New Little King's Story 27.09.2012, Benjamin Schmädig
New Little King's Story

Im Test:

"New Little King's Story" - warum eigentlich "neu"? So richtig konnte ich mit dem Titel nach seiner Ankündigung nichts anfangen. Kommt bei dem Sprung von Wii auf Vita etwa eine Fortsetzung heraus? Renoviert Konami das Original oder wird es eine Mischung aus beidem? Inzwischen weiß ich: Trotz neuer Dialoge und frischem Feinschliff ist die "neue Geschichte" ein Remake. Und eine technische Enttäuschung...

Halt mal!

Dass ein modernes Spiel dermaßen in die Knie gehen kann: Einen Großteil der Zeit läuft das Geschehen gefühlt nur halb so schnell wie es sollte. Manchmal stimmt die Geschwindigkeit noch – dann erstarrt sie von einem Moment auf den nächsten beinahe. Mal flutscht die Grafik selbst im eng bebauten, dicht gedrängten Stadtzentrum, mal kommt sie dort kaum weiter. Und nein, man sieht New Little King's Story (ab 49,99€ bei kaufen)den rechnerischen Aufwand in keinem Pixel an. Ausdauernde Spaziergänge werden im Bremstempo noch unerträglicher. Und davon gibt es jede Menge.

Drachen und Michelin-Männchen

Dabei hatte die Umsetzung des fast gleichnamigen Wii-Spiels die besten Voraussetzungen, ein Highlight zu werden: Das Original ist ein ebenso spritziger wie anspruchsvoller Cocktail aus taktischen Geplänkeln und dem Aufbau eines Königreichs. Mit ein wenig Feinschliff hätte aus der guten Vorlage ein großartiges Abenteuer werden können. Immerhin hatte ich schon damals meine helle Freude daran, mir als Königsbub eine Hand voll Untertanen zu schnappen, sie mit einem Tastendruck auf einen Gegner zu schnipsen – so einfach können Taktikkämpfe sein. Drollig, wie die Knilche an toten Kühen, schwarzen "Michelin-Männchen" oder Drachen hängen, bevor sie zu Boden plumpsen!

Der Kniff liegt natürlich im Detail: Manche Untertanen sind Nahkämpfer, andere Bogenschützen, wieder andere graben nach Schätzen oder bauen Brücken. So erkunde und erweitere ich die Welt, denn sobald ich den Boss eines neuen Gebiets besiege, gehört dieser Teil der Karte zu meinem Reich. Mit dem Wert aufgelesener Schätze kaufe ich Wohnungen, um meine Gefolgschaft zu vergrößern und wenn ich die Zivilisten in eine

So kämpft der kleine König: Er schnipst seine Untertanen einfach auf den Gegner.
So kämpft der kleine König: Er schnipst seine Untertanen einfach auf den Gegner.
Ausbildungsstätte schnipse, weise ich ihnen den entsprechenden Beruf zu. Wie ich meine Armee zusammenstelle, entscheidet schließlich über meine Stärke im Kampf und bestimmt, wie weit ich in unbekannte Gebiete vordringen kann. Immerhin sind Bergarbeiter schwache Kämpfer, räumen aber Geröll von versperrten Pfaden... Das ist motivierend, spannend, witzig – eigentlich hätte Konami nur die umständliche Steuerung entschlacken und für ein wenig mehr Übersicht sorgen müssen.

Die sperrige Gruppe

Über den den Touchscreen vielleicht? Darauf könnten Symbole für verschiedene Formationen liegen. Doch stattdessen greife ich für Kamera und Aufstellung aufs Digikreuz um und nutze den Berührbildschirm nur im Menü, wo ich ihn partout nicht brauche. Ich kann meine Leute zwar mit der Fingerkuppe aufs Ziel weisen, aber das ist bei spätestens zehn Untertanen unhandlicher als der Tastendruck. Die Kamera tut zudem häufig, was sie will, nicht aber, was ich will.

