Game of Thrones
USK: 16
Rollenspiel (3D-Rollenspiel)

Test: Game of Thrones

So testet 4Players

Autor:
Jörg Luibl

Seit fünfzehn Jahren sitzt König Robert Baratheon auf dem Thron, aber von Stabilität ist keine Spur: Nicht nur jenseits der Mauer brauen sich dunkle Wolken zusammen. Was geschah in dieser fragilen Situation in Westeros, als Jon Arryn noch die Hand des Königs war? Das Rollenspiel entführt in die Geschehnisse zu Beginn des ersten Buches der Fantasyreihe „Das Lied von Eis und Feuer“. Dabei begleitet man zwei Charaktere abwechselnd auf ihrer Reise.
Fantasy-Bestseller im Rollenspielpelz

Video: Die ersten zehn Minuten lassen noch episches Rollenspielflair aufkommen - aber das Abenteuer verliert schnell an Reiz. Obwohl die Charaktererschaffung komplex anmutet, ist sie reines Blendwerk ohne spürbare Auswirkungen.
Auf den ersten Blick verströmt dieses Game of Thrones das Flair eines epischen Rollenspiels: Zwar kann man nur die zwei vorgefertigten Charaktere Mors Westford und Alester Sarwick durch die turbulenten Ereignisse des Jahres 298 führen, aber diese lassen sich recht ausführlich hinsichtlich der Stärken, Schwächen sowie Fähigkeiten anpassen. Sie gewinnen Erfahrung, steigen auf und können individuell ausgerüstet werden, wobei jede Waffe und Panzerung vom Stiefel bis zum Helm angezeigt wird. Das Artdesign ist zwar bei weitem nicht so prägnant wie in The Witcher 2, aber es fängt den mittelalterlichen Stil der Serie über die Kleidung gut ein. Und wenn man im Schneegestöber vor der knapp zwei Kilometer hohen Mauer steht, kommt Stimmung auf. In Schulterperspektive bewegt man seinen Charakter durch die Schwarze Festung, während man die Kamera nach Belieben dreht.

Man beginnt das erste Kapitel also überaus neugierig mit dem bärbeißigen Mors, der seit 15 Jahren bei der Nachtwache dient. Er muss sich zunächst um feige Deserteure und
Der Eiserne Thron am Tisch:

Wer die Welt von George R.R. Martin strategisch erleben will, sollte zum offiziellen Brettspiel in zweiter Edition greifen, das die politischen Intrigen sehr gut inszeniert. Wir haben es im Rahmen unserer Brettspieltipps besprochen.
Wildlinge im hohen Norden kümmern, bevor ihn die Story in brisantere Ereignisse verstrickt. Was hat er mit der Hand des Königs zu tun? Wer war er, bevor er zur Mauer ging? Im zweiten Kapitel schlüpft man dann viel weiter im Süden in die Rolle von Alester, der als junger Lord vor ebenso vielen Jahren seine Heimat Flussrath verließ und gerade als Roter Priester aus dem Exil zurückkehrt. Sein kürzlich verstorbener Vater hat allerdings ein Wespennest hinterlassen: Die Bevölkerung rebelliert und die Nachfolge wird zur familiären Zerreißprobe, obwohl er der älteste Sohn ist – da hilft nur ein Besuch am Königshof. Das Schöne ist: Es gibt keine typischen Quets à la „Töte zehn Ratten“ oder „Hol zehn Kräuter aus dem Wald“, denn alles ist erzählerisch inspiriert.

Zwei Charaktere, zwei Perspektiven


Man spielt abwechselnd zwei Charaktere: Hier der bärbeißige Mors, der bei der Nachtwache als Grenzer dient.
Man spielt abwechselnd zwei Charaktere: Hier der bärbeißige Mors, der bei der Nachtwache als Grenzer dient.
Überhaupt ist die strukturelle Ausgangssituation interessant, denn man spielt zwei unterschiedliche Charaktere abwechselnd hintereinander. Bevor man loslegt kann man sich für drei Kampfstile entscheiden. Bei Mors wäre das eher defensiv mit Schild und Schwert, eher offensiv mit Zweihandklingen oder aggressiv mit zwei Waffen. Je nachdem welchen Weg man einschlägt, werden später andere Spezialmanöver zugänglich. Danach darf man fünf Punkte auf Stärke, Gewandtheit, Glück, Ausdauer sowie Intelligenz verteilen, bevor man drei von vierzehn Fertigkeiten wie Betäubungsschlag, Kampfgeist oder Verspotten freischaltet. Es werden noch zehn Kampfpunkte auf Hieb-, Stich-, Schlagwaffen sowie Rüstung gelegt. Und schließlich darf man Charakterzüge wählen, wobei man für alles Positive wie etwa „Geborener Anführer“ oder „Assassine“ auch etwas Negatives wie „Allergiker“ oder „Paranoid“ wählen muss.

