Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper - Vorschau, Adventure, PC - 4Players.de

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Point&Click-Adventure
Entwickler: Frogwares
Publisher: Focus Home
Release:
27.11.2009
14.08.2009
Spielinfo Bilder Videos
Wem hat Sherlock Holmes virtuell nicht schon alles das Handwerk gelegt: Einer staubigen Mumie, dem fiesen Cthulhu und zuletzt Meisterdieb Arsene Lupin. Doch einen hat er bislang noch nicht gefangen - Jack the Ripper. In seinem fünften Auftritt, der dieses Jahr erscheinen soll, wird er den bekanntesten Frauenmörder Englands durch ein dreidimensionales East End jagen.

Die Wahrheit hinter dem Mythos

Wer war Jack the Ripper? Um diese Frage ranken sich die wildesten Spekulationen, denn der Mörder wurde nie gefasst. Die absonderlichsten Theorien dürften sicher eine Frau namens Jill the Ripper, ein 

Gelingt es Sherlock Holmes, das Phantom zu enttarnen, das Whitechapel in Angst und Schrecken versetzt? 
Satanist, der mit den Morden ein Kreuz nachbilden wollte, oder Alice-Autor Lewis Carroll sein. Nicht wenige schieben sogar dem Königshaus die grausigen Morde in die Schuhe, genauer dem Leibarzt seiner Majestät Sir William Gull - wie im Film "From Hell". Die Krimiautorin Patricia Cornwell glaubte zuletzt, den Maler Walter Sickert mittels einer umstrittenen Genanalyse überführt zu haben. Fast scheint es so, dass durch besonders abstruse Theorien stets die Absätze des dazu gehörigen Buchs befeuert werden sollten. Dem Killer will auch ein FBI-Profil näher kommen, wonach er männlich, um die 30 Jahre alt und eher unauffällig war, mitten in Spitalfields wohnte und vermutlich ein Problem mit Frauen hatte.

Zu welchem Täter das Adventure tendieren wird, war beim ersten Spielen noch nicht abzusehen. Da die getestete Vorschau-Version mit der Ermittlung im Fall Mary Ann Nichols leider unvermutet endete, war auch noch keine eindeutige Tendenz zu erkennen. Alles steht und fällt mit der Frage, ob der Täter damals anatomische Kenntnisse hatte oder nicht. Und wenn "ja" welche? Frühere Forscher sind oft davon ausgegangen, dass der Mörder Arzt war, weil seine Schnitte angeblich sauber gewesen sein sollen. Auch in dieser Frage gab es im Spiel keinen Anhaltspunkt, da die Spuren an der ersten Leiche nicht eindeutig waren. Es ist aber zu erkennen, dass sich die Macher von Frogwares informiert haben und sogar den neuesten Wissensstand einfließen ließen.

Wie viele Tote?

Man weiß noch nicht einmal die genaue Zahl von Jacks bedauernswerten Opfern, die er im Armenviertel im Herbst 1888
Was weiß die Polizei über die Mordserie? Leider entpuppt sie sich mit dem Mord als überfordert, da es kaum moderne Methoden gab.
hinmetzelte. Es gibt Meinungen, die die unheimliche Mordserie bereits 1887 mit dem schemenhaften Mord an "Fairy Fay" beginnen und sogar bis 1891 gehen lassen, immerhin drei Jahre nachdem der Mörder eigentlich aufgehört hatte. Fünf Opfer sind heutzutage allgemein anerkannt: Mary Ann Nichols, Annie Chapman, Elisabeth Stride, Catherine Eddowes und Mary Jane Kelly, die vom 31. August bis zum 9. November 1888 getötet wurden. Bis auf Mary Jane waren sie allesamt älter, Gewohnheitstrinkerinnen und besserten ihren kärglichen Lebensunterhalt mit Prostitution auf, was in Whitechapel damals keinesfalls unüblich war. Sie waren obdachlos und besaßen buchstäblich nur das, was sie am Leib trugen. Geld kann also kein Grund sein, warum sie getötet wurden.

Auch hier wird das Adventure auf neueste Erkenntnisse eingehen, indem es den Mord an Martha Tabram am 7. August 1888 hinzu nimmt, obwohl sie auf andere Art ermordet wurde. Das entspricht nicht nur der damaligen Berichterstattung der Zeitungen, es trägt auch dem Umstand Rechnung, dass sie nach einem Feiertag ermordet wurde. Auch die Opfer der Rippers sind an oder nach Wochenenden bzw. Feiertagen ermordet worden. Allerdings wird der Spieler zunächst nicht im Fall Tabram ermitteln, da dieser vor der Spielzeit lag, die die anderen fünf Toten umfassen wird. Man darf gespannt sein, was Holmes noch alles dazu einfällt. Vielleicht findet er ja noch ein Opfer? Ob das Abenteuer die ganzen anderen Fragen wie die Ripper-Briefe oder das mysteriöse Graffito in der Goulsten Street beantworten wird, war ebenfalls nicht auszumachen. Auch hier darf man also gespannt sein.