Vor allem ärgere ich mich, dass ich noch immer nicht auf die Schnelle einen Trupp ganz bestimmter Gefolgsleute zusammenstellen kann. Zwar darf ich wahlweise mein letztes Team oder alle Mitglieder einer Berufsgruppe zusammentrommeln, aber sobald ich eine andere Gruppe rufe, zieht die vorherige einfach von dannen. Ich darf einmal bestehende Gruppen zwar speichern, allerdings ändert sich meine gewünschte Zusammenstellung so häufig, dass mir selbst das den Alltag kaum erleichtert.

Weil ich außerdem jeden Untertan mit bunten Klamotten und besseren Waffen ausstatten darf, würde ich gerne einzelne Bewohner heran zitieren – geht aber nicht. Ich kann doch

Die sympathisch albernen Unterhaltungen des Orginals werden durch eine eher trockene und "erwachsenere" Erzählung fortgeführt.
Die sympathisch albernen Unterhaltungen des Orginals werden durch eine eher trockene und "erwachsenere" Erzählung fortgeführt.
nicht für jede Rekrutierung durch mein weitläufiges Reich latschen, um zwei oder drei Personen aufzuspüren! Selbst im Kampf schnipse ich Männer und Frauen stets in vorgegebener Reihenfolge; allzu weit gehen also weder Taktik noch Verwaltung des Königreichs in die Tiefe.

Chemie zum Selberbauen

Müssen sie ja auch nicht. New Little King's Story ist auch ohne Kleinklein ein forderndes Kämpfen und Abwägen. Zumal Herausforderungen sowie ein Baukasten hinzukommen, die meinen Handlungsspielraum vorsichtig erweitern. Den neuen Kämpfen wurde ich dabei trotz Onlineranglisten schnell müde, weil ich mit losgelösten Arenagefechten zum Selbstzweck wenig anfangen kann – die vielen bekannten freiwilligen Bosskämpfe sind nach wie vor die bessere Wahl. Das Herstellen stärkende Tränke ist allerdings eine sinnvolle Ergänzung, zumal ich experimentieren darf.

Fazit

Erstaunlich, wie viel seiner Faszination das bunte Wii-Treiben einbüßt, wenn man es auf dem kleinen Bildschirm kaum ausmachen kann und sich über die unfreiwillige Zeitlupe der technisch enttäuschenden Vita-Neuauflage ärgert. Die Schriftgröße vieler Texte ist zu klein und zu allem Überfluss hat Konami die sympathisch alberne Geschichte in ein nüchternes Abziehbild des Originals verwandelt – New Little King's Story ist eine lieblose Umsetzung ohne Blick für den Spielwitz. Dabei steckt selbst in dieser eine enorm umfangreiche, richtig anspruchsvolle Mischung, bei der taktisches Geschick mit dem Aufbau eines großen Königreichs Hand in Hand geht. Gerade im Kampf genieße ich das drollige Getümmel der fordernden Gefechte und deshalb kann ich über einige Schwierigkeiten hinwegsehen. Weil Konami fast nichts getan hat, um die Schwächen der Vorlage auszubessern und weil mir Fehler und Fehlerchen den Spaß madig machen, bin ich froh, dass des Königs neue Geschichte an dieser Stelle eine Ende für mich hat.

Pro

motivierender Ausbau des Königreichs
anspruchsvolle Taktikkämpfe
umfangreiches, offenes Spiel mit vielen Missionen
witzige Treiben in Ortschaften und im Kampf

Kontra

sehr umständliche Verwaltung der Armee
Gefolgsleute bleiben in Gelände hängen
Spiel läuft über weite Strecken mit gefühlter halber Geschwindigkeit
viel langweilige Laufarbeit
zu kleine Texte, nüchterne Geschichte statt sympathischer Albernheit des Originals
Kamera zoomt & dreht eigenständig, lässt sich nicht immer frei bewegen
besiegte Gegner tauchen fast umgehend wieder auf
Herausforderungen mit Onlinevergleich sind dröge Arenakämpfe

Wertung

PS_Vita

Witzige und spannende Mischung aus taktischen Kämpfen und dem Aufbau eines Königreichs - die vor allem aufgrund technischer Schwierigkeiten viel vom Charme des Wii-Originals einbüßt.

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