"McCall" verpflichtet
Diesmal stehen nicht die McCalls - eine andere Familie steht im Vordergrund. Gemeint ist das namengebende Kartell, das mit einem Bombenanschlag mehrere hundert Menschen tötet. Weil es in den Reihen der US-Behörden aber einen Maulwurf geben soll, müssen sie ein geheimes Einsatzkommando ohne offizielle Unterstützung nach Juarez schicken. Ein Trio mit dem Besten, das die amerikanische Verbrechensbekämpfung aufbringen kann: Eddie Guerra kann als Agent des Drogendezernats das Glücksspiel nicht lassen, Kim Evans kennt sich als Straßenkind mit Gangstern und Banden aus und Ben McCall scheint als Sohn eines Pastors seinem schießwütigen Ahnen Ray wie aus dem Relief geschnitten. Um markige Sprüche, dreckige Klamotten und rauchende Colts soll sich die Handlung drehen. Und weil das im Zeitalter des Internets so sein muss, darf man jederzeit alleine, zu zweit oder zu dritt spielen. Jede Figur erfährt dabei andere Aspekte der Handlung - einer der drei könnte etwa einen Anruf erhalten, den nur dieser Spieler hören wird.
Ein echter Thriller?
Damit aus The Cartel als kompletter Thriller durchgeht, fährt man zu dritt mal im Auto durch L.A., prügelt sich in dunklen Gassen, drängelt durch eine gut besuchte Diskothek, sieht einen Hubschrauber abstürzen und heizt über den dicht befahrenen Highway einer fährt, die anderen lehnen sich mit Bleiverteilern aus den Fenstern. Ähnlich wie im Vorgänger tritt man gemeinsam Türen ein oder schießt in Zeitlupe - mögliche Ecken oder Kisten, hinter denen man in Deckung gehen kann, werden diesmal durch eine weiße Silhouette angezeigt. In einer späteren Szene zeigen die Entwickler noch eine interessante Möglichkeit des interaktiven Geschichtenerzählens: Zwei der Agenten verfolgen jene Bösewichte, die ihren Partner festhalten. Grandioses Geschichtenerzählen darf man hier nicht erwarten, dazu wirken die Sprüche zu platt und die Figuren zu steif. Interessant ist die leicht verzweigte Handlung aber allemal.
Ausblick
Das dritte Call of Juarez bietet spätestens in Mexiko eine fantastische Weitsicht und protzt mit explosiven Schusswechseln - in der A-Liga dürfte The Cartel allerdings nicht mitspielen. Schade, dass sich die Entwickler nicht an die stimmungsvollen ruhigen Momente des ersten Call of Juarez erinnern; stattdessen setzen sie noch mehr als zuvor auf oberflächliche Schaueffekte. Diese Gewöhnlichkeit hatte schon dem zweiten Teil nicht gut getan. Dennoch könnte die Reise von Kalifornien nach Mexiko ein erlebnisreiches Spektakel werden, falls clevere Ideen wie die rasante Highway-Hatz den Adrenalinspiegel oben halten. Und immerhin dürfen sich ganze drei Kameraden ins Abenteuer stürzen - von denen jeder seine eigene Geschichte erlebt.Besonderheiten
- ein Western in der Moderne
- drei Charaktere (Ben McCall ist Nachfahre von Ray)
- kooperativ spielbar - jederzeit ein-/aussteigen
- leicht verzweigte Handlungsstränge für alle Figuren
- bekannte Elemente wie Zeitlupen, Türen eintreten
- Faustkämpfe, Verfolgungsjagden u.a.
- tolle Weitsicht in mexikanischer Steppe
- mögliche Deckungen werden visuell markiert
- noch unbekannte Mehrspieler-Inhalte
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