Ein Bündel namens Polly

Ziemlich am Beginn kümmern sich Sherlock Holmes und Dr. Watson, den man auch wieder spielen kann, um den Mord an Mary Ann Nichols, die kurz "Polly" genannt wurde. Als sie früh morgens vor einem Tor in der Buck's Row entdeckt wurde,
Was ist mit Polly geschehen? Wo traf sie ihren Mörder? Und wer hat sie so zugerichtet?
hielt der Finder sie zunächst für ein Bündel mit Unrat, das jemand dort abgeladenen hat. Erst aus der Nähe war zu erkennen, dass es sich um eine Frau handelte. Allerdings war zunächst nicht klar, ob sie tot war. Erst als die Polizei eintraf, stellte sie fest, dass es sich wohl um ein Gewaltverbrechen handelte. Auf dem Gehweg war eine Blutlache, jedoch keine besonders große. Nach oberflächlicher Untersuchung durch einen Arzt wurde Polly weggebracht. Dabei wurden wertvolle Spuren verwischt, wie auch Holmes feststellt, als er später den Tatort untersucht. Er muss sich daher auf seine Intuition verlassen, die ihm den Weg weist.

Der Spieler muss alle Spuren fein säuberlich entdecken, da man sonst nicht weiterkommt. Hat man dies geschafft, was gar nicht so einfach ist, da die Orte schwer zu finden sind, geht es mit der Ermordung selbst weiter. Holmes stellt diese nach, wobei der arme Doktor als Opfer dient. Wer nun nicht genau aufgepasst hat, der ist aufgeschmissen, denn es geht sehr genau zu. Kein Wunder bei Holmes, der ja als kleinlich gilt! Immerhin erfährt man so, dass Mary Ann Nichols auf dem Rücken lag, als der Mörder ihr die Kehle durchtrennte. Zuvor wurde sie gewürgt, was sich an Abdrücken im Gesicht ablesen lässt. Holmes schließt daraus, dass der Täter stark war. Wohlgemerkt - das ist der gängige Stand der Ripper-Forschung. Hat man alles gefunden, geht es ans Finale des Kapitels, wo man wieder zeigen muss, was man gelernt hat. Die Schlüsse daraus werden im Inventar stilecht mit Kordeln verbunden.

Düster aber künstlich

Neben diesen rein kriminalistischen Rätseln wird es in Sherlock Holmes vs. Jack the Ripper auch noch andere Aufgaben
Dieses Mal ermitteln Holmes und Dr. Watson aus der 3rd-Person-Perspektive, aber auf Wunsch auch in Egosicht.
geben. Neben spärlichen Logikaufgaben muss der Spieler immer wieder jemand in den dürftig beleuchteten Straßen von Whitechapel suchen. Trotz einer frei begehbaren 3D-Welt, dürfte dieses Herumlatschen nicht sonderlich aufreibend sein, auch weil das Geschehen reichlich künstlich wirkt. Obwohl alles recht zeitgenössisch aussehen wird, ist vom quirligen Londoner Armenviertel kaum etwas zu merken. Vieles wirkt einmal mehr wie Staffage wie etwa die paar eingestreuten Leute, die übers Pflaster streifen, damit halt einer da ist. Hier könnte man noch mehr machen, vielleicht mit mehr Nebenquests, die bislang noch zu spärlich auftreten. Wieso wird Holmes nicht mal von einer Straßengang ausgeraubt, die damals im East End ihr Unwesen trieben?

Wesentlich interessanter lässt es sich auch nicht an, dass man mal für einen wichtigen Zeugen Medizin besorgen muss. Solche Aufgaben sind bislang viel zu schnell gelöst, da man einfach nur auf der Karte auf das Hospital klickt, die Arznei abstaubt und bequem per Mausklick wieder zurück eilt. Die Handhabung wird durchaus mit dem Vorgänger zu vergleichen sein, anders als dort wird das Spiel aus der 3rd-Person-Perspektive gespielt, aber wer will kann auch auf Egosicht umschalten, was näher am Geschehen ist. Immerhin wirken die Dokumente wieder sehr echt, die einmal mehr den Stil der Zeit darstellen. So sehen die Briefe handgeschrieben aus, es gibt schwarz-weiße Zeichnungen von Verdächtigen und original anmutende Zeitungsausschnitte.

