Resident Evil 6 (Action) von Capcom
Resident Evil 6
Resident Evil 6
Survival-Horror
Entwickler: Capcom
Publisher: Capcom
Release:
02.10.2012
22.03.2013
02.10.2012
Spielinfo Bilder Videos
Als Capcom zum ersten Mal live Spielszenen aus Resident Evil 6 präsentierte, war ich erleichtert. Immerhin gab es vorher Schlagzeilen, die das Call of Duty-Gespenst an die Wand malten. Aber in der Haut von Leon S. Kennedy erforschte man für eine Stunde ein düsteres Areal - fast wie in alten Zeiten. Als die Japaner danach betonten, dass sie an die Tradition der Reihe anknüpfen und den Horror auf eine neue Ebene bringen wollen, habe ich mich richtig auf diesen Test gefreut.


Große Versprechen…

Video
Zu Beginn weckt die Kampagen mit Leon noch die Vorfreude. Immerhin hat Capcom hier Survival-Horror alter Schule versprochen.
Hallo, Herr Kobayashi! Erinnern sie sich? Vermutlich nicht, denn ich war nur einer von vielen Journalisten in einem dunklen Raum, als Leon S. Kennedy im April auf der Captivate seine ersten Schritte machte. Er war zwar in einer amerikanischen Universität unterwegs, aber nicht nur die Holzvertäfelungen und Kronleuchter erinnerten an die mondäne Villa von Umbrella. Neben dem altmodischen Interieur sorgte das ruhige Erkunden einer schaurigen Kulisse für Neugier. Bis zu den Zombies in der Tiefgarage, die geifernd aus dem Halbdunkel schlurfen, macht dieses Spiel auch heute einiges richtig – vor allem in der ersten Stunde. Es ist mir vollkommen schleierhaft, warum man dieser Dramaturgie danach nicht konsequent folgt.

Wie all die Kollegen habe ich mir schon damals erfreut Notizen über diesen vielversprechenden Einstieg gemacht, Herr Kobayashi. Denn was sagte ihr Kollege Masachika Kawata noch im März zu aller Bestürzung:

"Ich denke, dass die Serie [Resident Evil] in diese actionorientierte Richtung gehen muss - vor allem auf dem nordamerikanischen Markt. (...) Wenn wir uns die Marktdaten von 'Survival Horror'-Spielen anschauen, dann ist der Markt sehr klein im Vergleich zu den Verkaufszahlen, die Call of Duty und die anderen Actionspiele erreichen."

Was erzählten sie der versammelten Skepsis dann im April? Sie wollten als Executive Producer dafür sorgen, dass Resident Evil 6 (RE6) an die „lauernden Schrecken“ und die „Schockmomente“ anknüpft, die viele Fans mit den Anfängen der Serie verbinden. Man sollte wieder diese „Ungewissheit verspüren“, wenn man um eine Ecke geht. Ihr Team wollte nicht nur „etwas bisher nie Erlebtes“ inszenieren, sondern den "Survival-Horror auf eine neue Ebene" bringen. Kein Problem: Klappern gehört natürlich zum Handwerk. Deshalb habe ich in der Vorschau gesagt, dass wir Sie und ihr Team an diesem Versprechen messen werden. Und wie soll ich sagen? Sie haben es gebrochen. Das Spiel ist eine große Enttäuschung.

…werden nicht gehalten!

