Test: Okami HD

07.11.2012, Autor: Jörg Luibl

Action-Adventure für PlayStation 3






Video: Okami HD, Spielszenen-Trailer



Das Böse hat acht Köpfe



Japan stirbt. Die Menschen haben den Glauben an die Götter verloren, die Natur wird von einer schwarz wabernden Plage heimgesucht und in den Wäldern streifen angriffslustige Dämonen umher. Bäume bluten, Blumen verrotten und Flüsse verschmutzen. Ein ganzes Land verliert seinen göttlichen Segen, denn der achtköpfige Dämon Orochi ist zurück. Der einstmals Verbannte will ganz Nippon vernichten.

Da helfen keine Armeen, keine Helden und keine Gebete - da muss eine Göttin her! Und weil es um das Schicksal Nippons geht, warum nicht gleich die Ahnherrin der japanischen Kaiser um Hilfe bitten, die mächtige Göttin Amaterasu? Die Clover Studios wurden im Oktober 2006 leider von Capcom geschlossen. Falls ihr das Spiel auf PS2 oder Wii verpasst habt, solltet ihr unbedingt in die pelzige Haut der Herrin über Licht und Sonne schlüpfen. Wiedergeboren als weiße Wölfin stromert ihr durch ein bedrohtes Land - diesmal in HD.


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Okami HD - die Besonderheiten für PS3:



- optional mit Move-Controller spielbar
- unterstützt 1080p
- PS3-Trophäen freischalten
Als Spieler kann man auch nach all den Jahren zunächst nur staunen, denn Okami ist die Frucht einer kreativen Vision, ein Geniestreich moderner Videospielkunst. Das Team um Chef Atsushi Inaba hatte sich zwei Dinge auf die Fahnen geschrieben: Kreativität und Imagination - und dieses Duo wird euch faszinieren. Auch wenn das Abenteuer immer noch mit Pop-ups zu kämpfen hat, wenn sich manche Objekte erst aus nächster Nähe zeigen, ist es hinsichtlich des Artdesigns auch heute noch ein Genuss.

Die Welt erinnert an eine bildschöne japanische Tuschezeichnung mit dicken Konturen, fließenden Farben und gleißendem Schimmern. Gras und Blumen wachsen bei jedem eurer Schritte, alles wabert und lockt. Es ist eine Mischung aus der Extravaganz eines Killer 7

und der exotischen Stilsicherheit eines The Legend of Zelda: The Wind Waker, aus gewagter Moderne und traditioneller Klassik. Ich habe damals und bis heute noch kein Spiel erlebt, das in der
Egal ob Einstieg, Cutscenes oder Schätze: Am Inhalt sowie der Präsentation hat sich nichts geändert.
Egal ob Einstieg, Cutscenes oder Schätze: Am Inhalt sowie der Präsentation hat sich nichts geändert. Trotz 1080p hat die tolle Kulisse auf PS3 allerdings mit Pop-ups zu kämpfen, wenn kleine Details erst aus nächster Nähe sichtbar werden. Das war aber schon damals nicht anders.
Verbindung dieser Gegensätze so japanisch ist. Nicht nur die alten Sagen und Legenden des Landes, auch seine künstlerische Geschichte blüht hier auf jeder Wiese, in jeder Schlucht und jeder Höhle auf.


Die Macht der Kalligraphie



Genug gestaunt, denn Ziel ist es, die Dunkelheit mit Biss und Pinselstrichen zu vertreiben. Womit? Richtig gehört: Mit Pinselstrichen. Neben dem einzigarten Grafikstil ist das der zweite innovative Trumpf dieses Action-Adventures. Ihr könnt eure Feinde nicht nur beißen und anspringen, sondern auf Schultertastendruck auch die Zeit anhalten, die Welt in vergilbtes Pergament verwandeln und schwarze Tusche in sie hineinzeichnen. Wie das funktioniert erklärt euer kleiner Begleiter Issun, ein ebenso winziger wie witziger Kobold, der sich als wandernder Künstler ausgibt und hitzige Kommentare zum Besten gibt - eine Art Midna im cholerischen Miniformat. Er motzt für euch, er lästert für euch, er unterrichtet euch.

Satte 13 Maltechniken könnt ihr erlernen: Wie überquert man einen Abgrund? Man malt sich eine Brücke! Wie rettet man einen kranken Baum? Man malt ihn mit einem Kreis heile! Wie besiegt man einen fliegenden Dämon? Man stutzt ihm mit Kraftstrichen die Flügel! Und wie vertreibt man die Nacht? Man malt sich eine Sonne und es wird Tag! Und zwar aktiv: Der Analogstick oder der Move-Controller fungieren auf der PS3 als Pinsel -
Die Bosskämpfe gehören zu den Highlights. Sie sehen spektakulär aus und sind fair gestaltet.
Die Bosskämpfe gegen Riesenspinnen, Drachen & Co gehören zu den Highlights. Sie sehen spektakulär aus und sind fair gestaltet.
Drehungen und Wendungen bringen also in Echtzeit schwarze Farbe in die Welt. Zwar kann man sich an die optionale Steuerung mit Move gewöhnen und vieles wird auch akkurat erkannt, aber wie schon damals auf Wii ist sie nicht immer so punktgenau wie man sich das wünschen würde, gerade wenn es im Kampf um horizontale Linien geht. Daher empfehle ich das Gamepad für die Steuerung. Damit flutscht es: Habt ihr Kreise, Linien & Co richtig gemalt, werden sie beim Loslassen der Taste in die Spielwelt übertragen. Passen die Striche nicht, verpufft die Magie der Tinte.

Eine Blüte lockt in 30 Meter Höhe? Kein Problem: Zieht einen Strich von ihr zu euch hinab und eine Ranke wird euch hinaufkatapultieren! Dort oben erkennt ihr vielleicht noch weitere Blüten, um versteckte Truhen in den Baumwipfeln zu erreichen. Eine Wand versperrt den Weg? Malt eine Bombe! Das Komfortable am Gepinsel ist: Sobald ihr das Bild einfriert und die Welt zu Pergament, die Monster zu Zeichnungen erstarren, könnt ihr die Kamera noch drehen. Sprich: Alles bleibt dreidimensional. So kann man z.B. gezielt um einen Feind herum drehen, um seine Flügel zu attackieren oder sich den passenden Winkel für einen tödlichen Strich oder eine Parade aussuchen.


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