Test: God of War

17.04.2018, Autor: Jörg Luibl

Action-Adventure für PlayStation 4, PlayStation 4 Pro




Zum Gipfel der Welt


Video: God of War, Video-Test



Auf dem Weg zum Gipfel



Irgendwo weit hinten war der Gipfel schon erkennbar. Als ich nach ein paar Stunden mit Kratos durch den fluffig aufwirbelnden Schnee stampfte, direkt hinter den tiefen Spuren von Atreus, der mal wieder wie ein junger Hund unvorsichtig nach vorne preschte, manifestierten sich bereits einige Eindrücke. Ich drehte die Kamera nochmal langsam, schaute mich um und machte mir Notizen. Wenn man so viele Spiele bespricht, schwirren sie wie eitle Gespenster um einen herum, die verglichen werden wollen. Vor allem die prägenden Titel haben immer ein Wörtchen mitzureden.

Für Kratos steht fest, dass der Junge nicht stark genug für die Reise ist. Nur widerwillig nimmt er ihn mit.
Für Kratos steht fest, dass der Junge nicht stark genug für die Reise ist. Nur widerwillig nimmt er ihn mit.

Auf diesem verschneiten Pass fühlte ich mich z.B. an die technische Klasse von Uncharted 4 erinnert, das ähnlich eindringliche Landschaften und dynamische Fußspuren im Wüstensand präsentierte. In einigen Gefechten zuvor ließ zumindest in Ansätzen Dark Souls grüßen - dazu später beim Kampfsystem mehr. Und die gemeinsame Reise mit dem Jungen weckte natürlich Erinnerungen an The Last of Us sowie BioShock Infinite. Ganz schöne Kaliber? Richtig, aber an dieser frühen Stelle war dieses Action-Adventure noch weit entfernt von deren Klasse.



Das Grab des Childerich lässt grüßen



Zumal es verdächtig knirschte, wenn die Over-the-top-Action mit ihren Superhelden-Manövern einige subtile Momente konterkarierte: God of War lebte schon immer von der Überzeichnung, jetzt wollte es auch noch vertiefen, vielleicht auch erwachsener werden, was die Geschichte betrifft. Passt das zusammen? Bis hierher zu diesem Pass lieferte es immerhin ab. Auch wenn das jetzt etwas zu läppisch klingt, weil man diese Produktionsqualität natürlich erstmal erreichen muss. Gerade Sonys Studios haben in den letzten Jahren und erst kürzlich mit Horizon Zero Dawn technisch Zeichen gesetzt. Es geht ja nicht nur um Panorama, Licht, Mimik oder Animationen, die dank Motion Capturing in vielen Titeln immer natürlicher wirken. Wenn Kratos marschiert, bewegt sich seine komplette Ausrüstung vom kleinen Lederriemen bis zur Axt, man erkennt seinen Atem und dieses kalte Funkeln in den Augen.

Es ist für mich noch bemerkenswerter, mit welcher Hingabe die Artdesigner in diesem God of War Ornamente sowie Verzierungen an Kisten, Wänden, Rüstungen oder Türen entworfen haben. Hier erkennt man, wie viel Recherche die Grafiker

Aber Atreus kann im Gegensatz zu seinem Vater die Runen lesen und wertvolle Hinweise geben.
Aber Atreus kann im Gegensatz zu seinem Vater die Runen lesen, kennt die Geschichten seiner Mutter über Götter und Riesen und kann wertvolle Hinweise geben.

auch in Motive des europäischen Frühmittelalters investiert haben. Es gibt z.B. Einlegearbeiten, die mit ihren roten Almandinen in Gold an die Fundstücke aus dem Grab des Childerich (König der Merowinger, Ende 5. Jahrhundert) erinnern. Hinzu kommen die bunt bemalten Holztafeln, die in ihrer figürlichen Symbolik den gotländischen Bildsteinen der Wikingerzeit entsprechen. Sprich: Polygonpower und Artdesign ergänzen sich unheimlich gut.

Trotzdem sind mir die funktionalen Menüs zu steril designt und gerade die Kreaturen von Tatzelwurm bis Dunkelalb oder Nachtmahr erreichen nicht die bizarre Ausdruckskraft der Wesen eines Bloodborne. Zumal Sony Santa Monica so manche Gegnertypen wie die Häscher oder Draugar recht einfallslos kopiert und sie in zig Varianten auftauchen; überhaupt gibt es zu viele Zweibeiner auch bei den Bossen wie z.B. in Helheim - da habe ich mehr Varianz vermisst. Komplett flüssig läuft es auf PlayStation 4 Pro übrigens nicht, zumal es hier und da Texturnachlader gibt und ich einmal neu laden musste, weil sich ein Tor partout nicht öffnete. Aber das war keine reproduzierbare Sackgasse und das sind angesichts der fantastischen Kulisse und der Tatsache, dass ich ansonsten keinen (!) Bug notiert habe, wirklich Peanuts. Gerade im Zeitalter der Day-One-, Day-Two-, Week-3-Patches ist das endlich mal wieder ein Paradebeispiel für sehr gute Qualitätssicherung. Wird God of War auf einer PS4 Pro und einem 4K-Fernseher gespielt, liegt die Ausgabe übrigens bei 2160p. Wer einen entsprechenden Bildschirm sein Eigen nennt, kann God of War mit Lichteffekten und einer erweiterten Farbskala in HDR erleben.





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