               
 

AUSBLICK



Auch mehr als 120 Jahre nach seinen Untaten hat Jack the Ripper kaum etwas von seiner morbiden Faszination eingebüßt. Kann es dem berühmtesten Detektiv Englands gelingen, dem Phantom die Maske zu entreißen? Obwohl Sherlock Holmes erst Jahre später tätig wurde, passt er perfekt in den Ripperfall, weil er über alles verfügt, was die damalige Polizei nicht hatte: Verstand, Kombinationsgabe und innovative Methoden. Man würde sich fast wünschen, dass ein gebildeter Mann vom Kaliber Holmes' tatsächlich ermittelt hätte, was man bald zumindest virtuell nachholen können wird. Einziger Stolperstein dürfte sein, dass die Morde für das ironische Londoner Duo eigentlich zu brutal sind. Statt launiger Schnitzeljagd durch die Londoner Museen wie beim letzten Mal gibt es dieses Mal verstümmelte Frauen im Armenviertel. Ob der Humor dabei auf der Strecke bleibt, muss sich erst zeigen, ebenso ob dieses Mal mehr Nervenkitzel aufkommt als in den letzten Abenteuern von Frogwares. Beachtlich ist schon jetzt die Detailfülle, die die Macher über den mysteriösen Fall zusammengetragen haben. In punkto Rätsel, Bedienung und Optik wird sich Sherlock Holmes vs Jack the Ripper an den Vorgänger anlehnen, auch wenn die beiden dieses Mal aus der Schulterperspektive ermitteln. Wir sind jedenfalls gespannt, was Holmes als Lösung für das große Mörderrätsel präsentieren wird.

Ersteindruck: gut


Vergleichbare Spiele

Kommentare

JammyPage schrieb am
Ich fand von allen Adventures die Sherlock Games immer am anstrengensten. Der vierte war ne Qual. Ich vertraue Bodo und hoffe aufs beste.
(Watsons Blaselippen waren immer am geilsten im Spiel)
Kid Icarus schrieb am
Ich spiel ja Adventures für mein Leben gern, aber Sherlock Holmes konnte ich nie leiden ... dann doch lieber Katie :verliebt:
onkel-marcel schrieb am
Also spielt man ein Spiel, bei dem man eigentlich schon ab der ersten Sekunde weiß, dass man kein Ende erreichen kann, weil es doch bis heute niemand rausbekommen hat, wer Jack The Ripper wirklich war.
Naja anschauen werd ich mir das vielleicht mal....
crewmate schrieb am
scorpion or monkey hat geschrieben:Auch ich finde die Idee mit Sherlock Holmes als Detektiv auf der Suche nach Jack the Ripper gut, vor allem da mich brennend interessieren würde, wer denn nun der brutale Frauenmörder in der fiktiven Darstellung der wahren Mordserie ist. Dennoch bleibe ich pessimistisch, das Spiel wirkt zu konservativ, es bringt keine Innovation in das Adventuregenre ein. Angesichts der durchaus ansehlichen und auch ausgezeichneten Adventures, die kürzlich erschienen sind, mache ich mir aber keine Sorgen, dass das Projekt am Ende eine schlechte Figur macht.
Solange es Spaß macht...
Man muss das Rad ja nich´t ständig neu erfinden.
Es gibt Spiele wie Phoenix Wright, Zack&Wiki und allgemein die "Neue Schule", die innovative Elemente reinbringt. Wobei Adventures in letzter Zeit entweder in Richtung "Fahrenheit" als interaktiver film, Puzzlefixiert wie Z&W oder extrem Oldschool wie "Edna bricht aus" oder "Ceville".
Das Genre ist alt und wird langsam erwachsen.
-Wenn- es Spaß macht.
"Perlenohrring" war klasse aber Lupin war langweilig und viel zu "sauber". London war zu dieser Zeit ein dreckiger, dunkler Ort, aber davon bekommt man in den neueren Teilen nicht viel mit.
scorpion or monkey schrieb am
Auch ich finde die Idee mit Sherlock Holmes als Detektiv auf der Suche nach Jack the Ripper gut, vor allem da mich brennend interessieren würde, wer denn nun der brutale Frauenmörder in der fiktiven Darstellung der wahren Mordserie ist. Dennoch bleibe ich pessimistisch, das Spiel wirkt zu konservativ, es bringt keine Innovation in das Adventuregenre ein. Angesichts der durchaus ansehlichen und auch ausgezeichneten Adventures, die kürzlich erschienen sind, mache ich mir aber keine Sorgen, dass das Projekt am Ende eine schlechte Figur macht.
schrieb am

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