Man kann die Kampagne jederzeit kooperativ spielen, offline im Splitscreen oder online.
Man kann die Kampagne jederzeit kooperativ spielen, offline im Splitscreen oder online. Außerdem kehrt der Söldner-Modus zurück. Der Umfang ist enorm: Vier Szenarien (Leon, Chris, Jake, Ada) mit je fünf Kapiteln sorgen für über 30 Stunden Spielzeit.
Das superlative Gelaber hinsichtlich des avisierten Spieldesigns, das Horror wie in alten Zeiten versprach, ist im Nachhinein von knapp 30 Stunden eine einzige Unverschämtheit. Dieses RE6 ist tatsächlich der beschämende Kniefall vor Call of Duty. Sorry, wenn ich die Wertungstendenz jetzt vielleicht ein wenig gespoilert habe (mit dem Award wird es natürlich verflixt schwer). Die Frage in diesem Test lautet also: Warum enttäuscht dieses Spiel so? Immerhin blitzen in einigen Momenten ja ein paar Stärken auf, die Zwischensequenzen sind wirklich sehr ansehnlich, manchmal fühlt man sich sogar etwas bedrängt und bedroht, außerdem sehen die wenigen echten Zombies teilweise klasse aus.

Der explosive Prolog würde zwar Michael Bay stolz machen, aber schon hier deutet sich in einem überzogenen Höhepunktverschleiß an, was Stunde um Stunde zur traurigen Gewissheit wird: Dieses Resident Evil wurde so auf Massenunterhaltung getrimmt, dass man die Unterschiede zu 08/15-Shootern irgendwann kaum noch erkennt – man fühlt sich viel zu früh an die schrecklichen Kinofilme erinnert. Das ist also kein Zurück-zu-den-Wurzeln mit einer Besinnung auf eigene Werte. Wohlgemerkt: Ich rede nicht vom Urvater Resident Evil anno 1996, sondern von Resident Evil 4 (RE4) anno 2005 – selbst von dieser (wichtigen! Wertung: 93%) Modernisierung hat man sich hinsichtlich Tempo, Dramaturgie und Design so entfernt, dass man von unterschiedlichen Spielen reden muss. Es gibt einige ekelhafte Szenen: Da wird zerfleischt, zerschreddert und zerfetzt. Aber es wird zu wenig erschrocken, zusammen gezuckt und geängstigt.

Das hat nichts mit falscher Nostalgie zu tun: Es geht nicht darum, dass früher alles besser war. Aber man sollte als Entwickler Respekt vor etablierten Werten haben und gleichzeitig den Mut zum Fortschritt beweisen - das beste Beispiel einer Modernisierung war RE4.  Ich habe dieses Spiel geliebt! Aber ich könnte keine Szene in diesem sechsten Teil nennen, die dessen Terror verströmt. Erinnert sich jemand an die Stelle, an der man von allen Seiten belagert wird? Mehrere Dutzend Fanatiker wollten Leon und Spanier Luis lynchen. Da war dieses Haus. Man stürmte zusammen hinein. Man verbarrikadierte Türen und Fenster. Man saß in der Falle. Dann barsten die ersten Scheiben, brachen die ersten Türen. Rücken an Rücken versuchte man, den blutrünstigen Mob aufzuhalten. Das erinnerte an Butch Cassidy und Sundance Kid, an dieses Wir-gegen-alle-Gefühl. Wo sind diese Momente hier?

