösewichte dieses Mal zum Teil einfach recycelt hat, anstatt Neue zu erfinden. Abe Lincoln, die Uralt-Computer und der Maulwurf - alle schon mal besiegt.

Bliss sendet vom Mond tödliche Hypnosestrahlen aus, die die Menschheit betäuben sollen. Derart geschwächt will ihnen der Sektenheini den Lebenswillen aussaugen, um selbst noch perfekter zu werden. Um den Weltuntergang ein letztes Mal zu verhindern, müssen Hund und Hase dieses Mal eine Reihe magischer Talismane erbeuten, um schließlich dem Durchgeknallten das Handwerk zu legen. Das spielt sich ein wenig wie die Mischung aus dem Vergnügungspark der Toy-Mafia aus Episode 3 gepaart mit der Hauptquest der letzten Episode. Schön, dass alle noch mal da sind, aber fürs Finale hätte ich mir ein wenig mehr Kreativität gewünscht.

Durchschaubare Rätsel

Wenn alles nicht mehr so strahlt wie beim ersten Mal, treten natürlich auch die Schwächen eher ans Licht. Die Rätsel etwa, die erneut zu einfach geraten sind: Meist sind es bloße Inventarrätsel, bei

Wiedersehen mit alten Bekannten aus den vorigen Episoden, die noch einmal zum Rätsel bitten.
denen es mit dem Anbringen eines bestimmten Gegenstands getan ist. Das ist angesichts der Handvoll Sachen, die ihr mit euch rumtragt, nicht schwer. Natürlich müsst ihr dabei die paar Räume mehrmals durchkämmen. Dann gibt es wieder Minispielchen, etwa wenn ihr den Spielautomaten beim Tic Tac Toe gewinnen lassen müsst. Schließlich Dialogrätsel, wenn ihr ein paar Sprüche in der richtigen Reihenfolge vom Stapel lassen müsst, um einen Effekt zu erzielen. Dabei sind vertiefte Englisch-Kenntnisse von Vorteil.

Dieses Mal ist es leider auch so, dass ihr die Vorgänger gespielt haben solltet, um einige der Rätsel nachvollziehen zu können. Das gilt etwa für Abe Lincoln, den ihr wieder mit Sybil verkuppeln sollt. Nicht sonderlich einfallsreich, da ihr dem präsidialen Gipskopf wie gehabt Anmachtipps am Telefon geben müsst. Auf was die Wahlkanadierin steht, wisst ihr aber nur wenn ihr schon mal bei ihr wart. Ähnlich ist es beim einen oder anderen Gegenstand, den ihr braucht. Von seiner Existenz wisst ihr aber eigentlich nur, wenn ihr Teil zwo gespielt habt. Ihn so zu finden, erfordert schon Adleraugen.

Bunter denn je

Die 3D-Grafik könnte bunter nicht sein, was sich schlicht 

Bunter geht's nimmer. Bliss' Reich ist eines der Geschmacksverirrungen.
mit dem Prismalook von Hugh Bliss Sektierern erklärt. Regenbogenfarben wo ihr hinblickt - auf dem Krimskrams im Fanshop, dem Erbrochenen des Talisman und unter der Achterbahn. Alles total übertrieben eben - wie der im durchsichtigen Kristall über der Erde schwebende Sektenchef, der seine Strahlen auf den blauen Planeten sendet. Es gibt auch wieder kleine Bonmots wie die Fahrt mit der prismatologischen Achterbahn, die einfach nur witzig aussehen.

Wer die überbordende Art von Bliss schon in den Vorgängern nicht leiden konnte, der wird nun durch seine omnipräsente Quietschstimme auf eine harte Probe gestellt. Aber auch diese Stimme zeugt nur von der Qualität der englischen Sprachausgabe, die immer noch beeindruckend ist. Sie trifft immer genau den richtigen Tonfall und sorgt so für eine dichte Atmosphäre. Der Anrufbeantworter etwa hört sich bei allem, was er sagt, so an, als wäret ihr mit der Hotline eines Telekommunikationsanbieters verbunden. Wir sind schon gespannt, wie sich das auf Deutsch anhören wird, wenn die lokalisierte Fassung im August mit allen anderen Teilen als Sam & Max: Season 1 erscheint.

                 

Fazit

Obwohl die Luft ein wenig draußen ist, ist auch die sechste und letzte Episode wieder insgesamt ein lohnendes Erlebnis. Auf dem Mond laufen die Freelance-Polizisten noch einmal zur Hochform auf, wenn sie Sektenchef Hugh Bliss im Endkampf das heilsbringerische Handwerk legen müssen. Das Finale bietet eine Suche nach prismatologischen Talismanen, auf der ihr auf mehr als ein bekanntes Gesicht trefft -Seitenhiebe auf irdische Sekten inklusive. Dieses Mal sind es nicht nur Bosco, Sybil und Co., die ihr wiederseht, sondern auch gleich noch die Bösewichte der vorigen Episoden dazu. Die Rätsel sind erneut teils zu simpel geraten, wobei ihr die wenigen Räume mehrmals abklappern müsst, was aber bei den Vorgängern genauso war. Alles erstrahlt im typischen Comiclook der Telltale-Adventures, der durch die bonbonfarbene Einrichtung noch unterstrichen wird. Die Sprachausgabe trägt wieder viel zur Stimmung bei. Unter dem Strich ist die Mondlandung des Kultduos aber nicht mehr ganz auf dem hohen Niveau der Vorläufer. Wir sind schon gespannt, ob und wie es mit Sam & Max weitergehen wird.

Pro

schräges Ermittlerduo
Treffen mit alten Bekannten
tolle Sprachausgabe

Kontra

+ nicht mehr ganz so spritzig + recht kurz+ wenig Schauplätze+ Rätsel zu einfach

Wertung

PC

Ein würdiger Abschluss der Episoden, der aber nicht mehr ganz so taufrisch wirkt.

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