Hört sich gut an? Hört sich theoretisch sogar klasse an, fast wie bei einer Pen&Paper-Charaktererschaffung! Aber das ist praktisch alles irrelevanter Murks an der Oberfläche, nichts als vielleicht gut gemeintes, aber letztlich rein statistisches Blendwerk. All diese Fähigkeiten wirken sich nur darauf aus, wie effizient Alester und Mors kämpfen – und selbst dort nur marginal, denn über die mächtigen Boni der Rüstungen und Waffen lässt sich alles ausgleichen oder ignorieren. Warum soll ich mich um die Ausdauer kümmern, die u.a. Lebenskraft erhöht, wenn ein schnöder Schild oder ein Kettenhemd dasselbe bringt? „Paranoid“ heißt im Klartext: Die Trefferquote sinkt um zehn Prozent ab drei Feinden. „Intelligenz“ bringt Preisnachlässe und mehr Kampfpunkte. Es gibt z.B. weder ausführlichere Dialoge oder gar mehr Antworten bei erhöhter Intelligenz noch bessere Schleichwerte oder gar spezielle Ausweichmanöver bei toller Gewandtheit. Es werden einfach ein paar Zahlen verändert, was sich kaum auf der Erlebnis mit Mors oder Alester auswirkt. Dort stehen die schwachen Gefechte gegen dumme Feinde im Vordergrund.

Kommentare

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  • Wenn ich ein Buch lesen will, dann kauf ich mir eins und gebe nicht soviel Kohle für eine miese Umsetzung aus. Einzigste Ausnahme bleibt Metro 2033.
  • KOK schrieb:
    Wieso soll man in der deutschen Fassung denn aus einem King's Landing nicht Königsmund machen? Ist doch nur eine Fantasystadt. Für Kenner der Originals kann ich verstehen, wenn denen es sauer aufstößt. Ich kenne aber nur die neue Fassung und fühle mich an Königsmund
     [...]
    strong> KOK schrieb:
    Wieso soll man in der deutschen Fassung denn aus einem King's Landing nicht Königsmund machen? Ist doch nur eine Fantasystadt. Für Kenner der Originals kann ich verstehen, wenn denen es sauer aufstößt. Ich kenne aber nur die neue Fassung und fühle mich an Königsmund nicht gestört, auch wenn ich weiß, daß es im Englischen King's Landing heißt. Wo ist es Gesetz, daß in der Übersertung alles wortwörtlich übersetzt werden muss? Es handeln sich nicht um reale Städte, sondern um Fantasystädte. Und im Fall Königsmund geht auch rein gar nichts verloren. Der Name hört sich gut an, der Name passt auch, warum also sollte man nun so engstirnig sein und auf Teufel komm raus auf das Original pochen? Geht der Sinn der Stadt deswegen verloren? Nein, geht es nicht. Also bitte sachlich bleiben. Wenn man aus einem King's Landing ein Räuberloch im Deutschen gemacht hätte, okay. Aber bei Königsmund? Nur weil es keine wortgenaue Übersetzung ist? Vielleicht sollte man sich mal ans Herz fassen und fragen, ob man vielleicht nicht etwas zu verbohrt ist. Und das mit Jon ist mir gar nicht aufgefallen. Auch heute wieder ein Kapitel von Jon gelesen, wo der Schattenwolf von einem Adler verletzt wurde und trotzdem ist mir die Verwechslung mit John nicht aufgefallen. Naja, was solls.
    Ja nun]Eigennamen übersetzen muss.. Ich finde es persönlich einfach schade, wenn man dadurch Details verwässert (no pun intended). Klar kann man sich an Königsmund wenn man es neu liest nicht aufhängen, warum auch. Da hakelt nichts beim Lesen, das sitzt alles. Ich will das ganze auch nicht übertreiben, so soll das nicht rüberkommen, aber bei Übersetzungen bin ich aus eigener Erfahrung einfach mal ganz skeptisch. Immerhin macht man sich so ganz schnell aus ner englischen Fantasygeschichte ne Story die auf der fiktiven germanischen Insel Westpommern spielt. Überspitzt, bitte nicht für voll nehmen.
  • Und man kann das Spiel also auch nicht irgendwie auf Englisch stellen? Die Streiterei um die Übersetzung mal beiseite, aber Einigkeit besteht ja wohl darin, dass die deutsche Version ziemlich nerven kann, wenn man ansonsten nur das Original gewohnt war. Bei mir ist das der Fall und ich habe zur  [...] Und man kann das Spiel also auch nicht irgendwie auf Englisch stellen? Die Streiterei um die Übersetzung mal beiseite, aber Einigkeit besteht ja wohl darin, dass die deutsche Version ziemlich nerven kann, wenn man ansonsten nur das Original gewohnt war. Bei mir ist das der Fall und ich habe zur Zeit an Spielen ziemlichen Leerlauf, und besonders der Kasten bezügl. Kopierschutz & Co. hat mich ziemlich angeturnt, aber die ganze Zeit die ungewohnten Namen (und Stimmen) vorgesetzt zu bekommen, würde mich zu sehr nerven als dass sich die Investition lohnen würde.

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