Kommentare

  • PanzerGrenadiere schrieb:
    Zitat:
    Eine Entwicklung, die laut Capcom auch auf den Altersdurchschnitt der Fangemeinde zurückzuführen ist. Wie das Unternehmen in einem Geschäftsbericht gegenüber Investoren mitteilt, liegt dieser mittlerweile bei Ende 30 bis Anfang 40. Eine
     [...]
    PanzerGrenadiere schrieb:
    Zitat:
    Eine Entwicklung, die laut Capcom auch auf den Altersdurchschnitt der Fangemeinde zurückzuführen ist. Wie das Unternehmen in einem Geschäftsbericht gegenüber Investoren mitteilt, liegt dieser mittlerweile bei Ende 30 bis Anfang 40. Eine Tatsache, die bei Capcom die Befürchtung aufkommen lässt, dass diese auf kurz oder lang keine Videospiele mehr spielen könnten.
    weil cod kiddies ja immer nachwachsen, wohingegen die 30 - 40 jährigen aussterben. was für eine schwachsinnige aussage ist das denn?
    Das Traurige ist das noch vor 10 Jahren das die wichtigste Zielgruppe der Videospiele war. Der gut verdienende Papa der sich ohne lange zu überlegen ein Game kauft und damit abends ein bisschen ab zu schalten. Und es sich Finanziel leisten kann das mindestens 1 mal im Monat zu wiederholen. Klar ist die Familie und Zielgruppe auch wichtig, aber die bekommen ihre Games meist nur am Geburtstag oder Weihnachten während der Erwachsene Gamer das ganze Jahr über Spiele kauft. Die "ich will fastfood Spiele ohne viel denken zu müssen" 18-25 Jährigen haben das gleichgewicht allerdings durcheinander gebracht. Die kaufen sich blind jeden Teil einer Serie solange sie durch einen TV Spot darüber informiert werden. Diese Spieler kaufen zwar weniger Games als die 30+ Generation dafür sind sie aber treu doof und absolut loyal solange das game einigermaßen spielbar ist. Ist natürlich alles sehr allgemein gehalten. Es gibt natürlich auch jüngere Spieler die nicht nur Fast Food Games konsumieren und auch die Midlife Crysis gamer die sich jedes Call of Duty holen. Ich hoffe aber das sich das dank Kickstarter und co bald wieder etwas drehen wird. So wie es aussieht werden alte Genres wiederbelebt und auch einige neue Ideen etablieren sich am Markt und das wichtigste ist die Entwickler können davon leben und wachsen weiter. So entsteht hoffentlich bald wieder eine gesunde Mittelschicht an Spiele Entwicklern und somit mehr Auswahl für die Konsumenten. Denn ich möchte keinesfalls das Games wie Call of Duty verschwinden sondern ich möchte nur das sie die anderen Spiele neben ihnen nicht verdrängen
  • Ach, als wenn das jetzt so überraschend wäre. Capcom ist, wie viele andere Publisher, nicht mehr das was es mal war. Deren Zielgruppe ist eine andere, da nerven wir "alten Säcke" doch nur und reden der neuen Generation ihre tollen neuen Spiele kaputt. Die sollen gefälligst ihre  [...] Ach, als wenn das jetzt so überraschend wäre. Capcom ist, wie viele andere Publisher, nicht mehr das was es mal war. Deren Zielgruppe ist eine andere, da nerven wir "alten Säcke" doch nur und reden der neuen Generation ihre tollen neuen Spiele kaputt. Die sollen gefälligst ihre RTL-Niveau-Spiele schlucken, genauso wie sie sich Berlin Tag/Nacht reinziehen... oder das unsagbare Köln-Equivalent, welches meine Heimatstadt entgültig in den Dreck zieht. Da kann man nicht mal mehr argumentieren wenn jemand mit diesem Scheiß kommt ;_;
  • Zitat:
    Eine Entwicklung, die laut Capcom auch auf den Altersdurchschnitt der Fangemeinde zurückzuführen ist. Wie das Unternehmen in einem Geschäftsbericht gegenüber Investoren mitteilt, liegt dieser mittlerweile bei Ende 30 bis Anfang 40. Eine Tatsache, die bei Capcom die Befürchtung
     [...]
    Zitat:
    Eine Entwicklung, die laut Capcom auch auf den Altersdurchschnitt der Fangemeinde zurückzuführen ist. Wie das Unternehmen in einem Geschäftsbericht gegenüber Investoren mitteilt, liegt dieser mittlerweile bei Ende 30 bis Anfang 40. Eine Tatsache, die bei Capcom die Befürchtung aufkommen lässt, dass diese auf kurz oder lang keine Videospiele mehr spielen könnten.
    weil cod kiddies ja immer nachwachsen, wohingegen die 30 - 40 jährigen aussterben. was für eine schwachsinnige aussage ist das denn?

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